{"id":1809,"date":"2023-06-26T04:00:11","date_gmt":"2023-06-26T04:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/tdhj.org\/?p=1809"},"modified":"2025-10-30T19:46:18","modified_gmt":"2025-10-30T18:46:18","slug":"sudan-failed-state","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tdhj.org\/de\/post\/sudan-failed-state\/","title":{"rendered":"Der Sudan als n\u00e4chster Failed State?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-foo\"><strong>Abstract:<\/strong> Die S\u00fcdflanke Europas ist schon seit den arabischen Umbr\u00fcchen 2010\/11 eine sicherheitspolitische Herausforderung f\u00fcr die EU und Gesamteuropa. Der sudanesische B\u00fcrgerkrieg zeigt einmal mehr, wie fragil die S\u00fcdflanke Europas ist. Die erneute Ersch\u00fctterung der Sahel-Zone kam nicht \u00fcberraschend, sondern ist Teil eines Transformationsprozesses in der Region des Nahen-Ostens. Die milit\u00e4rischen Strukturen wandeln sich und sind zugleich reaktion\u00e4r. Sie werden zunehmend eine Herausforderung f\u00fcr die milit\u00e4rpolitischen Ausrichtungen der EU. Es ist zum einen nicht auszuschlie\u00dfen, dass extremistische Kr\u00e4fte Richtung Norden ziehen. Zugleich zeichnet sich dabei auch eine weitere Spaltung der europ\u00e4ischen Gesellschaften ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-ecre4\"><strong>Problemdarstellung:<\/strong> Wie sind die aktuellen Vorkommnisse im Sudan aus Sicht der Europ\u00e4ischen Union zu verstehen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-1kdja\"><strong>Was nun?:<\/strong> Gerade im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit sollte ein verst\u00e4rkter Fokus aller europ\u00e4ischer Unionsstaaten auf Afrika liegen. Dies gilt auch f\u00fcr die verteidigungspolitische Kooperation, beispielsweise wenn es um die Bek\u00e4mpfung extremistischer Gruppierungen geht. Hier m\u00fcsste die Zusammenarbeit noch mehr intensiviert werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/wp-content\/media-ext\/0d3ede_0b02b2a9315b418c95488da35f202dc5~mv2.png\" alt=\"London, United Kingdom - April 29th 2023: Sudanese Protesters Outside Downing Street Protesting against the war in Sudan between the Military and the RSF.\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color has-small-font-size wp-block-paragraph\">Source: shutterstock.com\/Zakariya Irfan<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"viewer-a9e7o\" class=\"wp-block-heading\">B\u00fcrgerkrieg in Sudan<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-btkpd\">Seit dem 16.04.\/17.04.2023 k\u00e4mpfen Truppen der paramilit\u00e4rischen Einheiten der sudanesischen Rapid Support Forces (RSF) um General Hamdan Daglo gegen die Streitkr\u00e4fte Sudans um General Burhan.[1] 2019 hatte das sudanesische Volk mit Hilfe der sudanesischen Armee den 30 Jahre regierenden Langzeitdiktator und General Omar el Bashir gest\u00fcrzt. Die Regierungsgesch\u00e4fte \u00fcbernahm allerdings keine gew\u00e4hlte Zivilregierung, sondern das Milit\u00e4r putschte sich in k\u00fcrzester Zeit wieder an die Macht. General Burhan, \u00e4hnlich wie Omar el Bashir mit islamistischem Hintergrund, \u00fcbernahm die Regierungsgesch\u00e4fte.[2] Der Chef der RSF, General Daglo wurde dessen Stellvertreter. General Daglo, ein Kommandeur, ist als brutaler Anf\u00fchrer in Dafour bekannt.[3]<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"viewer-6svfl\" class=\"wp-block-heading\">Countdown zum Zusammenbruch der Sahel-Zone<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-1b3o6\">Im November 2017 sprach der franz\u00f6sische Staatspr\u00e4sident Emmanuel Macron an der Universit\u00e4t von Ouagadougou in Burkina Faso davon, dass Frankreich keine franz\u00f6sisch-geleitete Afrikapolitik betreibe.[4] Damit bagatellisierte er teilweise die tats\u00e4chliche Situation im Maghreb und der Sahelzone inklusive der Situation im Nahen Osten, insbesondere im Libanon. In dieser Region war die Meinung \u00fcber die franz\u00f6sische Afrikapolitik zu jenem Zeitpunkt auf dem absoluten Negativpunkt angelangt, teilweise aufgrund der Weigerung, die Fehler aus der Kolonialzeit endlich anzuerkennen, teilweise aufgrund der fehlgeleiten Intervention in Mali. In der ehemaligen Kolonie Frankreichs, dem Libanon, machte der dortige Staatspr\u00e4sident Michelle Aoun, ebenfalls ein Langzeitdiktator, dem franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten unmissverst\u00e4ndlich deutlich, dass man keinerlei weitere Unterst\u00fctzung, weder von Frankeich noch von einer europ\u00e4ischen Macht, haben wolle.[5] Eigentlich h\u00e4tte Frankreich da schon erkennen m\u00fcssen, dass die ehemaligen Kolonien inzwischen eine andere au\u00dfenpolitische Ausrichtung verfolgten, als es Frankreich seit der Entkolonialisierung der 1950er und 1960er gewohnt war, n\u00e4mlich den st\u00e4ndigen Austausch mit der islamisch-gepr\u00e4gten arabischsprachigen Region. Aber die Dissonanzen waren so tief verwurzelt, dass auch andere arabische Staaten, insbesondere Marokko und Libanon, nicht daran weiter interessiert waren, mit Frankreich und letztlich EU weiter zu kooperieren, sei es auf sicherheitspolitischem, entwicklungspolitischem oder sozio\u00f6konomischem Gebiet.[6]<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Im November 2017 sprach der franz\u00f6sische Staatspr\u00e4sident Emmanuel Macron an der Universit\u00e4t von Ouagadougou in Burkina Faso davon, dass Frankreich keine franz\u00f6sisch-geleitete Afrikapolitik betreibe.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-beb6\">Pr\u00e4sident Sarkorzy versuchte noch in seiner Regierungszeit eine Mittelmeerunion zu schaffen, um mit den arabischen Staaten am Mittelmeer eine Kooperation einzugehen, von welcher beide Seite profitieren w\u00fcrden. Jedoch weigerten sich Deutschland und Gro\u00dfbritannien die strategischen Vorz\u00fcge ein solchen B\u00fcndnisses zu erkennen und blockierten innerhalb der EU den erfahrenen franz\u00f6sischen Partner in der arabischen Region in seinem Vorhaben.[7]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-e410m\">Mit dem Zusammenbruch des Gaddafi-Regimes begann nicht nur der Zusammenbruch des libyschen Staates, sondern auch die bis in die Gegenwart reichenden Krisen und Putsche in Nordafrika. Die beiden europ\u00e4ischen Atomm\u00e4chte, Frankreich und Gro\u00dfbritannien, ber\u00fccksichtigen zwei wichtige Aspekte nicht. Zum einen, dass ein Sch\u00fcler Gaddafis, n\u00e4mlich General Haftar, sehr bald die F\u00fchrung mit Hilfe \u00c4gyptens, Saudi-Arabiens und der Golfstaaten sowie Russlands und Chinas \u00fcbernehmen w\u00fcrde.[8] Zum anderen missachteten beide Staaten, insbesondere Frankreich, die m\u00e4chtigen S\u00f6ldner- und Clangruppierungen, welche in Gaddafis-Armee eine wesentliche Rolle gespielt hatten. Diese waren 2012\/13 nach dem Tod des libyschen Diktators nach Mali gestr\u00f6mt. Dort wollten sie zusammen mit dem radikalislamischen Islamischen Staat (IS) einen neuen extremistisch-orientierten Staat gr\u00fcnden. Nur mit Hilfe der franz\u00f6sischen Streitkr\u00e4fte, aber vor allem der G5-Staaten der Sahelzone, konnte das verhindert werden.[9]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-1ti52\">Diese Intervention durch Frankreich und die G5-Staaten barg jedoch schon die n\u00e4chste Krise, denn 2019 putschte ein General gegen den anderen in Mali, wobei der Sieger des Putsches islamistisch orientiert ist.[10] Mit solch einem Putsch in Mali hatte die Weltgemeinschaft nicht gerechnet, genauso wenig, dass zwei Gener\u00e4le sich einen erbitterten Machtkampf in Sudan liefern. Die Folge des maliistischen Milit\u00e4rputsches mit extremistischen Hintergrund musste dazu f\u00fchren, dass in Bamako gerufen wurde \u201e<em>France d\u00e9gage\u201c<\/em> (Frankreich hau ab).[11] Dies war allerdings nicht nur ein Problem der <em>Grande Nation<\/em>, sondern auch f\u00fcr die G5-Staaten der Sahelzone, denn gerade durch deren Einsatz in Mali wurden die milit\u00e4rischen Strukturen und Institutionen massiv ausgebaut und gest\u00e4rkt.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Mit solch einem Putsch in Mali hatte die Weltgemeinschaft nicht gerechnet. Die Folge des maliistischen Milit\u00e4rputsches mit extremistischen Hintergrund musste dazu f\u00fchren, dass in Bamako gerufen wurde \u201eFrance d\u00e9gage\u201c.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-2oai6\">Die milit\u00e4rischen Akteure in dieser Zone, vor allem des Maghreb, sahen nun eine Chance ihren politischen Vorstellungen neuen Auftrieb zu geben. Dadurch, dass sich nun Frankreich in der Defensive sah, blieb nichts anderes \u00fcbrig, als sich aus der Sahelzone und dem Maghreb vollends zur\u00fcckzuziehen. Das Feld wurde au\u00dfenpolitisch einem anderen Akteur \u00fcberlassen, der gegen\u00fcber der EU bis heute eine destabilisierende Wirkung tr\u00e4gt, n\u00e4mlich Russland und seinen Wagner-S\u00f6ldner. Diese k\u00e4mpften sowohl in Libyen auf Seite General Haftars, als auch auf Seiten der islamistischen Milit\u00e4rregierung in Mali und inzwischen auch mit 30.000 Mann in der Zentralafrikanischen Republik.[12]<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"viewer-2ncmg\" class=\"wp-block-heading\">Marokko und die Chance einer neuen \u0627\u0644\u062b\u0648\u0631\u0629 \u0627\u0644\u0639\u0631\u0628\u064a\u0629 (Arabischen Revolution)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-a6232\">Nach dem stufenweisen R\u00fcckzug Frankreichs aus der Sahelzone sah nun die absolutistisch-traditionell orientierte Monarchie Marokko ihre Chance. Der Staat erkl\u00e4rte, dass das Gebiet der Westsahara, welches schon in den fr\u00fchen 80er Jahren okkupiert wurde, nun in das Staatsgebiet eingegliedert werde. Spanien, Deutschland und Belgien erkannten dieses Vorgehen nicht an. Die Folge war klar: April 2021 wies der marokkanische K\u00f6nig Mohammed VI. pers\u00f6nlich die Botschafter innerhalb von zw\u00f6lf Stunden aus dem Land.[13] Durch die Erkl\u00e4rung des deutschen Botschafters zur persona non grata setzte der Monarch damit ein Zeichen nicht nur gegen\u00fcber Deutschland, sondern gegen\u00fcber der EU und den anderen arabischen Staaten, insbesondere Marokkos Nachbarn. Marokko plante ab diesem Zeitpunkt eine Konfrontation mit Algerien, da diese eine Milit\u00e4rregierung seit den Volksaufst\u00e4nden 2019 hatte. Diese Milit\u00e4rregierung wird haupts\u00e4chlich von Russland und vor allem China unterst\u00fctzt.[14] Es ging Marokko um die Wasserrechte in der algerischen\/marokkanischen Grenzzone, welche gleichzeitig Tunesien betreffen.[15]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-3bg16\">Marokko nutzte die Gelegenheit des Erfolges der marokkanischen Fussballnationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2022 in Katar, teilweise in Absprache mit \u00c4gypten, Saudi-Arabien, den Golfstaaten und Tschads, und leitete eine politische Machtauseinandersetzung ein. Deshalb rief der marokkanische K\u00f6nig seinen arabischen Partnern, wie einst Jamel abdel Nasser in den 50er und 60er Jahren, zu, dass nun die Zeit einer neuen panarabischen Bewegung geboren sei, in der keinerlei externe Einmischung in der arabischen Diaspora toleriert werden sollte. Die Staaten der Arabischen Liga m\u00fcssten nun beweisen, dass sie wahrhaft unabh\u00e4ngig insbesondere vom Westen geworden seien und Partner suchen sollten, die sie dabei unterst\u00fctzen.[16] Die neuen Partner, insbesondere China, trafen im M\u00e4rz 2023 auch in den Machtzentren Arabiens und Persiens ein.[17]<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Die Staaten der Arabischen Liga m\u00fcssten nun beweisen, dass sie wahrhaft unabh\u00e4ngig insbesondere vom Westen geworden seien und Partner suchen sollten, die sie dabei unterst\u00fctzen.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h2 id=\"viewer-96oqf\" class=\"wp-block-heading\">Die gegl\u00fcckte \u00dcberraschung der EU im Sudan<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-b3sk3\">Sudan wurde seit 1998 von Russland als auch von Marokko und \u00c4gypten aufger\u00fcstet. Dies lag und liegt daran, dass \u00c4thiopien seine Interessen gegen\u00fcber seinen n\u00f6rdlichen Nachbarn mit seinem Staudammprojekt durchzusetzen versucht. Sowohl General Sissi in \u00c4gypten als auch General Burhan und General Daglo im Sudan, haben \u00c4thiopien unmissverst\u00e4ndlich klar gemacht, dass man seine Luftstreitkr\u00e4fte aktivieren werde, sollte das Dammprojekt am s\u00fcdlichen Nil nicht gestoppt werden.[18] Diese Drohung war nicht nur f\u00fcr \u00c4thopien ernst zu nehmen, zumal es sich zum damaligen Zeitpunkt im B\u00fcrgerkrieg befand (und derzeit immer noch fragil ist). Sie betraf und betrifft im Grunde genommen ganz Ostafrika, weil alle Anrainer des Nils von dieser wichtigen Ressource leben. Im Jahre 2021\/22 w\u00e4re es beinahe auch soweit gekommen, wenn nicht der erneute Krieg in der Ukraine ausgebrochen w\u00e4re. W\u00e4hrend sich nun viele Staaten auf den Konflikt in Osteuropa konzentrierten und Marokko eine neue panarabische \u00c4ra ausgerufen hatte, die Saudi-Arabien vor allem zu nutzen wusste, begannen im Sudan die innenpolitischen Verh\u00e4ltnisse zu erodieren. General Burhan wollte kaum noch die Macht mit seinem Stellvertreter teilen. General Burhan wusste, dass General Daglo seine Kr\u00e4fte in der Hauptstadt Sudans \u2013 Khartum \u2013 zusammenzog. Folglich mobilisierte General Burhan mit Hilfe \u00c4gyptens die ihm unterstellte, teilweise moderne Luftwaffe.[19]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-4lg0f\">Als am 16.04.2023 General Daglo versuchte, die milit\u00e4rischen Kommandozentralen in die Hand zu bekommen, wurde die sudanesische Luftwaffe eingesetzt. Neben den menschlichen und materiellen Verluste, birgt dies auch die Gefahr, dass nicht nur \u00c4gypten auf Seiten General Burhans in den Kampf einstiegt, sondern auch Russland und China. \u00c4gypten wird in weiterer Folge den Nilstaudamm ins Visier nehmen.[20] Das Fiasko ist, dass Europa von dieser milit\u00e4rischen Auseinandersetzung \u00fcberrascht wurde, obwohl sich diese Situation lange angek\u00fcndigt hatte. Marokko hat mit seiner Haltung recht behalten, wenn auch mit traurigen Ergebnissen: Der Weg allein, mit neuen Partnern, aber ohne Europa.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-bc0r4\">Diese komplexe Sicherheitslage in den Regionen der Arabischen Liga wurde nicht antizipiert. Sie hatte sich aber bereits 2010 mit vielen Erodierungen angek\u00fcndigt, angefangen von Libyen, die erneute Diktatur in \u00c4gypten, die B\u00fcrgerkriege in Jemen und Syrien und deren staatlicher Zerfall, beziehungsweise im Falle Syriens in der Abh\u00e4ngigkeit als russische Einfluss-Zone. In diesem Sinne waren auch die Macht\u00fcbernahme einer malisch-extremistischen Milit\u00e4rjunta, unterst\u00fctzt durch die russische S\u00f6ldner Wagner-Gruppe und nun der B\u00fcrgerkrieg, der sich schon lange vor den Augen der EU ank\u00fcndigte und der ebenfalls der Staatlichkeit Sudans bedroht, zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-27s8r\">Die EU ist gezwungen sich mehr dieser Regionen anzunehmen, sonst nehmen sich antagonistische Staaten und Gruppierungen zunehmend solcher Krisenregionen an und destabilisieren m\u00f6glicherweise zus\u00e4tzlich, was die Interessen, insbesondere der EU, massiv tangiert. Es ist die Armut, welche durch kriegerische Auseinandersetzungen noch mehr zunimmt. Deshalb muss die EU mehr daf\u00fcr leisten, dass diese nicht noch intensiviert wird durch milit\u00e4rische Ausbr\u00fcche wie in Sudan, Libyen, Mali, Syrien und Jemen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\" \/>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-co5sv\">Ilya Zarrouk, Jahrgang 1981, studierte Neuere Geschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte und Politikwissenschaft in Mannheim, Heidelberg und Tunis. Zarrouk ist seit 2013 Dozent an verschiedenen Abendakademien im Rhein-Neckar-Raum, wo er zu sicherheitspolitischen und milit\u00e4rpolitischen Fragen referiert. Bei den in diesem Artikel vertretenen Ansichten handelt es sich um die des Autors.<\/p>\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\" \/>\n\n\n<p id=\"viewer-c796n\" class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\">[1] Christoph Hoffmann, \u201cIm Sudan k\u00e4mpfen zwei Gener\u00e4le darum, wer das Volk ausbeuten darf,\u201c Die Welt, Mai 05, 2023, <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/article245095544\/Sudan-Zwei-Generaele-kaempfen-darum-wer-das-Volk-ausbeuten-darf.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/article245095544\/Sudan-Zwei-Generaele-kaempfen-darum-wer-das-Volk-ausbeuten-darf.html<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"viewer-asb7k\" class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\">[2] Wasil Schauseil, \u201cDie demokratische Revolution im Sudan,\u201d DGVN, Oktober 21, 2020, <a href=\"https:\/\/dgvn.de\/meldung\/die-demokratische-revolution-im-sudan\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/dgvn.de\/meldung\/die-demokratische-revolution-im-sudan<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"viewer-fos6f\" class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\">[3] Bernd D\u00f6rries, \u201cMohammed Hamdan Daglo,\u201d S <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/meinung\/daglo-hemeti-sudan-verbrechen-milizfuehrer-starker-mann-fluchtrouten-1.5500471\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/meinung\/daglo-hemeti-sudan-verbrechen-milizfuehrer-starker-mann-fluchtrouten-1.5500471<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"viewer-dott1\" class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\">[4] Pierre Jaquemot, Entre l\u2019Afrique et la France, le d\u00e9samour, in: \u201dG\u00e9opolitique de la France,\u201d hrsg. v. Journal Diplomatie, (Heft: Dezember 2020\/Januar 2021), 71.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"viewer-cue81\" class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\">[5] Jihane Sfeir, \u201cLiban en crise: l\u2019effacement d\u2019un pays,\u201d In: \u201eLiban. Un \u00e9tat en voie de disparition ?,\u201c hrsg. v. Moyen-Orient, No. 65, (Oktober-Dezember 2022), 18-20.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"viewer-djtd6\" class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\">[6] Caroline Roussy, \u201cLutter ou n\u00e9gocier: l\u2019intenable imbrogilio francais au Mali,\u201d In: \u201eG\u00e9opolitique de la France,\u201c hrsg. v. Journal Diplomatie, (Heft : Dezember 2020\/Januar 2021), 76\/77.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"viewer-53ohg\" class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\">[7] \u201eNur Show? Ein Jahr Mittelmeerunion,\u201c tagesschau, Juli 12, 2009, https:\/\/www.tagesschau.de\/thema\/mittelmeerunion.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"viewer-1gbf4\" class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\">[8] S. Haddad, \u201cLibye,\u201d In: \u201cBilan g\u00e9ostrat\u00e9gique 2021,\u201d hrsg. v. Moyen-Orient, No. 51 (Juli-September 2021), 48\/49.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"viewer-qt9m\" class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\">[9] Caroline Roussy, \u201cLutter ou n\u00e9gocier: l\u2019intenable imbrogilio francais au Mali,\u201d In: \u201cG\u00e9opolitique de la France,\u201d hrsg. v. Journal. Diplomatie, (Heft : Dezember 2020\/Januar 2021), 76\/77.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"viewer-46cqo\" class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\">[10] Philipp Sandner, Reliou Koubakin, R\u00e9my Mallet, \u201cMali isoliert sich selbst,\u201c dw, Mai 18, 2022, <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/putschversuch-mali-zunehmend-isoliert\/a-61838605\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.dw.com\/de\/putschversuch-mali-zunehmend-isoliert\/a-61838605<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"viewer-879n1\" class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\">[11] Pierre Jaquemot, \u201cEntre l\u2019Afrique et la France, le d\u00e9samour,\u201d In: \u201cG\u00e9opolitique de la France,\u201d hrsg. v. Journal Diplomatie, (Heft : Dezember 2020\/Januar 2021), 71.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"viewer-5a819\" class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\">[12] Caroline Roussy, \u201cLutter ou n\u00e9gocier: l\u2019intenable imbrogilio francais au Mali,\u201d In: \u201cG\u00e9opolitique de la France,\u201d hrsg. v. Journal Diplomatie, (Heft : Dezember 2020\/Januar 2021), 76\/77.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"viewer-f67v\" class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\">[13] Reuters, \u201cMarokko will offenbar Beziehungen mit deutscher Botschaft aussetzen,\u201c <em>Spiegel<\/em>, M\u00e4rz 02, 2021, <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/marokko-will-laut-medienbericht-beziehungen-mit-deutscher-botschaft-aussetzen-a-ae013cff-be5f-4020-823d-2a65529c519f\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/marokko-will-laut-medienbericht-beziehungen-mit-deutscher-botschaft-aussetzen-a-ae013cff-be5f-4020-823d-2a65529c519f<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"viewer-e3kva\" class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\">[14] T. Serres, \u201cAlgerie,\u201d In: \u201cBilan g\u00e9ostrat\u00e9gique 2021,\u201c hrsg. v. Moyen-Orient, No. 51 (Juli-September 2021), 26\/27.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"viewer-a2mre\" class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\">[15] Annabelle Houdret, \u201cLes conflits autour de l&#8217;eau au Maroc. Causes, impacts et perspectives,\u201d adelphi, <a href=\"https:\/\/adelphi.de\/de\/publikationen\/les-conflits-autour-de-leau-au-maroc-causes-impacts-et-perspectives\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/adelphi.de\/de\/publikationen\/les-conflits-autour-de-leau-au-maroc-causes-impacts-et-perspectives<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"viewer-881ec\" class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\">[16]<a href=\"https:\/\/www.maghreb-post.de\/marokko-koenig-gratuliert-den-atlas-loewen-zum-einzug-ins-%C2%BC-finale-der-fifa-wm\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> https:\/\/www.maghreb-post.de\/marokko-koenig-gratuliert-den-atlas-loewen-zum-einzug-ins-%C2%BC-finale-der-fifa-wm\/<\/a>; <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/politik_person_der_woche\/Person-der-Woche-Der-obszoene-Luxus-des-WM-Koenigs-aus-Marokko-article23779994.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/politik_person_der_woche\/Person-der-Woche-Der-obszoene-Luxus-des-WM-Koenigs-aus-Marokko-article23779994.html<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"viewer-5s155\" class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\">[17] Ozan Demircan, \u201cWarum China Saudi-Arabien und den Iran miteinander vers\u00f6hnt,\u201c <em>Handelsblatt<\/em>, April 15, 2023, <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/international\/naher-osten-warum-china-saudi-arabien-und-den-iran-miteinander-versoehnt\/29092638.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/international\/naher-osten-warum-china-saudi-arabien-und-den-iran-miteinander-versoehnt\/29092638.html<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"viewer-a50mc\" class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\">[18] David Signer, \u201cDer Wasserpegel im Stausee und die Spannungen zwischen \u00c4gypten und \u00c4thiopien steigen,\u201d <em>NZZ<\/em>, Juli 18, 2020, <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/nil-staudamm-konflikt-zwischen-aethiopien-und-aegypten-nimmt-zu-ld.1566764?reduced=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.nzz.ch\/international\/nil-staudamm-konflikt-zwischen-aethiopien-und-aegypten-nimmt-zu-ld.1566764?reduced=true<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"viewer-ei4me\" class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\">[19] Niels Metzger, \u201c Droht Sudan ein B\u00fcrgerkrieg? Die Lage erkl\u00e4rt,\u201c zdf, April 16, 2023, https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/politik\/sudan-konflikt-buergerkrieg-ursachen-gegner-experten-100.html.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"viewer-al5tf\" class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\">[20] Idem.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abstract: Die S\u00fcdflanke Europas ist schon seit den arabischen Umbr\u00fcchen 2010\/11 eine sicherheitspolitische Herausforderung f\u00fcr die EU und Gesamteuropa. Der sudanesische B\u00fcrgerkrieg zeigt einmal mehr, wie fragil die S\u00fcdflanke Europas ist. Die erneute Ersch\u00fctterung der Sahel-Zone kam nicht \u00fcberraschend, sondern ist Teil eines Transformationsprozesses in der Region des Nahen-Ostens. 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