{"id":1641,"date":"2021-03-31T10:00:00","date_gmt":"2021-03-31T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tdhj.org\/?p=1641"},"modified":"2025-10-30T19:45:15","modified_gmt":"2025-10-30T18:45:15","slug":"militar-sport-steuerung-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tdhj.org\/de\/post\/militar-sport-steuerung-1\/","title":{"rendered":"Grunds\u00e4tze (milit\u00e4r-) sportlicher Steuerung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-foo\"><strong>Abstract:<\/strong> Eingebettet in eine langfristige Planung wird K\u00f6rperausbildung zu mehr als nur Selbstzweck. Sie wird durch die gezielte Herbeif\u00fchrung geplanter und planbarer Belastungen zur Voraussetzung erfolgreicher Eins\u00e4tze, welche oft durch mangelnde Planbarkeit gezeichnet sind. K\u00f6rperliche Leistungsf\u00e4higkeit ist die Basis physischer und letztlich auch psychischer Belastbarkeit. Die gesundheitspr\u00e4ventive Wirkung ist eine Folgewirkung, die sowohl der Gesellschaft, als auch dem Individuum zugute kommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-6df4o\"><strong>Bottom-line-up-front:<\/strong> Die k\u00f6rperliche Leistungsf\u00e4higkeit ist integraler Bestandteil des Soldatenberufs. Die Vielf\u00e4ltigkeit dieses Berufs erfordert eine spezifisch angepasste K\u00f6rperausbildung &#8211; spezifisch angepasstes Training wie es im (Leistungs-) Sport allt\u00e4glich und selbstverst\u00e4ndlich stattfindet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-fsfbu\"><strong>Problemdarstellung:<\/strong> Wie kann sich der Soldat das Know-How des Leistungssports zum Zwecke der Steigerung der Wirksamkeit im Einsatz zu Nutze machen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-6phsb\"><strong>Was nun?:<\/strong> Eine einsatzorientierte K\u00f6rperausbildung bedarf langfristiger Planung unter Einbeziehung des Fachpersonals, um den Soldaten auf die Anforderungen des modernen Gefechtsfeldes vorzubereiten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/wp-content\/media-ext\/0d3ede_571aeaeb787444f0813c961828074adc~mv2.png\" alt=\"\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Source: shutterstock.com\/wavebreakmedia<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-8jums\">Sport und Milit\u00e4r sind untrennbar<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-415u4\">Die k\u00f6rperliche Leistungsf\u00e4higkeit (KLF) der Soldaten beeinflusst in hohem Ma\u00dfe die Einsatzbereitschaft der Streitkr\u00e4fte. Digitalisierung und Automatisierung im Bereich der Wehrtechnik haben nichts an den Anforderungen an die Soldatinnen und Soldaten am Gefechtsfeld ge\u00e4ndert. Das Bundesministerium f\u00fcr Landesverteidigung best\u00e4tigte in den letzten Jahren wiederholt die Relevanz der k\u00f6rperlichen Leistungsf\u00e4higkeit der Soldaten. Bereits unter dem ehemaligen Bundesminister Platter wurde die t\u00e4gliche Sportstunde f\u00fcr Soldaten eingef\u00fchrt. Gem\u00e4\u00df einer ministeriellen Weisung aus dem Jahr 2005 ist Soldaten in den jeweiligen Ausbildungsg\u00e4ngen t\u00e4glich eine Stunde Sport zu erm\u00f6glichen. Die Ausbildung von Grundwehrdienern und Personen im Ausbildungsdienst beinhaltet verpflichtend die Aus\u00fcbung einer Stunde Sport pro Tag.[1]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-b41ic\"><em>\u201eF\u00fcr den Kader besteht nach den geltenden Erl\u00e4ssen zur K\u00f6rperausbildung ein Anrecht auf zumindest 3 Stunden K\u00f6rperausbildung w\u00f6chentlich, um die geforderte milit\u00e4rische Basisfitness \u2013 nachzuweisen durch die j\u00e4hrliche verpflichtende Leistungs\u00fcberpr\u00fcfung \u201aAllgemeine Kondition\u2018 \u2013 zu erhalten. Nach Dienstesm\u00f6glichkeit kann der jeweilige Kommandant, ab dem Einheitskommandanten aufw\u00e4rts, die Zeit f\u00fcr K\u00f6rperausbildung auf bis zu 8 Stunden pro Woche erh\u00f6hen.\u201c<\/em>[2]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-50tlh\">Auch wenn sich der Durchschnitt der Gesellschaft immer weiter vom Idealbild der k\u00f6rperlichen Leistungsf\u00e4higkeit weg in Richtung Fettleibigkeit und Bewegungsmangel entwickelt, der Beruf des Soldaten muss aufgrund der Berufsspezifika eine Ausnahmestellung einnehmen. Nicht zuletzt aufgrund des technischen Fortschritts und diverser Ver\u00e4nderungen am Gefechtsfeld, gerade in Bezug auf Geschwindigkeit, Schnelllebigkeit und Multidimensionalit\u00e4t, hat der Soldat mit extremen Belastungen und stark variierenden Umfeldbedingungen zurechtzukommen. Studien belegen, dass Soldaten der Waffengattungen Infanterie sowie Panzergrenadier mit einem zus\u00e4tzlichen Kampfgewicht von ca. 30kg im Gefecht agieren m\u00fcssen. Dieses Gewicht erh\u00f6ht sich auf ca. 44kg im geplanten Marsch. Im Falle einer Alarmierung sind Spitzen der Zusatzbelastung von 60kg oder mehr m\u00f6glich.[3] Das Durchschnittsgewicht eines gebirgsbeweglichen Kollektives der \u00f6sterreichischen Streitkr\u00e4fte betr\u00e4gt 77.1kg bei einer Standardabweichung von 7.8kg. Das hei\u00dft, ein gut trainierter Soldat muss im Falle einer Alarmierung rund 80 Prozent seines eigenen K\u00f6rpergewichtes zus\u00e4tzlich tragen. Bei einem geplanten Einsatz sind es zumindest 40 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht zuletzt aufgrund des technischen Fortschritts und diverser Ver\u00e4nderungen am Gefechtsfeld, gerade in Bezug auf Geschwindigkeit, Schnelllebigkeit und Multidimensionalit\u00e4t, hat der Soldat mit extremen Belastungen und stark variierenden Umfeldbedingungen zurechtzukommen.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-7j4e8\">Schlechte Ausgangsdaten erfordern effizientes Training<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-ckdec\"><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-bj1ln\">Die letzten zwei Dekaden zeigen sehr deutlich die Tendenz zu mehr K\u00f6rpergewicht bei den Stellungspflichtigen, sowie der gleichzeitigen Abnahme an fettfreier K\u00f6rpermasse. Diese Tatsache stellt das Bundesheer vor eine gro\u00dfe Herausforderung im Bereich der KLF. Mehr und intensivere Trainingseinheiten kombiniert mit h\u00f6heren Belastungen bei der Ausbildung f\u00fchren zu einer permanenten \u00dcberforderung des Soldaten und k\u00f6nnen die k\u00f6rperlichen Defizite langfristig nicht ausgleichen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die letzten zwei Dekaden zeigen sehr deutlich die Tendenz zu mehr K\u00f6rpergewicht bei den Stellungspflichtigen, sowie der gleichzeitigen Abnahme an fettfreier K\u00f6rpermasse. Diese Tatsache stellt das Bundesheer vor eine gro\u00dfe Herausforderung im Bereich der KLF.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-cvgm\">Des Weiteren sind Ruhephasen oftmals in einer belastenden Vorbereitung aus zeitlichen Gr\u00fcnden nicht ausreichend gegeben. Daher steigt die Gefahr von Infekten, Verletzungen und \u00dcbertraining. Um die negativen Folgen \u00fcberh\u00f6htenr Belastungen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum zu verhindern, bedarf es einer Auseinandersetzung mit dem Trainingsplanungsprozess. Nachstehend folgt eine M\u00f6glichkeit die k\u00f6rperliche Einsatzvorbereitung &#8211; abgest\u00fctzt auf Informationen und Erfahrungen aus dem Leistungssport &#8211; bedarfsorientiert zu planen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-f4efc\">Trainingsplanung \u2013 Analyse<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-bqhhj\">Die kurz-, mittel- und langfristige Trainingsplanung setzt eine Sportartanalyse, die Betrachtung der jeweiligen Waffengattungen aus sportlicher Sicht, voraus. Das Wissen \u00fcber Belastungsgr\u00f6\u00dfen in den sportmotorischen Grundeigenschaften (Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit, abgeleitet aus Einsatzerfordernissen) und den damit einhergehenden Beanspruchungen des Organismus sind die Basis jeder Planung. Hierbei ist es irrelevant, ob es um sportliche Leistung oder den Einsatz als Zielsetzung geht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-724nu\">Die Humanressource zu analysieren ist der zweite wichtige Schritt in der zielgerichteten Vorbereitung auf einen Einsatz beziehungsweise Wettkampf. Unter Abst\u00fctzung auf sportmotorische sowie milit\u00e4rspezifische Tests kann hier sowohl eine gute IST-Stand Erhebung durchgef\u00fchrt, wie auch die Entwicklung der k\u00f6rperlichen Leistungsf\u00e4higkeit kontrolliert werden. Vernachl\u00e4ssigt man diese zwei Teilschritte, ist es nahezu unm\u00f6glich, eine zielgerichtete Vorbereitung zu absolvieren. Ohne Wissen \u00fcber die zu erwartenden k\u00f6rperlichen Belastungen oder Voraussetzungen des Soldaten sind weder Trainingsinhalte, -reize noch -methoden ableitbar.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-nead\">Zieldefinition<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-dlrop\">Erst nach Abschluss der Analyse kommt es zur Zieldefinition. Im Leistungssport handelt es sich dabei meistens um das Planen und Festlegen von Wettk\u00e4mpfen. Soldaten planen, wenn m\u00f6glich, den Einsatz; dies l\u00e4sst sich am Besten mit einer Spielsaison vergleichen. Die Dauer von mehreren Wochen und Monaten ist \u00e4hnlich und der Meisterschaftsbetrieb mit 2-3 Spielen w\u00f6chentlich ist gut mit Eins\u00e4tzen mittlerer Intensit\u00e4t in Relation zu setzen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-fld8s\">Die Periodisierung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-f83c\">Egal, ob es sich um die Einfachperiodisierung mit Fokus auf ein Gro\u00dfereignis, die Doppel- oder Mehrfachperiodisierung von Wettk\u00e4mpfen, um die Vorbereitung einer Spielsaison oder eines milit\u00e4rischen Einsatzes handelt, alle Varianten unterteilen sich wie folgt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Allgemeine Vorbereitungsperiode<\/li>\n\n\n\n<li>Spezielle Vorbereitungsperiode<\/li>\n\n\n\n<li>Unmittelbare (Wettkampf-)vorbereitung<\/li>\n\n\n\n<li>Einsatz- oder Wettkampfperiode<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-9en68\">Je nach verf\u00fcgbarer Zeit, gesteckter Ziele und vorhandenem k\u00f6rperlichen Potential gestaltet sich die L\u00e4nge der Perioden. Im milit\u00e4rischen Kontext betrachtet kann ein kurzfristiger Einsatz eine viel straffere Vorbereitung bedeuten als lang geplante Vorhaben. Gerade das Bereithalten von Einsatzsoldaten\/Einheiten mit einer kurzfristigen \u201eNotice to Move\/NTM\u201c ist eine Herausforderung. Aus trainingswissenschaftlicher Sicht ist es nur \u00fcber einen gewissen Zeitraum m\u00f6glich die k\u00f6rperliche Leistungsf\u00e4higkeit auf h\u00f6chstem Niveau zu halten.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade das Bereithalten von Einsatzsoldaten\/Einheiten mit einer kurzfristigen \u201eNotice to Move\/NTM\u201c ist eine Herausforderung.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-835d5\">Zyklisierung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-7ooro\">Neben der Einteilung des Trainingsjahres beziehungsweise der Einsatzvorbereitung bis zum Einsatz in den zuvor beschriebenen Perioden ist es zweckm\u00e4\u00dfig, Trainingszyklen in die eigene Planung zu integrieren. Der Makrozyklus umfasst mehrere Monate bis zu einem Jahr und ist der l\u00e4ngste Abschnitt. Er beschreibt jene Zeitspanne, die vom Vorbereitungsstart bis zum Wettkampf, Saisonbeginn oder Einsatz dauert. Unterteilt wird der Makrozyklus in Mesozyklen und diese werden in mehreren Mikrozyklen dargestellt. Die kleinste Dauer, der Mikrozyklus, umfasst normalerweise mehrere Tage. Einfachheitshalber wird meist ein Mikrozyklus als Woche definiert. Die Wichtigkeit der Zyklisierung ist aufgrund der Tatsache gegeben, dass ein Zyklus immer mit der Entwicklung des menschlichen Organismus gekoppelt sein muss. Ein Mesozyklus zur morphologischen Entwicklung der Kraft sollte zumindest 8-12 Wochen betragen. Erst dann sind Entwicklungen und Ver\u00e4nderungen des aktiven und passiven Bewegungsapparates sicht- und messbar. Anders verh\u00e4lt sich die Anpassung des menschlichen K\u00f6rpers auf Ausdauerreize. Hier ben\u00f6tigt man zumindest 4-8 Wochen um Ver\u00e4nderungen detektieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-5hjec\">In der Trainingsplanung oder Einsatzvorbereitung aus milit\u00e4rischer Sicht entspricht ein Mikrozyklus der k\u00f6rperlichen Belastung einer Woche &#8211; festgehalten am Dienstplan. Oft werden auf diesem entstehende L\u00fccken anschlie\u00dfend mit Einheiten der K\u00f6rperausbildung gef\u00fcllt. Das bedeutet, der Ersteller des Dienstplanes plant die Entwicklung der k\u00f6rperlichen Leistungsf\u00e4higkeit von Mikrozyklus zu Mikrozyklus, ohne dahinter ein ausgearbeitetes Konzept an definierten k\u00f6rperlichen Voraussetzungen, Zwischenzielen oder Trainingsinhalten beziehungsweise Belastungsperioden zu haben.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Trainingsplanung oder Einsatzvorbereitung aus milit\u00e4rischer Sicht entspricht ein Mikrozyklus der k\u00f6rperlichen Belastung einer Woche &#8211; festgehalten am Dienstplan.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-6djp6\">Im Spitzensport bezeichnet man das Gesamtkonzept der langfristigen Entwicklung des Sportlers als Rahmentrainingsplan. Hier wird zum Beispiel festgehalten, welche k\u00f6rperlichen oder technischen Voraussetzungen, Leistungsbereitschaft oder Normwerte der Athlet nach wie vielen Trainingsjahren, oder bei welchem Alter erf\u00fcllen muss. Ein Rahmentrainingsplan ist vergleichbar mit dem Ausbildungsplan beim Milit\u00e4r. Leider wird hier der Bereich k\u00f6rperliche Leistungsf\u00e4higkeit zu oft nur marginal behandelt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-2pk4h\">Entwicklung der KLF<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-a5sca\">Zur Verbesserung der k\u00f6rperlichen Leistungsf\u00e4higkeit werden Belastungsreize und Erholungsphasen ben\u00f6tigt. Durch die Trainings- oder Ausbildungseinheit kommt es zu einer Stressreaktion\/Belastung des menschlichen Organismus. Die Hom\u00f6ostase (Gleichgewicht der physiologischen K\u00f6rperfunktionen wie Blutdruck, pH-Wert des Blutes, K\u00f6rpertemperatur, etc.) wird gest\u00f6rt. In der Erholungsphase folgt die Anpassung auf den gesetzten Reiz. Die Weisheit \u201eNicht durch das Training wird man besser, sondern durch die Erholung\u201c trifft also zu! Es muss jedoch immer einen Wechsel zwischen Belastung und Erholung geben \u2013 ohne St\u00f6rung der Hom\u00f6ostase erfolgt auch keine Anpassung in der Ruhephase. Als Resultat der Anpassung des Organismus kommt es zu einem erh\u00f6hten Funktionszustand.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht durch das Training wird man besser, sondern durch die Erholung.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-bag15\">Um eine entsprechende Belastung der einzelnen Trainingseinheiten und Ausbildungsinhalte zu steuern, bedarf es der Kenntnis von komplexen Interaktionen bei der Entwicklung der KLF, welche sich im Trainingsplan wiederfinden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-birlt\">Der Trainingsplan<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-afl9h\">Belastungen k\u00f6nnen \u00fcber die Reizintensit\u00e4t, Reizdichte, Reizh\u00e4ufigkeit, Reizumfang, Reizdauer und Reizkomplexit\u00e4t charakterisiert werden. Diese M\u00f6glichkeiten helfen die Belastung der Trainingseinheit einzusch\u00e4tzen, um Folgerungen zur Erstellung des Trainings- oder Dienstplanes ableiten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-b2jk7\">Um einen Trainingsplan zielgerichtet erstellen zu k\u00f6nnen, muss ein Ziel definiert, die Waffengattung sowie der Soldat analysiert und bezugnehmend auf einen Rahmentrainingsplan das Grobkonzept einer Periodisierung\/Zyklisierung festgelegt sein. Erst jetzt erf\u00e4hrt der Mikrozyklus durch die Vorgabe von Inhalten, Mitteln und Methoden eine Ausgestaltung. Die Erstellung eines Trainingsplanes \u00fcbernimmt das ausgebildete Fachpersonal. Dieser sollte in der Praxis den Kommandanten bei der Erstellung des Dienstplanes, unter Ber\u00fccksichtigung der k\u00f6rperlichen Belastung, beraten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-4nc84\">Die \u00dcberkompensation<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-ao1rn\">Der menschliche K\u00f6rper ist nach einer Belastung, die beispielsweise in Form von Trainingsreizen, Ausbildungsinhalten oder \u00dcbungen auf den Organismus wirken, im Stande das Gleichgewicht, also die Hom\u00f6ostase, wieder herzustellen. Stressoren, welcher Art auch immer, st\u00f6ren diese Wechselwirkung und verringern punktuell die Leistungsf\u00e4higkeit. Am Ende jedes bewusst oder unbewusst gesetzten Reizes beginnt der K\u00f6rper mit dem Wiederaufbau. Dieser endet aber nicht am Ausgangspunkt der Leistungsf\u00e4higkeit, sondern sp\u00e4ter. Dieses Prinzip der Super- oder \u00dcberkompensation nutzt jeder Sportler, um seine pers\u00f6nlichen Grenzen zu verschieben. Bei Einhaltung diverser Grunds\u00e4tze (Trainingsprinzipien) steht somit einer Entwicklung der k\u00f6rperlichen Leistungsf\u00e4higkeit nichts im Wege. Im Leistungssport gibt es viele Trainingsprinzipien, welche in der Wettkampfvorbereitung ber\u00fccksichtigt werden, um einen maximalen Erfolg zu erreichen. Auszugsweise zu nennen sind:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Das Prinzip des Trainingswirksamen Reizes:<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-filq1\">Dieses Prinzip beschreibt die Mindestanforderung der Belastung, um die Hom\u00f6ostase zu st\u00f6ren. Sollte ein Reiz unter dieser Schwelle liegen, ist die Belastung nicht geeignet, um eine k\u00f6rperliche Anpassung \/ Verbesserung zu erlangen.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Das Prinzip der individualisierten Belastung<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-ek7dp\">Hier geht es um die individuelle psychophysische Belastung. Ausbildungsgruppen, sowie sportliche Leistungsgruppen, die abh\u00e4ngig ihrer KLF bestimmt werden, vermeiden sowohl eine Unter- wie auch \u00dcberforderung des Einzelnen. Wichtig w\u00e4re auch hier eine Einteilung nach Sportarten. Eine Beurteilung nach erbrachter Laufleistung ist f\u00fcr Laufeinheiten aussagekr\u00e4ftig, nicht jedoch f\u00fcr Krafttraining, Techniktraining oder beispielsweise Military CrossTraining.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Das Prinzip der ansteigenden Belastung<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-uppc\">Progressive Belastungssteigerung ist vor allem im langfristigen Aufbau ein wichtiger Baustein der Leistungssteigerung. Bleiben Reize \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum konstant, so verlieren sie ihren trainingswirksamen Reiz. Sind umgekehrt permanente Belastungen zu hoch, fehlt die Regeneration und Anpassung &#8211; die Hom\u00f6ostase kann nicht mehr hergestellt werden =&gt; \u00dcberlastung und Verletzung.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Das Prinzip der richtigen Belastungsfolge<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-7bcch\">Dieses Prinzip ist besonders relevant, wenn mehrere Inhalte\/Einheiten an einem Tag beziehungsweise Ausbildungs- oder Trainingseinheit im Wechsel stattfinden. Technisch und koordinativ anspruchsvolle Inhalte sollten zu Beginn der Einheit im ausgeruhten Zustand stattfinden. Wenn neue Ausbildungsinhalte geschult werden, dann sind diese zu Beginn der Woche\/Einheit einzuplanen, gefolgt von \u00dcbungen, die eine vollst\u00e4ndige Erholung erfordern, um eine Leistungssteigerung zu erfahren &#8211; zum Beispiel Koordinations\u00fcbungen beziehungsweise Schnelligkeitstraining und Reaktionsdrills. Die Belastung ist so zwar \u00fcber dem trainingswirksamen Reiz, die L\u00e4nge der Erholungsphasen jedoch ausreichend lange, um eine moderate k\u00f6rperliche Belastung analog zum Gefecht zu erfahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-djsd9\">Belastungen zur Verbesserung der Kraftleistungs- und Ausdauerleistungsf\u00e4higkeit sollten nach M\u00f6glichkeit am Ende einer Einheit stattfinden. Hierf\u00fcr ist keine kognitive H\u00f6chstleistung gefordert und selbst in erm\u00fcdetem Zustand ist ausreichend Energie im K\u00f6rper verf\u00fcgbar, um moderate Einheiten durchzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-7ga55\">Die optimalen Relation von Belastung und Regeneration<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-7sbf5\">Der erste Schritt in der Entwicklung der KLF ist das richtige \u201eSt\u00f6ren\u201c der Hom\u00f6ostase. Der Verlust dieser Balance ist jedoch nicht auf Dauer aufrecht zu halten und bedarf einer Belastungspause, um die Stabilit\u00e4t wiederherzustellen. Auf intensive, individuell angepasste Belastungen muss eine Phase niedriger Belastung oder Pause folgen. Entsprechend der Trainingswissenschaft kann dies in einem bestimmten Rhythmus (1:1; 2:1; 3:1) erfolgen. Der gew\u00e4hlte Rhythmus kann auf Tage\/Wochen\/Monate \u00fcbernommen werden. Dieses Prinzip sollte vor allem in der Gestaltung des Dienstplans seine Anwendung finden, bedarf allerdings viel Wissen und Erfahrung in diesem Bereich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-f2eqf\">Eingebettet in eine langfristige Planung wird K\u00f6rperausbildung zu mehr als nur Selbstzweck. Sie wird durch die gezielte Herbeif\u00fchrung geplanter und planbarer Belastungen zur Voraussetzung erfolgreicher Eins\u00e4tze, welche oft durch mangelnde Planbarkeit gezeichnet sind. K\u00f6rperliche Leistungsf\u00e4higkeit ist die Basis physischer und letztlich auch psychischer Belastbarkeit. Die gesundheitspr\u00e4ventive Wirkung ist eine Folgewirkung, die sowohl der Gesellschaft, als auch dem Individuum zugute kommt.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">K\u00f6rperliche Leistungsf\u00e4higkeit ist die Basis physischer und letztlich auch psychischer Belastbarkeit.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-4unem\">Hptm Mag. Peter Oliver Ertl, MSc &#8211; Hauptlehroffizier f\u00fcr K\u00f6rperausbildung; Sport- und Milit\u00e4rwissenschaften. Bei den in diesem Artikel vertretenen Ansichten handelt es sich um die des Autors\/der Autorin. Diese m\u00fcssen nicht mit jenen des Bundesministeriums f\u00fcr Landesverteidigung oder des \u00d6sterreichischen Bundesheeres \u00fcbereinstimmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-72obe\">[1] Bundesministerium f\u00fcr Landesverteidigung, \u201cK\u00f6rperausbildung und Sport; Verbesserung der k\u00f6rperlichen Leistungsf\u00e4higkeit der Soldaten und Soldatinnen durch die t\u00e4gliche Stunde Sport,\u201c Weisung, BMLV, 2007.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-fg480\">[2] Bundesministerium f\u00fcr Landesverteidigung, \u201cVorschrift zur K\u00f6rperausbildung,\u201c Dienstvorschrift, BMLV, 2019, 36.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-9akic\">[3] Robin M. Orr, <em>The History of the Soldier\u2019s Load<\/em> (Bond University, 2010), 77.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abstract: Eingebettet in eine langfristige Planung wird K\u00f6rperausbildung zu mehr als nur Selbstzweck. 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