{"id":1012,"date":"2021-07-26T17:40:59","date_gmt":"2021-07-26T17:40:59","guid":{"rendered":"https:\/\/tdhj.org\/?p=1012"},"modified":"2025-10-30T19:44:29","modified_gmt":"2025-10-30T18:44:29","slug":"cyber-strategische-eisenbahn-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tdhj.org\/de\/post\/cyber-strategische-eisenbahn-1\/","title":{"rendered":"Cyber \u2013 Die strategischen Eisenbahnen des 21. Jahrhunderts"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-foo\"><strong>Abstract: <\/strong>Im Juli 1914 befand sich Europa in einer Eskalationsspirale, welche schlie\u00dflich in der Katastrophe des Ersten Weltkrieg m\u00fcndete. Zahlreiche politische Initiativen in jenem Sommer gingen ins Leere, am Ende f\u00fchrten alle europ\u00e4ischen M\u00e4chte ihre Mobilisierungs- und Aufmarschpl\u00e4ne sowie milit\u00e4rischen Operationen durch. Ein wesentlicher Eskalationstreiber dieses Juli 1914 waren Eisenbahnpl\u00e4ne. \u00dcber Jahre ausgearbeitet, erforderten sie eine unmittelbare Entscheidung zum Krieg, da andernfalls das \u201egro\u00dfe Eisenbahnrennen\u201c nicht mehr gewonnen werden konnte. Heute sind Streitkr\u00e4fte nicht mehr von der Eisenbahn als strategisches Transportmittel abh\u00e4ngig. Diese wurde aber durch andere \u201eEskalationstreiber\u201c abgel\u00f6st: Angriffe im Cyber-Raum beispielsweise. Der vorliegende Artikel diskutiert, wie durch Angriffe im Cyber-Raum Krisen in k\u00fcrzester Zeit eskalieren und zu einem Krieg f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-3hfqa\"><strong>Bottom-line-up-front: <\/strong>Angriffe im Cyber-Raum besitzen das Potenzial unmittelbare Effekte zu erzielen, die in weiterer Folge zu einem konventionell-milit\u00e4rischen, internationalen bewaffneten Konflikt, also einem Krieg, f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-fb5f4\"><strong>Problemdarstellung: <\/strong>Ein reiner \u201eCyber-Krieg\u201c hat bisher und wird vermutlich auch in Zukunft nicht stattfinden. K\u00f6nnen Cyber-Angriffe dennoch auf Grund ihres Eskalationspotenzials innerhalb kurzer Zeit einen bewaffneten konventionellen Konflikt ausl\u00f6sen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-7quej\"><strong>Was nun?: <\/strong>Regierungen m\u00fcssen sich der Abh\u00e4ngigkeit von Computernetzwerken bewusst sein. F\u00fcr Krisensituationen m\u00fcssen neue m\u00f6gliche Handlungs- und Entscheidungsalternativen vorbereitet werden. Essentielle (milit\u00e4rische) Computernetzwerke m\u00fcssen robust und redundant aufgebaut sein.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/wp-content\/media-ext\/0d3ede_af61b47fbf2045f68a9a62d85658b8fe~mv2.png\" alt=\"\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color has-small-font-size wp-block-paragraph\">www.shutterstock.com\/diy13<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-3gvc5\">Eskalationsdynamiken durch Eisenbahnpl\u00e4ne im Juli 1914<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-6gar8\">Bereits in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts war absehbar, dass die Eisenbahn eine zentrale Rolle in zuk\u00fcnftigen Kriegen spielen wird. Dementsprechende Planungen zur Mobilisierung, zum Aufmarsch und zur entsprechenden logistischen Versorgung von Millionen von Soldaten und deren Ger\u00e4t im Rahmen der Massenheere nahmen alle europ\u00e4ischen Gro\u00dfm\u00e4chte vor. Beispielsweise baute Frankreich ab 1877 ein nationales Eisenbahnnetz milit\u00e4risch wichtiger Linien auf,[1] auch in Russland, wo der Kriegsminister 1873 einen massiven Ausbau der Eisenbahnlinien gegen Westen forderte, sollten insgesamt ca. 4.000 Kilometer an strategischen Eisenbahnstrecken errichtet werden.[2]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-6gmae\">Ebenso investierten das Deutsche Reich und die \u00f6sterreich-ungarische Monarchie, trotz eines Spannungsfeldes zwischen wirtschaftlichem Nutzen und milit\u00e4rstrategischer Notwendigkeit, massiv in den Ausbau von strategischen Eisenbahnlinien und Infrastrukturen. Der sp\u00e4tere Chef des preu\u00dfisch-deutschen Generalstabes, Alfred Graf von Schlieffen, stellte bereits in seiner Cannae Studie fest, dass \u201e[\u2026] der Aufmarsch jeder Armee durch die Eisenstra\u00dfen bedingt und gegeben\u201c[3] sei. Strategische Eisenbahnlinien unterschieden sich in vielerlei Hinsicht von prim\u00e4r zivil genutzten Strecken: Sie wurden zum Beispiel mit gr\u00f6\u00dferen Kurvenradien geplant, waren meist abseits gro\u00dfer Bev\u00f6lkerungs- oder Industriezentren angelegt und wiesen eine andere Infrastruktur der Bahnh\u00f6fe auf, manche Bahnsteige waren bis zu einem Kilometer lang, um einen raschen Umschlag zu gew\u00e4hrleisten und dergleichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-5fkv6\">Die Mobilisierungs- und Aufmarschpl\u00e4ne enthielten enorme logistische Herausforderungen. Im Rahmen des deutschen Aufmarsches gegen Frankreich sahen die Eisenbahnpl\u00e4ne die Durchf\u00fchrung von rund 9.000 Transporten mit Z\u00fcgen vor. Diese sollten innerhalb von elf Tagen in etwa zwei Millionen Soldaten, ca. 900.000 Pferde und zus\u00e4tzlich schwere Waffensysteme, Ausr\u00fcstung und andere Versorgungsg\u00fcter in die Konzentrationsr\u00e4ume, also die Bereitstellungsr\u00e4ume, transportieren.[4] Nicht ber\u00fccksichtigt sind hierbei die zuvor notwendigen Transporte im Rahmen der Mobilisierung, einschlie\u00dflich der Heranf\u00fchrung von Reservisten zu ihren Stammtruppenk\u00f6rpern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-tbnq\">Die Generalst\u00e4be und Staatskanzleien standen im Juli 1914 daher vor einem strategischen Dilemma: Um die jeweiligen Kriegspl\u00e4ne umsetzen zu k\u00f6nnen, mussten die Truppen rechtzeitig in geplante Positionen gebracht werden, um damit die Initiative im Krieg zu gewinnen. Dies erforderte ein rechtzeitiges Ausl\u00f6sen der minuti\u00f6s geplanten Eisenbahntransporte, die in einem komplexen Zusammenspiel ineinandergreifen sollten. Die Diskussion im Sommer 1914 drehte sich daher um die Frage, wann mobilisiert werden muss. Eine verz\u00f6gerte Mobilisierung w\u00fcrde den geplanten Einsatz unm\u00f6glich machen. Feindliche Streitkr\u00e4fte w\u00fcrden das \u201egro\u00dfe Eisenbahnrennen\u201c[5] gewinnen, die Ausgangsstellungen zuerst erreichen und der Krieg w\u00fcrde von Anbeginn verloren sein.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Die Diskussion im Sommer 1914 drehte sich daher um die Frage, wann mobilisiert werden muss. Eine verz\u00f6gerte Mobilisierung w\u00fcrde den geplanten Einsatz unm\u00f6glich machen.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-5utfu\">Als der deutsche Kaiser am 30. Juli 1914, in der Hoffnung einer englischen Neutralit\u00e4t, den Aufmarsch gegen Frankreich stoppen und die Truppen gegen Russland umdirigieren wollte, antwortete der preu\u00dfisch-deutsche Generalstabschef: <em>\u201eder Aufmarsch eines Millionenheeres lasse sich nicht improvisieren, er sei das Ergebnis einer vollen, m\u00fchsamen Jahresarbeit und k\u00f6nne, einmal festgelegt, nicht ver\u00e4ndert werden. Wenn Se. Majest\u00e4t darauf bestehen, das gesamte Herr nach Osten zu f\u00fchren, so werde er kein schlagfertiges Heer, sondern einen w\u00fcsten Haufen ungeordneter bewaffneter Menschen ohne Verpflegung haben.\u201c<\/em>[6] In \u00d6sterreich-Ungarn trat genau dieses Chaos ein. Gem\u00e4\u00df Planungen waren die \u00f6sterreich-ungarischen Streitkr\u00e4fte in drei Staffeln geteilt. Staffel A sollte gegen Russland aufmarschieren, Staffel C gegen Serbien und Staffel B sollte, je nach Entwicklung, im Schwergewicht eingesetzt werden. Dies war zu Beginn Serbien. Durch einen pl\u00f6tzlichen Sinneswandel des Generalstabschefs, Feldmarschall-Leutnant Conrad von H\u00f6tzendorf, sollte die Staffel B mitten im angelaufenen Aufmarsch doch nach Galizien gegen Russland marschieren. Dies, verbunden mit Verz\u00f6gerungen innerhalb der Staffel A, f\u00fchrte zu einem stockenden Aufmarsch und im Endeffekt zu einem Zeitverlust von zwei Wochen. \u00d6sterreich-Ungarn befand sich damit gegen\u00fcber Russland von Anfang an in der Defensive.[7]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-fmgpl\">Das strenge Regime der Eisenbahnfahrpl\u00e4ne schuf somit eine Eskalationsdynamik, im Sinne einer \u201euse it, or loose it\u201c-Logik, die eine politische Beilegung des Konflikts erschwerte und damit, neben anderen Faktoren, zur Katastrophe des Ersten Weltkriegs f\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-c1bn\">Im Sommer 1914 mobilisierten die europ\u00e4ischen Staaten ihre Streitkr\u00e4fte und der Erste Weltkrieg, auch der Gro\u00dfe Krieg genannt, begann. Millionen von Soldaten wurden einberufen und Abermillionen Tonnen Waffen, Munition und Ausr\u00fcstung aus Lagern und Kasernen geholt und f\u00fcr den Transport vorbereitet, um gegen die feindlichen Streitkr\u00e4fte eingesetzt werden zu k\u00f6nnen. Der Gro\u00dfe Krieg unterschied sich in vielerlei Hinsicht von den vorherigen Kriegen. Die Industrialisierung\/Technologisierung und die Massenarmeen bestimmten den Charakter des Krieges und ein erwarteter kurzer Krieg wurde zu einem z\u00e4hen Grabenkrieg, der bis 1918 andauerte und die europ\u00e4ische Ordnung grundlegend ver\u00e4nderte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-5a1a9\">Eskalationsdynamiken des 21. Jahrhunderts<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-dsoo5\">Moderne Streitkr\u00e4fte sind heute nicht mehr auf Eisenbahnen als zentrales strategisches Transportmittel angewiesen. Die M\u00f6glichkeit, Soldaten und Ausr\u00fcstung zu transportieren, hat sich diversifiziert. Gleichzeitig hat sich auch die Funktionsweise von Streitkr\u00e4ften und deren Organisation ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Mit einer zunehmenden Digitalisierung von Gesellschaften und Streitkr\u00e4ften haben sich die zentralen Verbindungslinien (\u201elines of communication\u201c) \u00fcber die physischen Dom\u00e4nen &#8211; Land, Luft, Wasser und Weltraum &#8211; auch in die virtuellen Dom\u00e4nen des Cyber-Raumes und des Informationsumfeldes weiterentwickelt.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-5ka7t\">Nach Thomas Rid erf\u00fcllen feindliche Ma\u00dfnahmen im Cyber-Raum folgende Funktionen:[8]<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Spionage,<\/li>\n\n\n\n<li>Sabotage und<\/li>\n\n\n\n<li>Subversion.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-2l06i\">Spionage und subversive Einflussnahmen im Cyber-Raum sind ein wesentliches Element hybrider Konflikte. Dies zeigte sich gerade in der j\u00fcngsten Vergangenheit durch bekannt gewordene Cyber-Angriffe auf <em>SolarWind<\/em> und <em>Microsoft Exchange Server<\/em>[9] oder auch die versuchten Einflussnahmen auf demokratische Entscheidungsprozesse, wie zum Beispiel im Rahmen der Wahl des US-Pr\u00e4sidenten.[10] Diese Formen der (versuchten) Einflussnahme und des Angriffs dienen jedoch eher langfristigen Effekten und beinhalten ein relativ geringes unmittelbares Eskalationspotenzial.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-a87ei\">Cyber-Angriffe mit dem Zweck der Sabotage von Systemen beinhalten im Vergleich dazu ein ungleich gr\u00f6\u00dferes Eskalationspotenzial. Dieses Eskalationspotenzial liegt insbesondere in der unmittelbaren Wirkung von Sabotageakten und dem geringen Zeitfenster m\u00f6glicher Antworten. Die m\u00f6glichen Effekte k\u00f6nnen ganze Gesellschaften, Streitkr\u00e4fte und politische Entscheidungsprozesse unmittelbar paralysieren und damit auch das Spektrum von Antworten, also die Einsatzbereitschaft von Computer Emergency Response Teams (CERT), zivilen Beh\u00f6rden und von Streitkr\u00e4ften massiv einschr\u00e4nken. Politische Entscheidungstr\u00e4ger k\u00f6nnen sich daher gezwungen f\u00fchlen eine Krise weiter eskalieren zu lassen, da sie sonst damit rechnen m\u00fcssen, die Kontrolle zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-ef678\">Damit ergeben sich auch vergleichbare Abh\u00e4ngigkeiten, wie sie f\u00fcr Streitkr\u00e4fte auch in Hinsicht auf die strategischen Eisenbahnen vor etwa 100 Jahren bestanden haben. Ein Ausfall dieser Verbindungslinien hat massive Auswirkungen auf deren Einsatzbereitschaft und Operationsf\u00fchrung. Damit l\u00e4sst sich postulieren, dass der Cyber-Raum im 21. Jahrhundert eine Analogie zu den Netzwerken strategischer Eisenbahnen des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts darstellt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-l98i\">Cyber-Angriffe auf zivile kritische Infrastruktur<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-9o439\">Gerade moderne, vernetzte Gesellschaften sind gegen\u00fcber Angriffen im Cyber-Raum besonders verwundbar. Die zunehmende (grenz\u00fcberschreitende) Vernetzung von Gesellschaften und die vermehrte Arbeitsteilung von Dienstleistungsgesellschaften sowie die Abst\u00fctzung auf automatisierte \u00dcberwachungs- und Betriebssysteme (sogenannte SCADA-Systeme) in der Industrie sowie in wesentlichen Infrastrukturen, wie Energie-, Wasser- und Nahrungsmittelversorgung beziehungsweise der Abwasserentsorgung, bieten eine breite Palette m\u00f6glicher Angriffsvektoren im Cyber-Raum. Dieses Spektrum wird in den kommenden Jahren durch die zunehmende Einbindung von Systemen des t\u00e4glichen Bedarfs, wie zum Beispiel K\u00fchlschr\u00e4nken, Heimsteuerungssystemen und digitaler hoheitlicher Verwaltung, weiter zunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-dglh9\">Ein massiver Cyber-Angriff auf kritische Infrastrukturen kann schwerwiegende negative Effekte auf Staaten und Gesellschaften haben. Diese k\u00f6nnen sich durch Effekte zweiter und dritter Ordnung sowie durch Kaskadeneffekte weiter verst\u00e4rken. Ein l\u00e4nger anhaltender nachhaltiger Cyber-Angriff auf die Stromversorgung, welcher einen weitreichenden Stromausfall (\u201eBlackout\u201c) ausl\u00f6st, kann in der Folge lebenswichtige G\u00fcter und Dienstleistungen zum Erliegen bringen. Der Ausfall der Wasser- und Nahrungsmittelversorgung in urbanen Gebieten f\u00fchrt \u2013 mangels Alternativen \u2013 innerhalb k\u00fcrzester Zeit zu einem Zusammenbrechen staatlicher Ordnung und damit zu Anarchie auf den Stra\u00dfen. Der Ausfall der Abwasserentsorgung hat massive Auswirkungen auf die \u00f6ffentliche Gesundheit: Seuchen w\u00fcrden sich in k\u00fcrzester Zeit entwickeln und die ungekl\u00e4rten Abw\u00e4sser zu einer Umweltkatastrophe f\u00fchren. Auch ohne den Einsatz konventioneller milit\u00e4rischer Kr\u00e4fte sind die Effekte, f\u00fcr die Zivilbev\u00f6lkerung, relativ \u00e4hnlich: Die \u00f6ffentliche Ordnung bricht zusammen und Menschen verlieren ihr Leben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-bi9g1\">Nach Ansicht westlicher V\u00f6lkerrechtsexperten, ist es vor allem die Art und der Umfang der Effekte von Cyber-Angriffen die dar\u00fcber bestimmen, ob diese Art der Angriffe nach dem V\u00f6lkerrecht als Gewalteinsatz oder gar als bewaffneter Angriff zu bewerten sind.[11] Es ist auf internationaler Ebene strittig, ob ein Cyber-Angriff, der die Intensit\u00e4t und\/oder den Umfang eines konventionellen bewaffneten Angriffs erreicht, das Recht auf Selbstverteidigung nach VN-Charta Art. 51 ausl\u00f6st. W\u00e4hrend europ\u00e4ische und transatlantische V\u00f6lkerrechtsexperten diese Ansicht, zum Beilspiel im \u201eTallinn Manual 2.0\u201c unterst\u00fctzten, lehnen dies russische und chinesische V\u00f6lkerrechtsexperten ab.[12]<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Es ist auf internationaler Ebene strittig, ob ein Cyber-Angriff, der die Intensit\u00e4t und\/oder den Umfang eines konventionellen bewaffneten Angriffs erreicht, das Recht auf Selbstverteidigung nach VN-Charta Art. 51 ausl\u00f6st.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-as22v\">Unabh\u00e4ngig von der v\u00f6lkerrechtlichen Bewertung, besteht bei solch massiven Cyber-Angriffen ein Eskalationspotenzial zu einer internationalen Krise. Ein Cyber-Angriff kann in einem solchen Fall auf eine bestimmte Funktion des \u00f6ffentlichen Lebens zugeschnitten sein und schnell zu einem internationalen bewaffneten Konflikt heranwachsen, da die betroffenen Regierungen vor die Wahl gestellt werden entweder milit\u00e4risch zu antworten oder ihre Legitimit\u00e4t und Kontrolle \u00fcber den eigenen Staat zu verlieren. Sollten die Effekte derma\u00dfen umfangreich sein, dass staatliches Handeln grunds\u00e4tzlich in Frage gestellt wird, k\u00f6nnten Regierungen sich, auch auf Druck ihrer Bev\u00f6lkerung, gezwungen sehen, Streitkr\u00e4fte im Rahmen der Abwehr dieser Angriffe einzusetzen. Damit w\u00e4re automatisch ein Zustand der Landesverteidigung erreicht, denn das V\u00f6lkerrecht spricht in diesem Zusammenhang nicht nur einem deklaratorischen, sondern auch einen de-facto Einsatz bewaffneter Streitkr\u00e4fte seine Legitimit\u00e4t zu.[13] Damit ergibt sich implizit die Gefahr einer Fehlkalkulation durch Akteure.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-2va8c\">Es ist dabei aber festzustellen, dass solche Cyber-Angriffe in den meisten F\u00e4llen nicht unmittelbar dem Sturz einer Regierung oder die vollst\u00e4ndige Destabilisierung einer Gesellschaft zum Ziel haben. Sie dienen meist dem sogenannten \u201eTacit bargening\u201c, also sind Teil einer politischen Kommunikation, durch welche Droh- und Einsch\u00fcchterungskulissen aufgebaut werden sollen.[14] Allerdings kann ebenso durch eine Fehlkalkulation des Angreifers eine nachhaltige Destabilisierung ausgel\u00f6st werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-6r1h1\">Cyber-Angriffe auf milit\u00e4rische F\u00fchrungssystem<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-1meoa\">Nicht nur die westliche Zivilbev\u00f6lkerung, auch deren Streitkr\u00e4fte sind einer zunehmenden Digitalisierung durch Cyber-Angriffe ausgesetzt. Grunds\u00e4tzlich sind milit\u00e4rische Netzwerke durch besondere Ma\u00dfnahmen gesch\u00fctzt. Diese reichen von einer physischen Trennung vom Internet, dem sogenannten \u201eair gap\u201c bis hin zu eigenen Betriebssystemen und Softwarel\u00f6sungen, die am freien Markt nicht erh\u00e4ltlich sind. Mit diesen Ma\u00dfnahmen ist ein erheblicher Aufwand in der Vorbereitung und der Umsetzung von Angriffen verbunden. Dennoch haben gerade die letzten Jahre gezeigt, dass auch Streitkr\u00e4fte nicht mit absoluter Sicherheit vor Cyber-Angriffen gesch\u00fctzt werden k\u00f6nnen. Dies haben zum Beispiel die israelische \u201eOperation Orchard\u201c[15] 2007 gegen das syrische Luftabwehrsystem oder die geplante amerikanische \u201eOperation Nirto Zeus\u201c[16] 2016 gegen den Iran gezeigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-fqdu9\">Exemplarisch werden nachfolgend drei generische Beispiele m\u00f6glicher Cyber-Angriffsziele mit einem inh\u00e4renten Eskalationspotenzial behandelt. Dies sind (1) Aufkl\u00e4rungssysteme, (2) F\u00fchrungs- und Informationssysteme und (3) Navigationssysteme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-2ad5h\">Gerade in latenten Spannungssituationen zwischen Staaten sind Aufkl\u00e4rungssysteme essenziell. Mit ihnen sind Streitkr\u00e4fte in der Lage die Bewegung von (potenziell) feindlichen Truppen zu \u00fcberwachen. Dies betrifft Systeme in allen physischen Dom\u00e4nen: Unter anderem Boden\u00fcberwachungsradare, Luftraum\u00fcberwachungs- und Luftraumverteidigungssysteme, Seeaufkl\u00e4rungssysteme und schlussendliche weltraumgest\u00fctzte Systeme, die alle zuvor angesprochenen Dom\u00e4nen \u00fcberwachen. Ein erfolgreicher Cyber-Angriff auf solche Systeme w\u00fcrde zu einem partiellen oder vollst\u00e4ndigen Verlust des Lagebildes f\u00fchren. Eine weitere Eskalation einer bestehenden Krise w\u00e4re naheliegend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-aemfs\">\u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich auch mit F\u00fchrungs- und Informationssystemen. Eine Funktionseinschr\u00e4nkung oder gar ein Ausfall solcher Systeme kann eine unmittelbare Eskalation einer bestehenden Krise ausl\u00f6sen. Moderne Streitkr\u00e4fte werden heute \u00fcberwiegend mittels Computernetzwerken gef\u00fchrt. Eine \u00dcbermittlung von Lageberichten und Befehlen sowie die Abstimmungen im Rahmen der Eventualfallplanung erfolgen innerhalb dieser Systeme. Ein Cyber-Angriff kann in zweierlei Hinsicht eskalierend wirken. Zum einen k\u00f6nnte die milit\u00e4rstrategische\/operative F\u00fchrungsebene in der Erwartung einer feindlichen Aktivit\u00e4t \u00fcber Ausweichkan\u00e4le einen Eventualfall aktivieren und damit eigene Truppen alarmieren und in Bewegung setzen. Zum anderen k\u00f6nnten lokale Kommandanten, nachdem sie die Verbindung zu ihren vorgesetzten Stellen verloren haben, in Eigeninitiative ihre Truppen in Bewegung setzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-34m63\">Schlie\u00dflich besteht auch im Bereich der Navigationssysteme ein Eskalationspotenzial. Vorf\u00e4lle der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass zum Beispiel mittels \u201eSpoofing\u201c, dem \u00dcberlagern von Navigationsdaten des Global Positioning Systems (GPS), Kriegsschiffe von ihrem Kurs abgebracht werden k\u00f6nnen. Bisher sind diese Einflussnahmen relativ schadlos verlaufen, haben zwar dennoch Menschleben gefordert und Sachschaden verursacht, aber keine nachhaltige Krise ausgel\u00f6st.[17] Dies k\u00f6nnte sich aber auch anders abspielen, wenn ein Kriegsschiff nach einem Spoofing-Vorfall sensible territoriale Gew\u00e4sser eines feindlich gesinnten Staates verletzt, wobei diese Verletzung auch durch den einflussnehmenden Staat bewusst provoziert werden k\u00f6nnte. Die Folge k\u00f6nnte eine Festsetzung des Schiffes sein. Der Konflikt k\u00f6nnte bei einer dementsprechenden (bewaffneten) Gegenwehr eskalieren. \u00c4hnliche Szenarien sind auch im Luftraum denkbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-c8l6e\">In allen F\u00e4llen besteht durch eine Einschr\u00e4nkung oder einen Verlust solcher Systeme ein erhebliches Eskalationspotenzial. Die milit\u00e4rstrategischen und politischen F\u00fchrungen k\u00f6nnten sich gezwungen f\u00fchlen, ihre Streitkr\u00e4fte einzusetzen, bevor sie die Kontrolle \u00fcber diese verlieren und bei einer feindlichen Aggression keine Mittel zur Verf\u00fcgung haben. Eine zus\u00e4tzliche Brisanz erhalten diese generischen Beispiele, wenn es sich bei den betroffenen Systemen nicht um konventionelle, sondern nukleare Streitkr\u00e4fte handelt. Ein Verlust der Kontrolle oder eine unbedachte Eskalation haben hier ungleich h\u00f6here Auswirkungen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-medium-font-size wp-block-paragraph\" id=\"viewer-ekck1\"><em>Die milit\u00e4rstrategischen und politischen F\u00fchrungen k\u00f6nnten sich gezwungen f\u00fchlen, ihre Streitkr\u00e4fte einzusetzen, bevor sie die Kontrolle \u00fcber diese verlieren und bei einer feindlichen Aggression keine Mittel zur Verf\u00fcgung haben.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-81lj6\">Offensive Cyber-F\u00e4higkeiten als \u201eWegwerfwaffe\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-uf5r\">Schlie\u00dflich liegt ein weiteres Eskalationspotenzial in den \u201eCyber-Waffen\u201c selbst. Im sicherheitspolitischen Diskurs werden offensive Cyber-F\u00e4higkeiten immer wieder als \u201eperfect weapon\u201c oder \u201eall-purpose sword\u201c beschrieben.[18] Bei genauerer Betrachtung ist jedoch das Gegenteil der Fall. Offensive Cyber-F\u00e4higkeiten sind gerade im Vergleich zu konventionellen Waffensystemen nur eingeschr\u00e4nkt einsetzbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-473oa\">Eine offensive Cyber-F\u00e4higkeit muss in einem komplexen Prozess auf ein bestimmtes Ziel zugeschnitten werden. Daf\u00fcr muss im Rahmen von \u201eComputer Network Exploitation\u201c der Aufbau und die genutzten Softwares eines bestimmten Systems analysiert werden. Hierbei k\u00f6nnen dann auch Schwachstellen erkannt werden, welche die Angriffsvektoren darstellen. Beispielsweise k\u00f6nnen spezifische Schadsoftwares &#8211; auf diese Schwachstellen zugeschnitten &#8211; entwickelt werden. Diese werden dann in Form von Netzwerkimplantaten in feindlichen Systemen platziert, oder f\u00fcr ein Eindringen in das System bereitgehalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-186le\">Nachdem diese F\u00e4higkeiten aber auf eine bestimmte Schwachstelle zugeschnitten sind, besteht auch eine gewisse Unsicherheit bez\u00fcglich ihrer realen Wirkung. Sollte der potenzielle Gegner die Schwachstelle selbst erkennen, kann er diese in seinem System schlie\u00dfen &#8211; die Schadsoftware w\u00fcrde damit wirkungslos werden. Zus\u00e4tzlich m\u00fcssen bestehende Angriffskonfigurationen auch st\u00e4ndig angepasst werden, denn auch wenn der Gegner die Schwachstelle nicht erkannt hat, werden Betriebssysteme und Softwaren immer wieder getauscht und angepasst. Auch diese Ver\u00e4nderungen m\u00fcssen in den jeweiligen Schadcodes ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-4f0ea\">Die reale Kosten-Nutzen-Analyse eines Schadcodes ist auf Grund des komplexen Aufbaus und der Vielzahl an unbekannten Variablen nur eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich. Hinzu kommt, dass offensive Cyber-F\u00e4higkeiten in gewisser Hinsicht als \u201eWegwerfwaffen\u201c charakterisiert werden k\u00f6nnen. Sobald der Gegner den Angriffsvektor, also die Schwachstelle erkannt hat, kann er diese relativ rasch schlie\u00dfen. Der Schadcode ist damit nur einmalig verwendbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-8h74r\">Im Falle eines eskalierenden Konfliktes k\u00f6nnen damit milit\u00e4rische und politische Entscheidungstr\u00e4ger verleitet werden, voreilig vorhandene Schadcodes einzusetzen, bevor diese durch Abwehrma\u00dfnahmen der gegnerischen Kr\u00e4fte, sei es durch ein Abkoppeln von Systemen und die Offenlegung einer Schwachstelle und des damit verbundenen \u201eVerbrennens\u201c, unwirksam werden. Nachdem in den Aufbau und Erhalt solcher offensiven Cyber-F\u00e4higkeiten vergleichsweise viele Ressourcen investiert werden m\u00fcssen, besteht eine Versuchung diese auch einzusetzen, auch wenn dies eine Eskalation nach sich ziehen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-81c7o\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-cgtd7\">Im Juli 1914 lagen in den Schubladen der Generalst\u00e4be aller gro\u00dfen europ\u00e4ischen M\u00e4chte fertige Eisenbahntransportpl\u00e4ne, die in jahrelanger Arbeit die minuti\u00f6se Mobilisierung, Zusammenziehung und den Aufmarsch der Massenheere vorsahen. Damit ergab sich ein Spannungsfeld, zwischen der milit\u00e4rischen Vorlaufzeit und den politischen Friedensinitiativen. Retrospektiv haben sich die Generalst\u00e4be durchgesetzt und der Erste Weltkrieg begann. Heute sind moderne Streitkr\u00e4fte nicht mehr in diesem Ausma\u00df von Eisenbahntransporten abh\u00e4ngig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-66r0i\">Diese wurden von anderen \u201elines of communcation\u201c abgel\u00f6st. Der Cyber-Raum umfasst heute essenzielle Kommunikationswege f\u00fcr Staaten, Gesellschaften und Streitkr\u00e4fte. Eine Unterbrechung dieser zentralen Netzwerke kann eine latente oder sich entwickelnde Krise in k\u00fcrzester Zeit zu einem internationalen bewaffneten Konflikt, also einem konventionellen Krieg, eskalieren lassen. Ein Ausfall dieser Verbindungslinien hat massive Auswirkungen auf deren Einsatzbereitschaft und die Operationsf\u00fchrung von Streitkr\u00e4ften. Der Cyber-Raum stellt damit im 21. Jahrhundert eine Analogie zu den strategischen Eisenbahnen des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts dar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-1adgr\">Ein Angriff im Cyber-Raum kann dreifach eskalierend wirken. Zum einen kann durch einen Angriff auf die kritische Infrastruktur eines Staates und damit die Lebensgrundlagen einer Bev\u00f6lkerung der Ruf nach einer dementsprechenden Antwort laut werden beziehungsweise die politisch handelnden Personen den Eindruck bekommen, dass sie die Kontrolle verlieren. Zum Zweiten k\u00f6nnen Cyber-Angriffe auf moderne Streitkr\u00e4fte eine konventionelle Reaktion ausl\u00f6sen, da anderenfalls massive Einschr\u00e4nkungen in der Einsatzbereitschaft toleriert werden m\u00fcssten, beziehungsweise k\u00f6nnte durch den angegriffenen Staat angenommen werden, dass der Gegner den Cyber-Angriff zum Paralysieren am Beginn eines eigenen (konventionellen) Einsatzes einsetzt, oder schlie\u00dflich k\u00f6nnte eine \u00dcberreaktion lokaler Kommandanten hervorgerufen werden. Gegebenenfalls k\u00f6nnten sich Streitkr\u00e4fte nach einem Cyber-Angriff gezwungen sehen eigene offensive Cyber-F\u00e4higkeiten einzusetzen, da sie diese auf Grund deren komplexen Aufbaus, verlieren k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Zum einen kann durch einen Angriff auf die kritische Infrastruktur eines Staates und damit die Lebensgrundlagen einer Bev\u00f6lkerung der Ruf nach einer dementsprechenden Antwort laut werden beziehungsweise die politisch handelnden Personen den Eindruck bekommen, dass sie die Kontrolle verlieren.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-bhg53\">Der Cyber-Raum ist heute ein zentraler Bereich der staatlichen und nicht-staatlichen Interessendurchsetzung. Spionage und subversive Einflussnahmen finden tagt\u00e4glich online statt, mit nachhaltigen Auswirkungen auf Staat und Gesellschaft. Den sogenannten Cyber-Krieg selbst hat es aber in der Vergangenheit nicht gegeben. Diesen wird es trotz technischer Fortschritte und einer zunehmenden Digitalisierung auch in Zukunft nicht geben, da gesetzte Effekte immer auch in einer anderen Dom\u00e4ne, also Land, Luft, Maritim oder Information, Wirkung zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-5msot\">Es w\u00e4re aber umso wichtiger sich des Eskalationspotenzials des Cyber-Raums bewusst zu sein. Auch wenn es den \u201eCyber-Krieg\u201c nicht gibt, so k\u00f6nnen Cyber-Angriffe konventionelle milit\u00e4rische Auseinandersetzungen ausl\u00f6sen. Dies erfordert daher: (1) die Schaffung von Bewusstsein bei milit\u00e4rischen und politischen Entscheidungstr\u00e4gern, einschlie\u00dflich des Aufbaus redundanter gesamtstaatlicher und milit\u00e4rischer F\u00fchrungs- und Informationssysteme sowie (2) die Schaffung von Bewusstsein in der Bev\u00f6lkerung \u00fcber die Auswirkung m\u00f6glicher Cyber-Angriffe, einschlie\u00dflich der Steigerung privater Resilienz, wie zum Beispiel der Vorratshaltung lebenswichtiger G\u00fcter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-bdgrg\">Lukas Bittner; Forschungsinteressen: Sicherheitspolitik, Milit\u00e4r-, Kriegs- und Konfliktentwicklung, hybride Konflikte. Zahlreiche Einzelartikel in Fachjournalen und Kommentare zur Sicherheitspolitik in \u00f6sterreichischen Tageszeitungen. Arbeitet insbesondere an der zuk\u00fcnftigen Konfliktentwicklung und den damit verbundenen Ableitungen f\u00fcr Streitkr\u00e4fte. Bei den in diesem Artikel vertretenen Ansichten handelt es sich um die des Autors. Diese m\u00fcssen nicht mit jenen des BMLV \u00fcbereinstimmen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-2ff6h\">[1] Allan Mitchell, <em>The Great Train Race<\/em> (London: Berghahn Books, 2000), 89-115.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-3shh8\">[2] William C. Fuller, <em>Strategy and Power in Russia 1600-1914<\/em> (London: Free Press, 1998), 297-300.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-artel\">[3] Klaus-J. Bremm, <em>Armeen unter Dampf<\/em> (Berlin: DGEG Medien, 2013), 6.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-828te\">[4] Ibid., 39.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-49cms\">[5] Bremm, <em>Armeen unter Dampf<\/em>, 42-50.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-5d8pb\">[6] Molke, <em>Erinnerungen<\/em>, 20; zitiert in Herfried M\u00fcnkler, <em>Der gro\u00dfe Krieg<\/em> (Berlin: Rowohlt, 2015), 81.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-dcmlb\">[7] Bremm, <em>Armeen unter Dampf<\/em>, 26-42.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-8v462\">[8] Thomas Rid und Michael Adrian, <em>Mythos Cyberwar<\/em> (Berlin: Edition K\u00f6rber, 2018), 14-22.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-qfcu\">[9] Siehe dazu: Alperovitch\/Ward: How Should the U.S. Respond to the SolarWinds and Microsoft Exchange Hacks? in Lawfare blog; https:\/\/www.lawfareblog.com\/how-should-us-respond-solarwinds-and-microsoft-exchange-hacks, zuletzt zugegriffen 20.04.2021.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-4dl4f\">[10] Bing\/Menn\/Satter: Putin likely directed 2020 U.S. election meddling, U.S. intelligence finds https:\/\/www.reuters.com\/article\/usa-election-cyber-int-idUSKBN2B82PF, zuletzt zugegriffen 20.04.2021.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-9td6t\">[11] Michael N. Schmitt, <em>Tallinn Manual on the International Law Applicable to Cyber Warfare<\/em> (Cambridge: Cambridge University Press, 2013), Prepared by the International Group of Experts at the Invitation of the NATO Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence, 47-55.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-2abgj\">[12] Idem.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-9krhg\">[13] Greenwood, <em>Anwendungsbereich des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts<\/em>; in: Dieter Fleck und Michael Bothe (Hrsg.), <em>Handbuch des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts in bewaffneten Konflikten<\/em> (Berlin: C.H. Beck, 1994), 35-42.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-55kjr\">[14] Gartzke, The Myth of Cyberwar. Bringing War in Cyberspace Back Down to Erath, In: International Security 38 (2013), 41-52.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-cgolg\">[15] Fred M. Kaplan, Dark Territory. The Secret History of Cyberwar, New York u.a., 2016, S. 118<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-c20b4\">[16] David Sanger\/Mark Mazzetti, \u00bbU.S. Had Cyberattack Plan if Iran Nuclear Dispute Led to Conflict\u00ab, New York Times (online), 16.2.2016, https:\/\/www.nytimes.com\/2016\/02\/17\/world\/middleeast\/us-had-cyberattack-planned-if-iran-nuclear-negotiations-failed.html<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-5qg4c\">[17] Woody: The Navy\u2019s 4th accident this year is stirring concerns about hackers targeting US warships; https:\/\/www.businessinsider.com\/hacking-and-gps-spoofing-involved-in-navy-accidents-2017-8?r=DE&amp;IR=T, zuletzt zugegriffen 04.05.2021.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-1k5o3\">[18] David E. Sanger, <em>The Perfect Weapon. War, Sabotage, and Fear in the Cyber Age<\/em> (London: Crown, 2018).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abstract: Im Juli 1914 befand sich Europa in einer Eskalationsspirale, welche schlie\u00dflich in der Katastrophe des Ersten Weltkrieg m\u00fcndete. Zahlreiche politische Initiativen in jenem Sommer gingen ins Leere, am Ende f\u00fchrten alle europ\u00e4ischen M\u00e4chte ihre Mobilisierungs- und Aufmarschpl\u00e4ne sowie milit\u00e4rischen Operationen durch. 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