{"id":2583,"date":"2023-11-21T06:30:36","date_gmt":"2023-11-21T05:30:36","guid":{"rendered":"https:\/\/tdhj.org\/de\/?p=2583"},"modified":"2025-12-10T19:24:44","modified_gmt":"2025-12-10T18:24:44","slug":"gerechter-krieg-militaerethik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tdhj.org\/de\/post\/gerechter-krieg-militaerethik\/","title":{"rendered":"Die Lehre des gerechten Krieges als Milit\u00e4rethik"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-foo\"><strong>Abstract:<\/strong> Im Zuge der fortschreitenden Technologisierung und Komplexit\u00e4t moderner Kriegsf\u00fchrung sehen sich Entscheidungstr\u00e4ger:innen zunehmend ethischen Dilemmata ausgesetzt. Die F\u00e4higkeit, in potenziell manipulierten Informationslagen moralisch verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen, ist von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung f\u00fcr die Wahrung der humanen Kriegsf\u00fchrung gem\u00e4\u00df der Genfer Konventionen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-7m2cp\">Kognitive Kriegsf\u00fchrung beeinflusst nicht nur die Informationslage der gegnerischen Zivilbev\u00f6lkerung, sondern auch das Verhalten von Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen durch die gezielte Manipulation von Informationen. Das kann dazu f\u00fchren, dass Milit\u00e4rangeh\u00f6rige zugunsten der gegnerischen Seite handeln. Indem Milit\u00e4rangeh\u00f6rige die Lehre des gerechten Krieges (eng. Just War Theory) als Milit\u00e4rethik verstehen, zum Beispiel die verankerten, moralischen Prinzipien f\u00fcr das Recht im Krieg (lateinisch: <em>ius<\/em> <em>in bello<\/em>) als Entscheidungstheorie anwenden, werden sie bef\u00e4higt, Handlungen moralisch besser zu bewerten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-8agg\"><strong>Problemdarstellung: <\/strong>Wie wird sichergestellt, dass Milit\u00e4rangeh\u00f6rige moralische Entscheidungen treffen und die humane Kriegsf\u00fchrung wahren?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-303oi\"><strong>Was nun?:<\/strong> Entscheidungstr\u00e4ger:innen sollten durch gezielte Trainings darauf vorbereitet werden, kritisch mit Informationen umzugehen, um sich vor Manipulationen zu sch\u00fctzen. Milit\u00e4rangeh\u00f6rige sollten un\u00fcberpr\u00fcfbare Informationen infrage stellen und moralische Kriterien in Entscheidungsfindungen reflektieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2023\/12\/0d3ede_bfce367775874137a42a669a4daec2a6mv2.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-2584\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Source: shutterstock.com\/Daniele Raffanti<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-a736f\">Neue Herausforderungen in Zeiten kognitiver Kriegsf\u00fchrung \u2013 Die Lehre des gerechten Krieges als Antwort?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-pj5h\">Angesichts der fortschreitenden Technologisierung und der zunehmenden Komplexit\u00e4t kognitiver Konflikte sehen sich Entscheidungstr\u00e4ger:innen mit der Herausforderung manipulierter Informationslagen konfrontiert. In kognitiven Konflikten wird durch die gezielte Verbreitung von Informationen das Denken, die Entscheidungsprozesse und das Handeln von Streitkr\u00e4ften beeinflusst. Ein Ziel der kognitiven Kriegsf\u00fchrung besteht darin, Milit\u00e4rangeh\u00f6rige in ihrer Entscheidungsfindung zu verunsichern, um einen Vorteil aus ihrem Z\u00f6gern zu ziehen. Kognitive Beeinflussung kann dazu f\u00fchren, dass sich Milit\u00e4rangeh\u00f6rige \u00fcber die Richtigkeit der ihnen vorliegenden Informationen nicht sicher sein k\u00f6nnen. Diese Unsicherheit hinsichtlich der Validit\u00e4t und Vollst\u00e4ndigkeit der Informationen kann die F\u00e4higkeit, verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen, beeintr\u00e4chtigen. Die Konsequenzen k\u00f6nnen f\u00fcr das Handeln erheblich sein. Es droht neben der Beeinflussung im schlimmsten Falle das Risiko der Handlungsunf\u00e4higkeit. Daher werden L\u00f6sungsans\u00e4tze ben\u00f6tigt, um die F\u00e4higkeit der Streitkr\u00e4fte, Entscheidungen zu treffen und umzusetzen, wieder zu st\u00e4rken. Die Lehre des gerechten Krieges k\u00f6nnte als Milit\u00e4rethik dazu beitragen, Entscheidungen zu erleichtern.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Kognitive Beeinflussung kann dazu f\u00fchren, dass sich Milit\u00e4rangeh\u00f6rige \u00fcber die Richtigkeit der ihnen vorliegenden Informationen nicht sicher sein k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-3spk0\">Im Folgenden wird f\u00fcr die Anwendung der Lehre des gerechten Krieges als Milit\u00e4rethik im Sinne einer angewandten Bereichsethik des Milit\u00e4rs argumentiert. Der Vorschlag beinhaltet, die moralische Kriegsf\u00fchrung in Form einer Entscheidungstheorie in die Milit\u00e4rethik zu integrieren. In einem ersten Teil wird die Bedeutung moralischer Kriegsf\u00fchrung im Lichte kognitiver Kriegskonflikte erkl\u00e4rt. Der zweite Teil geht n\u00e4her auf Str\u00f6mungen und Herausforderungen innerhalb der Lehre des gerechten Krieges ein, die bei der Umsetzung einer Milit\u00e4rethik problematisch werden k\u00f6nnten. Der dritte Teil veranschaulicht die Moralit\u00e4t von Kriegssituationen anhand drei grundlegender <em>in bello<\/em> Prinzipien. Daraufhin werden in einem vierten Teil Argumente gegen erhobene Einw\u00e4nde pr\u00e4sentiert und erkl\u00e4rt, wie die Lehre des gerechten Krieges insbesondere in Zeiten kognitiver Kriegsf\u00fchrung dennoch ihren Platz als Milit\u00e4rethik findet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-7kk52\">Im Kontext der kognitiven Kriegsf\u00fchrung gestaltet sich die Bezeichnung \u201eKrieg\u201c als \u00e4u\u00dferst komplex. Die rechtliche Regulierung der kognitiven Kriegsf\u00fchrung ist bisher unzureichend erfasst, da kognitive Kriegsf\u00fchrung keine konventionelle Kriegsgewalt umfasst.[1] Es stellt sich daher die Frage, ob die Lehre des gerechten Krieges in kognitiven Kriegskonflikten \u00fcberhaupt Anwendung findet. In der traditionellen Lehre des gerechten Krieges werden haupts\u00e4chlich Kriege betrachtet, die durch f\u00f6rmliche Kriegserkl\u00e4rungen (und weitere <em>ad-bellum<\/em>-Prinzipien) eingeleitet werden und sich in konventionellen Kampfhandlungen zwischen zwei legitimen Autorit\u00e4ten, beispielsweise Staaten, abspielen. Jedoch zeigten hybride und asymmetrische Kriege, dass Informationskonflikte weit vor herk\u00f6mmlichen Kampfhandlungen beginnen k\u00f6nnen. Die Anzeichen kognitiver Kriegsf\u00fchrung, wie die Unterbindung gegnerischer Informationskan\u00e4le und die Verh\u00e4ngung von Sanktionen sind bereits Anzeichen f\u00fcr einen Informationskonflikt, der weit vor einem bewaffneten Konflikt entstehen kann. In der sich wandelnden Kriegsf\u00fchrung gestaltet sich die Bestimmung eines Kriegszustandes als zunehmend schwierig. Demzufolge kann nach der traditionellen Lehre des gerechten Krieges kognitive Kriegsf\u00fchrung vor einer offiziellen Kriegserkl\u00e4rung nicht als Krieg bezeichnen. Unabh\u00e4ngig von diesen formalen Bezeichnungen findet die Lehre des gerechten Krieges in dieser Phase des Konflikts ihren Nutzen, zum Beispiel im Kriegsgeschehen (<em>in bello<\/em>) als eine normativen Entscheidungstheorie f\u00fcr Streitkr\u00e4fte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-8bqmd\">Kognitive Kriegsf\u00fchrung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-ags1o\">Die fortschreitende Digitalisierung macht die kognitive Kriegsf\u00fchrung zu einem zunehmend komplexen Ph\u00e4nomen in Konfliktszenarien. Der Informationskrieg ist in seiner modernen Erscheinung eine Kriegsf\u00fchrung mit haupts\u00e4chlich technischen Mitteln \u2013 eine ma\u00dfgebliche Folge der technologischen Entwicklung.[2] Er bringt eine Vielzahl neuer Bedrohungen mit sich. Informationen sind nicht nur schneller zug\u00e4nglich, auch Informationstr\u00e4ger aller Arten, Online- wie Printmedien beeinflussen das Denken, Handeln und die Entscheidungen der gegnerischen Seite.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Der Informationskrieg ist in seiner modernen Erscheinung eine Kriegsf\u00fchrung mit haupts\u00e4chlich technischen Mitteln \u2013 eine ma\u00dfgebliche Folge der technologischen Entwicklung.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-2n50k\">In Informationskriegen im Allgemeinen und in der kognitiven Kriegsf\u00fchrung im Spezifischen besteht das Ziel darin, die Informationslage systematisch zu streuen, um die Entscheidungen und die Handlungen der Gegner:innen gezielt zu beeinflussen. Oft sind Informationen nicht unmittelbar und unabh\u00e4ngig nachpr\u00fcfbar, sondern entsprechen dem Narrativ einer Kriegsseite.[3] Die kognitive Kriegsf\u00fchrung als eine Form des Informationskriegs dient haupts\u00e4chlich der Umsetzung der folgenden zwei Ziele: dem Sammeln von Informationen sowie dem gezielten Ver\u00f6ffentlichen von Informationen. Dabei stehen die Akkumulation, der Transport, der Schutz, die Verweigerung und die Manipulation von Informationen im Fokus.[4] Es ist hervorzuheben, dass die kognitive Kriegsf\u00fchrung nicht unbedingt auf die Verbreitung von Falschinformationen angewiesen ist. Auch durch kontrolliertes Informationsleaking k\u00f6nnen milit\u00e4rische Geheiminformationen verbreitet werden und unter geeigneten Umst\u00e4nden Unstimmigkeiten hervorrufen, welche die gegnerische Partei beeinflussen.[5]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-f11km\">Anders als konventionelle Kriegsf\u00fchrung findet die kognitive Kriegsf\u00fchrung nicht unbedingt auf einem staatlichen Territorium statt. Paul Ottewell, Kriegsoffizier der UK Royal Navy, verortete den Kampfplatz in der individuellen und kollektiven Wahrnehmung einer Situation,[6] auf der kognitiven Ebene in der Wissensaufnahme. Die Beeinflussung geschehe durch den Konsum von Medien, Gespr\u00e4che oder andere epistemische Prozesse. Laut Georg Kunovjanek werden Informationen als \u201eWaffe in modernen Konflikten\u201c[7] betrachtet, da sie darauf abzielen, Entscheidungstr\u00e4ger:innen auf verschiedenen Ebenen kognitiv zu beeinflussen. Kognitive Kriegf\u00fchrung wirke auf einer individuellen Ebene, erstrecke sich auf den geistigen Raum und umfasse politische, milit\u00e4rische sowie psychologische Strategien. Der Fokus werde prim\u00e4r daraufgelegt, das gegnerische System durch gezielte Manipulation des psychischen und kognitiven Raums der Einzelpersonen zu beeinflussen.[8]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-c4ij6\">Die zahlreichen Techniken, die dabei zum Einsatz kommen, sind \u00e4u\u00dferst vielf\u00e4ltig.[9] Es werden zun\u00e4chst gezielt Informationen gesucht, die durch technische Mittel wie Werbung oder Cookie-Einstellungen auf digitalen Ger\u00e4ten und in sozialen Netzwerken gesammelt und von Algorithmen verarbeitet werden.[10] Die Daten werden daraufhin f\u00fcr eigene Kriegszwecke mit dem Ziel verwendet, Menschen kognitiv zu beeinflussen, um taktische und operative Vorteile zu erlangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-ado2j\">Mediale Plattformen spielen eine zentrale Rolle in der Informationsvermittlung, da sie \u00fcber eine hohe Reichweite unter der Bev\u00f6lkerung verf\u00fcgen. Durch ihre Berichterstattung gestalten sie das \u00f6ffentliche Meinungsbild \u00fcber das Kriegsgeschehen mit und sind daher in der Lage, Krisen zu lenken. Insbesondere in den sozialen Medien werden Informationen subtil \u00fcber Blogger:innen und Influencer:innen verbreitet. Dabei werden Narrative gezielt genutzt, um die gegnerische Seite von eigenen Standpunkten zu \u00fcberzeugen.[11] Sie vermischen sich mit eigenen Erfahrungen und \u00dcberzeugungen. Auf diese Weise werden Ideen und individuelle Wahrnehmungen konstruiert.[12] Auch staatliche Medienunternehmen werden zur kognitiven Kriegsf\u00fchrung eingesetzt. Sie verfolgen dabei zwei Aufgaben gleichzeitig, welche mit den Herausforderungen der Balance zwischen Propaganda und Unterst\u00fctzung der Staatsmedien einherkommen: Obwohl sie authentische Informationen vermitteln und ihrer Pflicht zur wahrheitsgetreuen Informationsvermittlung nachkommen, besteht dennoch die Absicht, die eigene Bev\u00f6lkerung von der Legitimit\u00e4t des Krieges zu \u00fcberzeugen, nicht zuletzt, weil sie eine breite Unterst\u00fctzung der Bev\u00f6lkerung ben\u00f6tigen, um das Milit\u00e4r zu mobilisieren.[13]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-6tkc0\">Die strategischen Ma\u00dfnahmen nehmen unterschiedliche Zielgruppen ins Visier. Einerseits dienen das Sammeln, die Aufarbeitung und das gezielte Verbreiten von Informationen dazu, die gegnerische Zivilbev\u00f6lkerung zu beeinflussen. Durch Ver\u00f6ffentlichungen zu geeigneten Zeitpunkten und \u00fcber das entsprechende Medium kann zum Beispiel eine allgemeine Unzufriedenheit und negative Stimmung der gegnerischen Zivilbev\u00f6lkerung erzeugt werden, sodass die Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Krieg innerhalb des Staates oder gegebenenfalls von Alliierten sinkt. In dem Fall wird die breite Masse der Bev\u00f6lkerung anvisiert. Andererseits zielt die kognitive Kriegsf\u00fchrung auch auf gegnerische Milit\u00e4rangeh\u00f6rige ab. Die Beeinflussung der gegnerischen Streitkr\u00e4fte stellt einen wesentlichen taktischen Vorteil dar, da sie zu Handlungen bewegt werden, die zu Gunsten der eigenen Partei wirken.[14] Auf diese Zielgruppe wird im Folgenden der Fokus gelegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-7gdpp\">Mit dem Ziel, Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen und Zivilpersonen nur begrenzten Zugang zu Informationen zu gew\u00e4hren und die Informationslage zu kontrollieren, umfassen Ma\u00dfnahmen staatlicher Einrichtungen w\u00e4hrend Informationskriegen \u00fcblicherweise Zensur, Internetblockaden, das Sperren von staatlichen und sozialen Medien sowie sonstigen Kommunikationskan\u00e4len. Sogar das Abschalten eigener Medien kann dem Vorhaben dienen. Ebenso wird versucht, die Medien des Gegners aktiv zu blockieren, um alternative Kriegsberichterstattungen zu unterbinden.[15] Es wurden beispielsweise seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine in der Mehrheit der westlichen L\u00e4nder Europas Sanktionen gegen\u00fcber Russland verh\u00e4ngt, die zur Sperrung russischer Medien f\u00fchrten. Auch auf russischer Seite sind mit den NATO-L\u00e4ndern assoziierte Medienunternehmen starker Regulierung und Zensur unterbunden.[16] Bereits 2015 stellten Kenneth Geers et al. im Sammelband <em>Cyber War in Perspective: Russian Aggression against Ukraine<\/em> unterschiedliche Aspekte des Informationskrieges zwischen Russland und der Ukraine dar, die auch Praktiken der kognitiven Kriegsf\u00fchrung n\u00e4her erl\u00e4utern.[17] Auch w\u00e4hrend asymmetrischen Konflikte, wie etwa im Fall von Myanmar und \u00c4thiopien, wurden zeitweilig Internetsperren im Kontext von Aufst\u00e4nden und Putschversuchen verh\u00e4ngt, um die Verbreitung von Information zu kontrollieren.[18]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-f1jff\">Um wirksam gegen kognitive Kriegsf\u00fchrung vorzugehen, ist es entscheidend, neben technischen Abwehrmechanismen auch auf das kritische Denkverm\u00f6gen von und Entscheidungstr\u00e4ger:innen zu setzen. Das Bewusstsein \u00fcber die Informationslage sowie die F\u00e4higkeit, Informationen kritisch zu hinterfragen, entwickeln sich vor allem im Geist der Entscheidungstr\u00e4ger:innen. Daher sollte der Fokus auf der St\u00e4rkung der \u201akognitiven Waffe\u2018 \u2013 dem kritischen Denken \u2013 liegen, um den Herausforderungen der kognitiven Kriegsf\u00fchrung effektiv zu begegnen. Kritisches Denken wird im Rahmen dieses Beitrages als eine eigenst\u00e4ndige \u00dcberpr\u00fcfung der Informationslage sowie dem Hinterfragen von gegebenen Informationen verstanden.[19] Zwar lassen sich Informationen in Kriegen aufgrund zweiseitiger Narrativen nicht immer unabh\u00e4ngig \u00fcberpr\u00fcfen, die Moralit\u00e4t von Handlungen kann jedoch auch ohne neutrale Informationen, beispielsweise anhand moralischer Kriterien der Lehre des gerechten Krieges \u00fcberpr\u00fcft werden. Dieser Vorgang wird im nachfolgenden Abschnitt n\u00e4her erl\u00e4utert.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Um wirksam gegen kognitive Kriegsf\u00fchrung vorzugehen, ist es entscheidend, neben technischen Abwehrmechanismen auch auf das kritische Denkverm\u00f6gen von und Entscheidungstr\u00e4ger:innen zu setzen.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-2ur6f\">Die Lehre des gerechten Krieges als Milit\u00e4rethik<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-unaq\">Die Lehre des gerechten Krieges (eng. <em>Just War Theory<\/em>) ist eine philosophische Str\u00f6mung innerhalb der Kriegsethik, in der sich mit moralischen Problematiken im Krieg auseinandersetzt und ein Mittelweg zwischen Pazifismus und Realismus gesucht wird.[20] Die Theorie basiert auf der Annahme, dass Krieg unter bestimmten Voraussetzungen moralisch gerecht sein k\u00f6nnte. Es wird sich hierin spezifisch mit den ethischen Fragen rund um Kriege und milit\u00e4rische Handlungen befasst. Au\u00dferdem werden vor Kriegsbeginn die Bedingungen untersucht, unter denen ein milit\u00e4rischer Einsatz gerechtfertigt sein k\u00f6nnte (<em>ius ad bellum<\/em>) sowie w\u00e4hrend des Kriegsgeschehens die ethischen Grunds\u00e4tze angewendet, die bei der Kriegsf\u00fchrung beachtet werden sollten (<em>ius in bello<\/em>).[21] Dabei werden aus verschiedenen Kriterien zudem normative Konsequenzen abgeleitet, die bedingen, wie sich unterschiedliche Akteure vor Kriegsbeginn, w\u00e4hrend des Krieges und gegebenenfalls nach Kriegsende zu verhalten haben. W\u00e4hrend die Moralit\u00e4t eines potenziellen Krieges vor Kriegsbeginn (<em>ad bellum<\/em>) haupts\u00e4chlich die Angelegenheit politischer Entscheidungstr\u00e4ger:innen darstellt, wird sie im Kriegsverlauf (<em>in bello<\/em>) auch zu der von Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen. Da der Fokus dieses Beitrages auf der Entscheidungsfindung von Streitkr\u00e4ften liegt und diese die meisten moralischen Entscheidungen w\u00e4hrend des Kriegsgeschehens treffen,[22] wird im Folgenden ausschlie\u00dflich auf die <em>in-bello<\/em>-Prinzipien eingegangen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Die Lehre des gerechten Krieges basiert auf der Annahme, dass Krieg unter bestimmten Voraussetzungen moralisch gerecht sein k\u00f6nnte.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-8rnaf\">In j\u00fcngsten Publikationen wird die Perspektive der Soldat:innen st\u00e4rker in den Fokus ger\u00fcckt, wodurch sogar die Sprache von einem s<em>oldier\u2019s turn<\/em> (\u201eDie Wende zum Soldaten\u201c[23]) ist.[24] Obwohl die Entscheidung, einen Krieg zu f\u00fchren, nicht Milit\u00e4rangeh\u00f6rige selbst t\u00e4tigen selbst, liegt die Verantwortung f\u00fcr die Ausf\u00fchrung der Kriegshandlungen letztendlich bei den Streitkr\u00e4ften selbst. Das kann anhand ihrer Vertrags- und Eidespflichten, den Erwartungen der Mitb\u00fcrger:innen oder ihrer b\u00fcrgerlichen Pflicht, das gemeinsame Gut eines friedlichen Nationalstaates zu bewahren, argumentiert werden. Vor dem Hintergrund erscheint es sinnvoll, die Entscheidungsfindung direkt aus der Perspektive der Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen zu diskutieren. Durch die Betrachtung der Lehre des gerechten Krieges als angewandte Milit\u00e4rethik wird das Verhalten des Milit\u00e4rs im Krieg auf moralischer Ebene reguliert. Dabei schlie\u00dfen sich unterschiedliche Ans\u00e4tze innerhalb der Milit\u00e4rethik nicht unbedingt aus. Tugendethische und charakterbasierte Ans\u00e4tze, wie etwa von Anthony Pfaff vorgeschlagen,[25] k\u00f6nnten als L\u00fcckenf\u00fcller zu konsequentialistischen Entscheidungstheorien dienen,[26] die im sp\u00e4teren Text n\u00e4her diskutiert werden.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Durch die Betrachtung der Lehre des gerechten Krieges als angewandte Milit\u00e4rethik wird das Verhalten des Milit\u00e4rs im Krieg auf moralischer Ebene reguliert. Dabei schlie\u00dfen sich unterschiedliche Ans\u00e4tze innerhalb der Milit\u00e4rethik nicht unbedingt aus.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-cv24s\">Es gibt mindestens zwei Gr\u00fcnde, die erkl\u00e4ren, weshalb Streitkr\u00e4fte ein Interesse daran haben sollten, moralisch zu handeln. Ein erster Grund umfasst ihre Haftbarkeit f\u00fcr Kriegsverbrechen. Ein zweiter Grund stellt ihre Verpflichtung zur Umsetzung der Genfer Konventionen dar. Innerhalb der Lehre des gerechten Krieges gibt es unterschiedliche Standpunkte zur Verantwortlichkeit von Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen. W\u00e4hrend im 16. Jahrhundert scholastische Vertreter:innen noch f\u00fcr die absolute Straffreiheit von Siegerm\u00e4chten und ihren Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen nach Kriegsende pl\u00e4dierten,[27] nimmt die Komplexit\u00e4t der Debatte um die Haftbarkeit von Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen heutzutage zu. Michael Walzer, Begr\u00fcnder der Lehre des gerechten Krieges, vertrat in dem Grundlagenwerk der Kriegsethik <em>Just and Unjust Wars<\/em> den Standpunkt, dass Milit\u00e4rangeh\u00f6rige straffrei bleiben sollten, wenn sie auf der legitimen Seite des Krieges k\u00e4mpfen und den moralischen Kriterien der Kriegsf\u00fchrung, wie den <em>in-bello-<\/em>Prinzipien der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit, Notwendigkeit oder Diskriminierung folgen.[28] Andererseits argumentieren Revisionist:innen wie Jeff McMahan f\u00fcr eine absolute Haftbarkeit der Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen f\u00fcr ihre Kriegshandlungen \u2013 unabh\u00e4ngig davon, auf welcher Kriegsseite sie k\u00e4mpfen.[29] Demnach tragen Milit\u00e4rangeh\u00f6rige die Verantwortung f\u00fcr ihr Handeln im Krieg, da sie \u00fcber die finale Entscheidungsfreiheit \u00fcber ihre Handlungen verf\u00fcgen. F\u00fcr ihre Kriegshandlungen sollten Milit\u00e4rangeh\u00f6rige Rechenschaft ablegen, zum Beispiel w\u00e4hrend Strafverfolgungen vor Gericht oder der historischen Aufarbeitung des Kriegsgeschehens.[30] Es existiert jedoch auch eine weitere kollektivistische Auffassung, dass Milit\u00e4rangeh\u00f6rige als Teil einer Befehlskette nicht f\u00fcr die Moralit\u00e4t des Krieges verantwortlich seien. In diesem Falle w\u00fcrden die moralischen Prinzipien auf individueller Ebene keine Anwendung finden. Kollektivt:innen bestreiten, dass Kriegshandlungen irreduzibel auf individuelle Handlungen sind.[31] Bei dem kollektivistischen Standpunkt wird die starke Hierarchie und Befehlskette in milit\u00e4rischen B\u00fcndnissen betont und besonderen Wert auf den Befehlsgehorsam der Streitkr\u00e4fte sowie die hierarchische Kontrolle der Vorgesetzten gelegt. Die Verantwortung l\u00e4ge bei den Vorgesetzen, weniger bei individuellen Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-9orsl\">Historische Ereignisse wie der Eichmann-Prozess zeigen auf, dass ein kollektivistischer Standpunkt schwer vertretbar istdass Krieg zwar eine kollektive Aufgabe sein kann, aber Entscheidungstr\u00e4ger:innen trotzdem in einigen Aspekten auf sich allein gestellt sind \u2013 nicht zuletzt in der strafrechtlichen Aufarbeitung. Das wird zum Beispiel in der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkrieges deutlich. Im Eichmann-Prozess im Jahr 1961 wurde der hochrangige SS-Beamte Adolf Eichmann angeklagt. Er bestritt dabei nicht nur seine Verantwortung innerhalb des Nazi-Regimes, sondern negierte auch seine Haftbarkeit. Dies illustrierte die Notwendigkeit, dass alle Entscheidungstr\u00e4ger:innen f\u00fcr ihre Handlungen w\u00e4hrend des Krieges zur Rechenschaft gezogen werden sollten, ohne die M\u00f6glichkeit, bez\u00fcglich der Verantwortung auf die Befehlskette zu verweisen.[32] Der Prozess trug dazu bei, die Haftbarkeit Milit\u00e4rangeh\u00f6riger aller R\u00e4nge zu verdeutlichen und das Bewusstsein f\u00fcr die Verantwortung von Entscheidungen im Krieg zu sch\u00e4rfen. Er veranschaulicht zudem, dass individuelle Verantwortung nicht aufgrund der Komplexit\u00e4t von Kriegssituationen oder der Befehlskette relativiert werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-dki6r\">Die Betrachtung des revisionistischen Standpunkts geht mit Konsequenzen f\u00fcr Streitkr\u00e4fte einher. Somit tragen sie die pers\u00f6nliche Verantwortung f\u00fcr ihre Kriegshandlungen und m\u00fcssen gegebenenfalls strafrechtlich zur Rechenschaft[33] gezogen werden, selbst wenn sie haupts\u00e4chlich den Befehlen ihrer Vorgesetzten folgten.[34] In Konsequenz bedeutet das, dass alle Milit\u00e4rangeh\u00f6rige ihre Handlungen im Krieg stets kritisch hinterfragen und ethische Grunds\u00e4tze aufrechterhalten m\u00fcssen. F\u00fcr taktische Abw\u00e4gungen w\u00e4ren Befehlshabende weiterhin zur Rechenschaft zu ziehen, da sie durch einen h\u00f6heren Rang eine umfassendere Verantwortung f\u00fcr die Konsequenzen ihrer Befehle tragen.[35] Einzelne Streitkr\u00e4fte sollten die Moralit\u00e4t ihrer Handlungen jedoch zumindest im rechtlichen Rahmen und nach gew\u00f6hnlichem Menschenverstand beurteilen. Auf diesen Aspekt wird am Ende des Beitrages noch genauer eingegangen.[36]<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>In Konsequenz bedeutet das, dass alle Milit\u00e4rangeh\u00f6rige ihre Handlungen im Krieg stets kritisch hinterfragen und ethische Grunds\u00e4tze aufrechterhalten m\u00fcssen.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-4n4c8\">Wenn Milit\u00e4rangeh\u00f6rige in letzter Instanz f\u00fcr ihre Kriegshandlungen verantwortlich sind, besteht auch ein Zusammenhang zwischen der moralischen Entscheidungsfindung individueller Milit\u00e4rangeh\u00f6riger und der kollektiven Pflicht, eine humane Kriegsf\u00fchrung nach den Richtlinien der Genfer Konventionen zu wahren. Der Staat \u00d6sterreich verpflichtete sich mit der Ratifizierung der Genfer Konventionen im Jahr 1949 der humanen Kriegsf\u00fchrung. In den Genfer Konventionen sind die Regeln und Prinzipien festgelegt, die in bewaffneten Konflikten zum Schutz von Zivilpersonen, verwundeten Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen und Kriegsgefangenen gelten. Als Unterzeichnerstaat ist \u00d6sterreich gebunden, die Bestimmungen zu respektieren und durchzusetzen.[37] In der Exekution des Kriegsrechts tragen die individuellen Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen eine Teilverantwortung, die Prinzipien der Genfer Konventionen zu achten und in die Praxis umzusetzen. Das umfasst unter anderem die respektvolle Behandlung von Kriegsgefangenen und Zivilpersonen unter Einhaltung der Menschenrechte, die Vermeidung \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Gewaltanwendung und die Sicherstellung, dass zu Kriegszeiten keine grausame, unmenschliche oder erniedrigende Aus\u00fcbung von Gewalt stattfindet.[38]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-65ae9\">Ein Zusammenhang zwischen der Lehre des gerechten Krieges und dem internationalen humanit\u00e4ren Recht besteht darin, dass beide Normen und Prinzipien etablieren, die das Verhalten unterschiedlicher Akteure, wie Staaten, Streitkr\u00e4fte und Zivilpersonen, in bewaffneten Konflikten regeln \u2013 einerseits auf moralischer, andererseits auf rechtlicher Ebene. W\u00e4hrend die Lehre des gerechten Krieges ethische \u00dcberlegungen hinsichtlich der Rechtfertigung und Durchf\u00fchrung von Kriegen bietet, werden durch das internationale humanit\u00e4re Recht konkrete rechtliche Regeln festgelegt, die den Schutz von Zivilpersonen, Angeh\u00f6rige der Kampftruppen und anderen Beteiligten in Kriegen sicherstellen sollen. Die Lehre des gerechten Krieges beeinflusst in gewisser Weise die Entwicklung des humanit\u00e4ren internationalen Rechts, indem sie moralische Prinzipien bietet, die bei der Formulierung und Interpretation der Rechtsnormen ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnen. Gleicherma\u00dfen wird innerhalb der Lehre des gerechten Krieges wiederum auf rechtliche Unterscheidungen und Definitionen zur\u00fcckgegriffen \u2013 beides konstituiert sich gegenseitig. Grundlegende moralische Prinzipien aus der Lehre des gerechten Krieges sind als historische Vorl\u00e4ufer in die Entwicklung wichtiger internationaler Vertr\u00e4ge wie die UN-Charta oder die Genfer Konventionen eingeflossen und stammen vorwiegend aus westlich-christlichen Traditionen,[39] zum Beispiel den Werken von Francisco de Vitoria[40] und Augustinus oder Thomas von Aquin.[41] Die folgenden drei moralischen Grundprinzipien aus der Lehre des gerechten Krieges finden sich in ver\u00e4nderter Form auch in den Richtlinien \u00fcber humane Kriegsf\u00fchrung wieder: Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit, Notwendigkeit und Diskriminierung (<em>in-bello<\/em>-Prinzipien).<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Ein Zusammenhang zwischen der Lehre des gerechten Krieges und dem internationalen humanit\u00e4ren Recht besteht darin, dass beide Normen und Prinzipien etablieren, die das Verhalten unterschiedlicher Akteure, wie Staaten, Streitkr\u00e4fte und Zivilpersonen, in bewaffneten Konflikten regeln.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-fu2gs\">Anwendungsbeispiel<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-5tmj3\">Kriegshandlungen k\u00f6nnten nach dendrei <em>in-bello<\/em>-Prinzipien auf ihre moralische Legitimit\u00e4t hin evaluiert werden. Ein Anwendungsbeispiel illustriert, wie die Lehre des gerechten Krieges dem Milit\u00e4r als Bereichsethik dienen kann, um die Moralit\u00e4t von Handlungen zu bestimmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-ab5fj\">Die gegnerische Truppe X nahm den St\u00fctzpunkt A ein, dessen R\u00fcckgewinnung elementar ist, um das Etappenziel zu gewinnen. Aus dem Grund muss Soldat Y offensiv handeln, beispielsweise ein legitimes Ziel X angreifen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-cgl3b\">Erstens erfordert das Prinzip der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit, dass der erwartete milit\u00e4rische Nutzen einer Handlung in einem angemessenen Verh\u00e4ltnis zu den angewandten Mitteln stehen muss.[42] Dabei wird vorausgesetzt, dass jede Kriegshandlung zur Verteidigung genutzt wird, d. h. auf vorhergehende Angriffe reagiert. Nach dem auch genannten Proportionalit\u00e4tsprinzip muss der einzunehmende St\u00fctzpunkt im Verh\u00e4ltnis zu den angewandten Mitteln, in diesem Fall den Einsatzkr\u00e4ften, stehen. Kriegshandlungen sind illegitim, wenn die erwarteten Sch\u00e4den unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig zum erwarteten Nutzen sind.[43] Falls Soldat Y beispielsweise personelle Verluste in Kauf nehmen muss, um ein legitimes Ziel X beschie\u00dfen zu k\u00f6nnen, sollte das Ziel ein dementsprechend wichtiger Schritt f\u00fcr das Erreichen des Etappenziels darstellen. Das Schadensausma\u00df des Ziels X darf nach dem Prinzip der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit den Nutzen nicht \u00fcbersteigen. Hierbei wird die Schwere der Gewalt, also die Mittel gegen den Schaden abgewogen, wie Helen Frowe verdeutlichte:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-7lvim\">\u201e(&#8230;) we have a sort of ranking of harms, whereby one can inflict a defensive harm that is greater than the threatened harm, but still comparable to the threatened harm. This would explain why I can break an attacker\u2019s leg not only if he will otherwise break my leg, but also if he will otherwise break my arm or my ankle.\u201c[44]<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Nach dem auch genannten Proportionalit\u00e4tsprinzip muss der einzunehmende St\u00fctzpunkt im Verh\u00e4ltnis zu den angewandten Mitteln, in diesem Fall den Einsatzkr\u00e4ften, stehen. Kriegshandlungen sind illegitim, wenn die erwarteten Sch\u00e4den unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig zum erwarteten Nutzen sind.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-dmrk6\">Auch falls der Nutzen der Handlung die Mittel \u00fcbersteigt, erscheinen die Mittel nach dem Prinzip der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit nicht legitim, da sie nicht proportional zum erhofften Nutzen stehen.[45]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-9rfga\">Zweitens wird durch die Ber\u00fccksichtigung des Prinzips der Notwendigkeit sichergestellt, dass die Handlung zur Erreichung eines legitimen Ziels unvermeidbar ist. Auf einer taktischeren Ebene k\u00f6nnte Offizier Y die Notwendigkeit der Handlung infrage stellen. Wenn das n\u00e4chste Ziel das Einnehmen des St\u00fctzpunktes A beinhaltet, sollte die Handlung der Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen, St\u00fctzpunkt A zu zerst\u00f6ren, zum Ziel beitragen. Falls bekannt ist, dass die gegnerische Truppe ohnehin in den n\u00e4chsten Tagen den St\u00fctzpunkt verl\u00e4sst, scheint die Handlung nach dem Prinzip der Notwendigkeit nicht legitim zu sein, um das n\u00e4chste Kriegsziel zu erreichen. Daher m\u00fcsste sich Offizier Y nach diesem Prinzip zufolge gegen die Handlung entscheiden. Der verursachte Schaden darf das Ziel auch auf der Ebene eines Kampagnenplans nicht wesentlich \u00fcberwiegen. Wenn der St\u00fctzpunkt aber f\u00fcr das \u00fcbergreifende Ziel, zum Beispiel die R\u00fcckgewinnung der Stadt, unbedingt n\u00f6tig ist, k\u00f6nnte nach dem Prinzip der Notwendigkeit die Anwendung von Gewalt legitim sein.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Zweitens wird durch die Ber\u00fccksichtigung des Prinzips der Notwendigkeit sichergestellt, dass die Handlung zur Erreichung eines legitimen Ziels unvermeidbar ist.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-cefdv\">Das gegebene Beispiel beinhaltet allerdings eine taktische Ebene, die nicht im Entscheidungsrahmen von Streitkr\u00e4ften niedriger R\u00e4nge liegt. Die <em>in-bello<\/em>-Prinzipien betreffen jedoch sowohl Entscheidungstr\u00e4ger:innen mit F\u00fchrungsverantwortung, als auch Streitkr\u00e4fte, die nicht in taktische Kriegsfragen involviert sind, aber dennoch im Rahmen ihrer individuellen Kriegshandlungen die Prinzipien der Lehre des gerechten Krieges anwenden k\u00f6nnen. Helen Frowe \u00fcbertrug das Prinzip der Notwendigkeit auf die Ebene individueller Milit\u00e4rangeh\u00f6riger:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-93t7n\">\u201eIf I can prevent you from killing me either by stamping on your foot or by shooting you in the chest, morality requires that I choose the least harmful means and stamp on your foot.\u201c[46]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-ces5n\">Nach Frowes Interpretation gibt das Prinzip der Notwendigkeit vor, dass so wenig Gewalt wie n\u00f6tig angewendet werden sollte, um ein Ziel zu erreichen. Es darf demnach <em>h\u00f6chstens <\/em>mit den Mitteln zur\u00fcckgeschlagen werden, die der Bedrohung oder der Anwendung von Gewalt gleichkommen. Soldat Y d\u00fcrfte bei einer t\u00f6dlichen Gefahr, ausgehend von Soldat X, folglich notfalls mit derselben Gewalt antworten. Wenn es einen anderen Weg zum Erreichen des Ziels g\u00e4be, m\u00fcsse jedoch das Mittel gew\u00e4hlt werden, das die geringste Anwendung von Gewalt erfordert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-bprln\">Drittens erfordert das Prinzip der Diskriminierung die Unterscheidung zwischen zwei Personengruppen: Kombattant:innen und Nicht-Kombattant:innen. Dabei ist zu beachten, dass auch Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen aufgrund von Verletzungen oder besonderen Pflichten ein Schutzstatus zugesprochen wird. Hierbei wird auf die Unterscheidung des internationalen humanit\u00e4ren Rechts zur\u00fcckgegriffen.[47] Daher wird nicht zwischen Zivilpersonen und Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen unterschieden, sondern die Unterscheidung wird anhand der Rolle getroffen, die die jeweiligen Personen im Krieg spielen \u2013 als Kombattant:innen oder Nicht-Kombattant:innen. Laut dem Prinzip der Diskriminierung m\u00fcssen Milit\u00e4rangeh\u00f6rige zwischen legitimen und illegitimen Zielen unterscheiden, um moralisch richtig zu handeln. Je nach Rolle, die ihnen im Krieg zukommt, werden Personen zu legitimen oder nicht legitimen Zielen. Die Unterscheidung kann allerdings mit Schwierigkeiten verbunden sein, wie das folgende Zitat im Falle der burmesischen Milit\u00e4rjunta illustriert:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-uob6\">\u201eOf course, some state leaders, such as Burma\u2019s military rulers, clearly identify themselves as part of the armed forces, and most state leaders have ultimate authority over their armed forces. But even those politicians without military roots or affiliation can be legitimate targets if they are instrumental in orchestrating the war. And some members of the military, such as doctors and clergy, are not legitimate targets and are not counted as combatants for the purposes of jus in bello. These people are deemed to perform civilian roles and are legally protected from attack (although military doctors are allowed to be armed in order to defend themselves). One is permitted to kill \u2018active\u2019 combatants (i.e., those who are not hors de combat through surrender, capture or injury) whenever doing so would afford a military advantage.\u201c[48]<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Drittens erfordert das Prinzip der Diskriminierung die Unterscheidung zwischen zwei Personengruppen: Kombattant:innen und Nicht-Kombattant:innen.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-7206t\">Zwar k\u00f6nnten medizinisches Personal, Gefangene oder Verletzte gleichzeitig Streitkr\u00e4fte sein, da sie aber keine aktive Rolle im Kriegsgeschehen spielen, kommt ihnen derselbe moralische Status wie Nicht-Kombattant:innen zu. Gleichzeitig ist nach dem Prinzip der Diskriminierung sicherzustellen, dass keine ungerechtfertigten Sch\u00e4den f\u00fcr an dem Konflikt Unbeteiligte verursacht werden. Wenn absehbar ist, dass eine Handlung Unbeteiligte, Unschuldige oder verwundete Milit\u00e4rangeh\u00f6rige, kurz \u2013 Nicht-Kombattant:innen, sch\u00e4digt, darf sie nicht ausgef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-cmqg1\">Die <em>in-bello<\/em>-Prinzipien der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit, Notwendigkeit und Diskriminierung k\u00f6nnten in einer Entscheidungssituation im Krieg als Leitlinien dienen.[49] Dabei wird keinem der drei Prinzipien im Entscheidungsfindungsprozess Priorit\u00e4t zugesprochen.[50] Sie wiegen gleich viel und setzen die Androhung einer mindestens ebenso gro\u00dfen Gewalt voraus.[51] Sobald eine Handlung gegen eines der Prinzipien verst\u00f6\u00dft, darf sie nicht ausgef\u00fchrt werden. Wenn Streitkr\u00e4fte aber die Notwendigkeit ihrer Handlung hinterfragen, die Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit ihrer Aktionen abw\u00e4gen und sicherstellen, dass ihre Handlung nach dem Diskriminierungsprinzip keine ungerechtfertigten Sch\u00e4den an unbeteiligten Zivilpersonen verursacht, d\u00fcrfen Sie eine Handlung ausf\u00fchren. Indem Milit\u00e4rangeh\u00f6rige die Kriterien sorgf\u00e4ltig in eigene Entscheidungsprozesse integrieren, k\u00f6nnen sie trotz manipulierter Informationen moralisch fundierte Entscheidungen treffen, moralisch legitim handeln und zudem einen Beitrag zur Erhaltung einer humanen Kriegsf\u00fchrung leisten.[52]<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Die in-bello-Prinzipien der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit, Notwendigkeit und Diskriminierung k\u00f6nnten in einer Entscheidungssituation im Krieg als Leitlinien dienen. Dabei wird keinem der drei Prinzipien im Entscheidungsfindungsprozess Priorit\u00e4t zugesprochen.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-s4vb\">Realismuskritik an der Lehre des gerechten Krieges als Milit\u00e4rethik<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-3i8ou\">Der Vorschlag, die Lehre des gerechten Krieges als Milit\u00e4rethik zu betrachten, ist nicht von Kritik befreit. Mindestens zwei realistische Kritikpunkte beziehen sich auf die Komplexit\u00e4t des Vorschlags. Einerseits wird die \u00fcberm\u00e4\u00dfige Komplexit\u00e4t der moralischen Prinzipien bem\u00e4ngelt, andererseits wird die \u00dcberforderung der Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen bef\u00fcrchtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-oinb\">Der erste Kritikpunkt bem\u00e4ngelt die Vereinfachung der Kriegsszenarien. Durch die Anwendungsbeispiele der drei<em> in-bello<\/em>-Prinzipien w\u00fcrde die komplexe Realit\u00e4t des Krieges und einhergehende Dilemmata nicht erfasst. Zudem beinhaltet dieser Kritikpunkt die Ansicht, dass Entscheidungen nicht ausschlie\u00dflich aufgrund moralischer Prinzipien gef\u00e4llt werden. Entscheidungsprozesse seien au\u00dferordentlich komplex, wobei die Situationen in den Beispielen zur Beleuchtung moralischer Aspekte reduziert werden. Schematisch dargestellte Szenarien werfen weitere komplexere moralischen Fragen auf, zum Beispiel bis zu welchem Grad das Prinzip der Diskriminierung gilt, wenn Zivilpersonen absichtlich aktive Ma\u00dfnahmen setzen, um Kriegshandlungen zu vereiteln, wie es in F\u00e4llen menschlicher Schilde denkbar w\u00e4re.[53]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-88f7e\">Viele solcher weiterf\u00fchrenden Szenarien werden von Vertreter:innen der Lehre des gerechten Kriegesbereits ausf\u00fchrlich diskutiert.[54] Zudem gibt es zahlreiche weitere Prinzipien, aufgrund derer eine Handlung bewertet werden kann.[55] Die drei dargestellten <em>in-bello-<\/em>Prinzipien sind grundlegende moralische Kriegsprinzipien, von denen sich weitere Handlungsanweisungen ableiten lassen, die wiederum die Komplexit\u00e4t von Kriegsszenarien besser erfassen k\u00f6nnen. Nichtsdestotrotz bieten die drei moralischen Argumente eine wichtige Grundlage f\u00fcr die Beurteilung der Moralit\u00e4t einer Handlung, nicht zuletzt, weil sie bereits Anklang im internationalen humanit\u00e4ren Recht fanden, wie die Minimalisierung von Kollateralsch\u00e4den (Prinzip der Notwendigkeit) oder die Immunit\u00e4t von Zivilpersonen (Prinzip der Diskriminierung).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-7sssr\">Die Anwendung moralischer Grundprinzipien stellt au\u00dferdem ausschlie\u00dflich den Anspruch, Milit\u00e4rangeh\u00f6rige situativ darin zu unterst\u00fctzen, <em>moralische<\/em> Entscheidungen zu treffen. Anthony Pfaff kritisierte, dass insbesondere konsequentialistische Entscheidungstheorien nicht alle Kriegsszenarien abdecken k\u00f6nnen.[56] Au\u00dferdem flie\u00dfen Faktoren wie Zeit, Hierarchien, Erf\u00fcllung der Kriegsziele, Strategien und Taktiken ebenfalls in die Entscheidungsfindung mit ein. Das International Committee of the Red Cross (ICRC) stellt eine Reihe wichtiger zus\u00e4tzlicher \u00dcberlegungen an, welche Faktoren Milit\u00e4rangeh\u00f6rige in ihren Entscheidungsprozesse inkludieren sollten und wie Entscheidungen evaluiert werden k\u00f6nnten.[57] Auch ethische und religi\u00f6se Beratungsstellen[58] sowie klare Anweisungen und Aufkl\u00e4rung seitens der Vorgesetzten helfen, Milit\u00e4rangeh\u00f6rige in Entscheidungsprozessen zu unterst\u00fctzen.[59]<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Die Anwendung moralischer Grundprinzipien stellt au\u00dferdem ausschlie\u00dflich den Anspruch, Milit\u00e4rangeh\u00f6rige situativ darin zu unterst\u00fctzen, moralische Entscheidungen zu treffen.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-btv90\">Durch den zweiten Kritikpunkt wird die Komplexit\u00e4t der moralischen Prinzipien bem\u00e4ngelt. Er beanstandet, dass die Lehre des gerechten Krieges Streitkr\u00e4fte \u00fcberlaste und diese moralischen \u00dcberlegungen im Extremfall eine Handlungsunf\u00e4higkeit verursachen, wenn Milit\u00e4rangeh\u00f6rige aller R\u00e4nge kriegsethische Fragen abw\u00e4gen m\u00fcssen. Die Abw\u00e4gung der moralischen Entscheidungsprinzipien stelle eine zu komplexe kognitive Aufgabe in Kriegssituationen dar, da es in Extremsituationen keine Zeit zum Z\u00f6gern und Abw\u00e4gen gebe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-dn1me\">Handeln ist nicht nur in Kriegssituationen stets mit der Abw\u00e4gung von Entscheidungen verbunden. Auch in Alltagshandlungen werden Wahrscheinlichkeiten und Sch\u00e4tzungen angestellt, um eine Handlung moralisch zu beurteilen. Ein epistemischer Skeptizismus zu Kriegszeiten sollte Milit\u00e4rangeh\u00f6rige daher nicht von ihren Handlungen abhalten, da sie nicht nur Informationen der gegnerischen Seite, sondern auch taktische, operative beziehungsweise strategische Ziele in ihre Entscheidungsfindung einbeziehen m\u00fcssen. Es ist Teil ihrer Berufsverpflichtung, f\u00fcr die Kriegsziele zu k\u00e4mpfen und dazu geh\u00f6rt, in Notsituationen und unter unsicheren Gegebenheiten zu entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-dqkrl\">Die Kritik scheint haupts\u00e4chlich Streitkr\u00e4fte niedrigerer R\u00e4nge zu betreffen, da von Kombattant:innen ab Brigadeebene eine Abw\u00e4gungsf\u00e4higkeit, eine Beratungsunterst\u00fctzung sowie mehr Zeit f\u00fcr taktische \u00dcberlegungen zu erwarten ist. Doch auch in Bezug auf Rekrut:innen scheinen die mit dem zweiten Kritikpunkt assoziierten Ansichten ihre moralische Urteilsf\u00e4higkeit zu untersch\u00e4tzen. Milit\u00e4rangeh\u00f6rige in niedrigen R\u00e4ngen m\u00fcssen nicht die Moralit\u00e4t von Kriegstaktikenhinterfragen, sondern treffen Entscheidungen innerhalb ihres eigenen Handlungsrahmens.[60] Die drei vorgestellten <em>in-bello<\/em>-Prinzipien stellen eine Mindestvoraussetzung f\u00fcr eine moralische Kriegsf\u00fchrung dar, die kein komplexes Denken erfordert. Von Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen wird lediglich erwartet, dass sie als durchschnittlich vern\u00fcnftige Menschen unter den vorliegenden Umst\u00e4nden erkennen, ob eine Handlung unrechtm\u00e4\u00dfig und gegebenenfalls gesetzeswidrig ist \u2013 auch in bewaffneten Konflikten.[61]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-1lglc\">Zusammenfassend bietet die Realismuskritik in beiden F\u00e4llen keinen ausreichenden Grund, dass Streitkr\u00e4fte nicht auch die Moralit\u00e4t ihrer Handlungen reflektieren sollten. Im folgenden Ausblick wird der Vorschlag eingebracht, die moralischen Prinzipien zur Anwendung zu bringen und die Lehre des gerechten Krieges als Milit\u00e4rethik zu verstehen. Ein n\u00e4chster Schritt w\u00e4re, Milit\u00e4rangeh\u00f6rige in der moralischen Entscheidungsfindung zu schulen, um sie auf die kognitive Kriegsf\u00fchrung vorzubereiten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"viewer-7l7ri\">Ausblick<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-3arlc\">Wie kann die Lehre des gerechten Krieges Milit\u00e4rangeh\u00f6rige auf die Herausforderungen kognitiver Kriegsf\u00fchrung vorbereiten?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-fnuna\">Kognitive Kriegsf\u00fchrung stellt Entscheidungstr\u00e4ger:innen vor die Herausforderung, manipulierte Informationslagen zu bew\u00e4ltigen. In diesem Kontext werden Informationen als \u201ataktische Waffe\u2018 eingesetzt, was das Potenzial birgt, das Denken, die Entscheidungsprozesse und das Handeln von Streitkr\u00e4ften zu beeinflussen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Kognitive Kriegsf\u00fchrung stellt Entscheidungstr\u00e4ger:innen vor die Herausforderung, manipulierte Informationslagen zu bew\u00e4ltigen. In diesem Kontext werden Informationen als \u201ataktische Waffe\u2018 eingesetzt.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-9j6e3\">Im Beitrag wurde die Notwendigkeit betont, im Krieg moralisch zu handeln. Da Streitkr\u00e4fte in letzter Instanz \u00fcber Entscheidungsfreiheit verf\u00fcgen, sind sie f\u00fcr Ihre Handlungen verantwortlich. Au\u00dferdem sind sie als exekutive Kraft f\u00fcr die Umsetzung der Genfer Konventionen verpflichtet. Es wurde mithilfe grundlegender<em> in-bello-<\/em>Prinzipien anhand der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit, Proportionalit\u00e4t und Notwendigkeit veranschaulicht, wie Entscheidungen moralisch beurteilt werden k\u00f6nnen. Da die dargestellten Prinzipien aus der Lehre des gerechten Krieges auch in den Genfer Konventionen Anwendung finden, k\u00f6nnten sie helfen, Kriegshandlungen moralisch zu bewerten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-866j5\">Die Lehre des gerechten Krieges kann dem Milit\u00e4r als Bereichsethik dienen, beispielsweise indem sie Milit\u00e4rangeh\u00f6rige bei der Entscheidungsfindung auf der Grundlage ethischer Standards unterst\u00fctzt. Als Bestandteil der Milit\u00e4rethik, genauer noch als Entscheidungstheorie, tr\u00e4gt sie dazu bei, Entscheidungen im Kontext kognitiver Kriegsf\u00fchrung zu erleichtern, indem sie die Moralit\u00e4t von Handlungen bewertet und im weiteren Sinne die Handlungsf\u00e4higkeit der Streitkr\u00e4fte auf moralischer Ebene festigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-5deju\">Die Schulung von Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen in der Lehre des gerechten Krieges, wie es u. a. bereits in Milit\u00e4rausbildungen in den USA praktiziert wird,[62] ist eine m\u00f6gliche Ma\u00dfnahme zur Vorbereitung auf die Herausforderungen kognitiver Kriegsf\u00fchrung. Die kritische Auseinandersetzung \u00fcber die Moralit\u00e4t von Handlungen stellt ein Instrument dar, um mit kognitiver Beeinflussung umzugehen. Die Einbeziehung von Bereichsethiken als fester Bestandteil in die Lehrpl\u00e4ne milit\u00e4rischer Ausbildungen bef\u00e4higt Entscheidungstr\u00e4ger:innen, moralisch fundierte Entscheidungen im Krieg zu treffen und ihre Handlungen in Einklang mit ethischen Normen zu bringen, zu denen sie nach den Genfer Konventionen verpflichtet sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"viewer-d49tl\"><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/lisa-tragbar-4a1513152\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><u>Lisa Maren Tragbar<\/u><\/a>; Forschungsinteresse in Angewandter Ethik, Politischer Philosophie, Kriegs- und Friedensethik sowie der Lehre des gerechten Krieges. Die in diesem Artikel enthaltenen Ansichten sind die der Autorin und stellen nicht die Ansichten des Instituts f\u00fcr Philosophie der Universit\u00e4t Wien dar.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-7ieqd\">[1] Kognitive Kriegsf\u00fchrung nutzt moderne Mittel des Informationskriegs, die bisher rechtlich unzureichend reguliert sind. Im Gegensatz zur herk\u00f6mmlichen Kriegsgewalt erfolgt dabei keine direkte, physische Gewaltanwendung. Das stellt eine Herausforderung f\u00fcr das internationale Recht dar. Die Rechtslage zur physischen Verteidigung bei Cyberangriffen ist komplex und h\u00e4ngt von den Auswirkungen des Angriffs ab. In der UN-Charta beispielsweise fehlt es an spezifischen Regelungen zur kognitiven Beeinflussung von Gegnern, obwohl diese Art der Kriegsf\u00fchrung bereits eine bedeutende Rolle in modernen Konflikten spielt. Zwar ist der Cyberspace nunmehr eine anerkannte milit\u00e4rische Dom\u00e4ne, es ben\u00f6tigt allerdings eine klare Rechtslage hinsichtlich kognitiver Kriegsf\u00fchrung. Lea Kristina Bj\u00f8rgul, \u201cCognitive warfare and the use of force,\u201d November 03, 2021. URL: https:\/\/www.stratagem.no\/cognitive-warfare-and-the-use-of-force\/ zuletzt aufgerufen am August 08, 2023, Vereinte Nationen: \u201cCharta der Vereinten Nationen und Statut des Internationalen Gerichtshofs,\u201c 1945, http:\/\/dag.un.org\/handle\/11176\/387335, zuletzt aufgerufen am August 08, 2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-bj0fb\">[2] Georg Kunovjanek, \u201cVom Wert der Information im Krieg,\u201c In: <em>Defense Horizon Journal<\/em> 2021, <a href=\"https:\/\/www.thedefencehorizon.org\/post\/vom-wert-der-information-im-krieg?lang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.thedefencehorizon.org\/post\/vom-wert-der-information-im-krieg?lang=de<\/a>, zuletzt aufgerufen am August 06, 2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-b4rph\">[3] Megan Burns, \u201cInformation Warfare: What and How?,\u201d <em>CS.CMU<\/em>, Carnegie Mellon University, 1999, www.cs.cmu.edu.html, zuletzt aufgerufen am August 08, 2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-f43lm\">[4] Idem.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-avk8p\">[5] Cathy Cao et al., \u201cCountering cognitive warfare: awareness and resilience,\u201d <em>NATO Review<\/em>, May 20, 2021, https:\/\/www.nato.int\/docu\/review\/articles\/2021\/05\/20\/countering-cognitive-warfare-awareness-and-resilience\/index.html, zuletzt aufgerufen am August 09, 2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-d4a5l\">[6] Paul Ottewell, \u201cDefining the Cognitive Domain,\u201d <em>OTH<\/em>, December 07, 2020, <a href=\"https:\/\/overthehorizonmdos.wpcomstaging.com\/2020\/12\/07\/defining-the-cognitive-domain\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/overthehorizonmdos.wpcomstaging.com\/2020\/12\/07\/defining-the-cognitive-domain\/<\/a>, zuletzt aufgerufen am August 07, 2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-3p8c\">[7] Georg Kunovjanek, \u201cVom Wert der Information im Krieg,\u201c In: <em>Defense Horizon Journal<\/em> 2021, https:\/\/www.thedefencehorizon.org\/post\/vom-wert-der-information-im-krieg?lang=de, zuletzt aufgerufen am August 06, 2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-79jor\">[8] Idem.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-448sk\">[9] F\u00fcr einen \u00dcberblick an Techniken, Strategien und Kriegsmitteln in Informationskriegen siehe Megan Burns, \u201cInformation Warfare: What and How?,\u201d <em>CS.CMU<\/em>, Carnegie Mellon University, 1999, www.cs.cmu.edu.html, zuletzt aufgerufen am August 08, 2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-8chq5\">[10] Paul Ottewell, \u201cDefining the Cognitive Domain,\u201d <em>OTH<\/em>, December 07, 2020, https:\/\/overthehorizonmdos.wpcomstaging.com\/2020\/12\/07\/defining-the-cognitive-domain\/, zuletzt aufgerufen am August 07, 2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-bconk\">[11] Nils Metzger, \u201cHeftige Kritik an Kriegsf\u00fchrung. Putins Problem mit den Propaganda-Bloggern,\u201c ZDF, November 21, 2022, https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/politik\/putin-propaganda-blogger-kritik-ukraine-krieg-russland-100.html, zuletzt aufgerufen am August 08, 2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-8s1kf\">[12] Magnus-Sebastian Kutz, <em>\u00d6ffentlichkeitsarbeit in Kriegen. Legitimation von Kosovo-, Afghanistan- und Irakkrieg in Deutschland und den USA<\/em> (Hamburg: Springer 2014), 36.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-am83l\">[13] Ibid., 46.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-5o9pa\">[14] Lea Kristina Bj\u00f8rgul, \u201cCognitive warfare and the use of force,\u201d November 03, 2021, <a href=\"https:\/\/www.stratagem.no\/cognitive-warfare-and-the-use-of-force\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.stratagem.no\/cognitive-warfare-and-the-use-of-force\/<\/a>, zuletzt aufgerufen am August 08, 2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-2a9m1\">[15] Dass manche Medien- und Informationskan\u00e4le nicht nur nationalen R\u00e4umen zuzuordnen sind und teilweise von beiden Kriegsseiten genutzt, verkompliziert das Unterfangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-8kpuv\">[16] Justin Sherman, <em>Russia\u2019s Internet Censor is Also a Surveillance Machine<\/em>, September 28, 2022, 11:47, <a href=\"https:\/\/www.cfr.org\/blog\/russias-internet-censor-also-surveillance-machine\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.cfr.org\/blog\/russias-internet-censor-also-surveillance-machine<\/a>, zuletzt abgerufen am September 19, 2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-4j4tf\">[17] Kenneth Geers (Ed.), <em>Cyber War in Perspective: Russian Aggression against Ukraine<\/em>,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-a82nq\">(NATO CCD COE Publications, Tallinn 2015).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-cm7g8\">[18] Benjamin D. King, \u201cWould Armed Humanitarian Intervention Have Been Justified to Protect the Rohingyas?,\u201d <em>Journal of Military Ethics<\/em> 19\/2020(4), 269\u2013284; France24, \u201cEthiopia&#8217;s warring sides locked in disinformation battle,\u201d Dezember 21, 2021, 15:22, <a href=\"https:\/\/www.france24.com\/en\/live-news\/20211222-ethiopia-s-warring-sides-locked-in-disinformation-battle\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.france24.com\/en\/live-news\/20211222-ethiopia-s-warring-sides-locked-in-disinformation-battle<\/a>, zuletzt aufgerufen am August 08, 2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-6u8ga\">[19] Im Anschluss an Andersson verstehe ich kritisches Denken in Kriegszeiten als eine reflektive F\u00e4higkeit \u00fcber den Wahrheitsgehalts einer gegebenen Information: \u201ecritical thinking as a skill to reveal hidden meanings, to see through propaganda and flawed arguments. In other words, a critical thinking that asks people to doubt what they see.\u201d Linus Andersson, It\u2019s Critical: The Role of Critical Thinking in Media and Information Literary,\u201d Media Education Research Journal 10, Nr. 1+2, (2021), 1-3.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-7gqf7\">[20] Seth Lazar, \u201cWar,\u201c In: (Edward N. Zalta (Ed.): <em>The Stanford Encyclopedia of Philosophy<\/em>, (2016) <a href=\"https:\/\/plato.stanford.edu\/entries\/war\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/plato.stanford.edu\/entries\/war\/<\/a>, zuletzt aufgerufen am August 02, 2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-6rbh2\">[21] In der Lehre des gerechten Krieges wird zwischen dem <em>ius ad bellum<\/em> (Recht vor Kriegsende) und dem <em>ius in bello <\/em>(Recht im Krieg) unterschieden. J\u00fcngere Ans\u00e4tze bieten ein <em>ius post bellum<\/em> (Recht nach Kriegsende) und ein<em> ius terminatio<\/em> (Recht zu Kriegsende) an. Helen Frowe, <em>The Ethics of War and Peace. An Introduction<\/em>, (New York: Routledge 20152), 5.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-dt7cl\">[22] W\u00e4hrend die meisten <em>ad bellum<\/em> Voraussetzungen von politischen Entscheidungstr\u00e4ger:innen evaluiert werden, kommen Streitkr\u00e4ften vor Kriegsbeginn wenig Entscheidungsm\u00f6glichkeiten zu. Falls sie \u00fcber ihre Einberufung entscheiden k\u00f6nnen, k\u00f6nnten sie anhand der <em>ad bellum<\/em> Prinzipien des gerechten Krieges \u00fcberlegen, ob die eigene Nation auf der legitimen Kriegsseite k\u00e4mpft. Daher fokussiert sich dieser Text auf das Handeln im Krieg (<em>in bello<\/em>). Michael Walzer, <em>Just and Unjust Wars. An Argument With Historical Illustrations<\/em> (New York: Basic Books 19958).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-47tnh\">[23] Angela Kallhoff, Thomas Schulte-Umberg, \u201eNeues zur Theorie des Gerechten Krieges: Die Wende zum Soldaten und Fragen der Kriegsmoral,\u201c <em>Deutsche Zeitschrift f\u00fcr Philosophie<\/em> 65, Nr. 4 (2017), 763.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-2ere5\">[24] Der Sammelband von David Rodin und Henry Shue hat zum <em>Soldier\u2019s turn<\/em> innerhalb der Lehre des gerechten Krieges beigetragen. David Rodin, Henry Shue (Hg.), <em>Just and Unjust Warriors: The Moral and Legal Status of Soldiers <\/em>(Oxford: Oxford University Press 2010).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-2bd3q\">[25] Ein rezenter Artikel von Anthony Pfaff spricht sich f\u00fcr tugendethische Ans\u00e4tze aus, welche den Fokus auf die Handelnden und nicht prim\u00e4r die Handlung legen. Ihm zufolge kann eine milit\u00e4rische Tugendethik die L\u00fccke zwischen Prinzipien- und konsequentialistischen Ans\u00e4tzen schlie\u00dfen und die notwendigen Ressourcen bereitstellen um ansonsten unl\u00f6sbare ethische Dilemmata, die bei Milit\u00e4roperationen auftreten k\u00f6nnen, zu vermeiden. Anthony C. Pfaff, \u201cVirtue and Applied Military Ethics: Understanding Character-Based Approaches to Professional Military Ethics,\u201d <em>Journal of Military Ethics<\/em>, (2023): 4.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-6bjs6\">[26] In diesem Rahmen finden nur \u00fcberblickartige Beispiele Anwendung.<em> In bello<\/em> Prinzipien k\u00f6nnen nicht in allen Situationen eine klare Orientierung bieten. So k\u00f6nnen sich Soldat:innen zu Kriegszeiten in tragischen Dilemmasituationen befinden, in denen ihnen jede Handlung von Just War Prinzipien untersagt w\u00fcrde. (In Anlehnung an Martha Nussbaum, \u201cThe Costs of Tragedy: Some Moral Limits of Cost\u2010Benefit Analysis\u201d, <em>The Journal of legal studies<\/em>, 29 (2) (2002), 1005\u20131036.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-48pi\">[27] Francisco de Vitoria, \u201cDe iure belli. \u00dcber das Kriegsrecht,\u201c In: Ulrich Horst, Heinz-Gerhard Justenhoven, Joachim St\u00fcben (Hg.): <em>Vorlesungen II. V\u00f6lkerrecht, Politik, Kirche = Relectiones<\/em>. (Stuttgart\/Berlin\/K\u00f6ln: Kohlhammer 1997), 591.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-474mo\">[28] Michael Walzer, <em>Just and Unjust Wars. An Argument With Historical Illustrations<\/em> (New York: Basic Books 19958), 438.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-c5u71\">[29] Seth Lazar, \u201cThe Responsibility Dilemma for Killing in War: A Review Essay,\u201c <em>Philosophy Public Affairs<\/em> 38, no. 2 (2010), 187, Jeff McMahan, \u201cThe Basis of Moral Liability to Defensive Killing,\u201d <em>Philosophical Issues<\/em> 15 (2005), 386\u2013405, Jeff McMahan, <em>Killing in War<\/em> (Oxford: Oxford University Press, 2009).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-74id3\">[30] Davida E Kellogg, \u201cJus Post Bellum: The Importance of War Crimes Trials\u201c, in: <em>The US Army War College Quarterly: Parameters<\/em> 32 (3), 2002, 95<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-d4kdm\">[31] Seth Lazar, \u201cWar,\u201d In: Edward N. Zalta (Ed.): <em>The Stanford Encyclopedia of Philosophy<\/em>, (2016) <a href=\"https:\/\/plato.stanford.edu\/entries\/war\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/plato.stanford.edu\/entries\/war\/<\/a>, zuletzt aufgerufen am August 02, 2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-dvhqk\">[32] Hannah Arendt, <em>Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalit\u00e4t des<\/em> B\u00f6sen (M\u00fcnchen: Piper, 2010).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-9qmae\">[33] An dieser Stelle werde ich nicht n\u00e4her in die tiefgreifende Diskussion \u00fcber rechtsphilosophische Fragen wie die absolute Haftbarkeit von Milit\u00e4rangeh\u00f6rige und das Verh\u00e4ltnis von Moral und Recht einsteigen, da es hier nicht mein Ziel ist, mich f\u00fcr ein bestimmtes Strafma\u00df auszusprechen oder f\u00fcr eine Straffreiheit von Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen unter bestimmten Bedingungen zu argumentieren. Hier m\u00f6chte ich lediglich den normativen Standpunkt festhalten, dass handlungsf\u00e4hige Streitkr\u00e4fte f\u00fcr ihre Handlungen verantwortlich sein sollten. Weiterf\u00fchrende Literatur zu dem Thema findet sich insbesondere in Seth Lazar, \u201cThe Responsibility Dilemma for Killing in War: A Review Essay,\u201c <em>Philosophy Public Affairs<\/em> 38, no. 2 (2010): 180\u2013213 und Jeff McMahan, \u201cThe Basis of Moral Liability to Defensive Killing,\u201d <em>Philosophical Issues<\/em> 15 (2005), 386\u2013405.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-ca64h\">[34] Hannah Arendt, <em>Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalit\u00e4t des<\/em> B\u00f6sen (M\u00fcnchen: Piper, 2010).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-8qcer\">[35] Michael Walzer, <em>Just and Unjust Wars. An Argument With Historical Illustrations <\/em>(New York: Basic Books 19958), 988.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-9pmjj\">[36] Ibid., 977.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-fml5f\">[37] Genfer Abkommen zum Schutze der Opfer des Krieges, \u201cGenfer Abkommen \u00fcber den Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten vom 12. August 1949,\u201c StF: BGBl. Nr. 155\/1953 (NR: GP VII RV 66 AB 119 S. 15. BR: 86) https:\/\/www.ris.bka.gv.at\/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Gesetzesnummer=1000025, zuletzt aufgerufen am Juli 26, 2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-e1ak9\">[38] Ibid.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-47luk\">[39] Fran\u00e7ois Bugnion: \u201cJust Wars, wars of aggression and international humanitarian law,\u201c <em>International Review of the Red Cross<\/em>, 84, Nr. 847 (2002), 528.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-7tgdb\">[40] In einer Rede vor der UN-Generalversammlung vom 18.04.2008 bezeichnete Papst Benedikt XVI. Francisco de Vitoria als \u201aVorreiter der Idee der Vereinten Nationen\u2018, nicht zuletzt, weil er die Grundlage der Lehre des gerechten Krieges systematisierte und die Grundlage f\u00fcr eine internationale Ordnung schuf, deren Aufgabe es ist, die Beziehungen zwischen den V\u00f6lkern zu regulieren. UN General Assembly, \u201cPope Benedict VVI urges world leaders to \u2018act jointly\u2019 on global problems, support institutions that promote \u2018common good\u2019 in general assembly address\u201d, GA\/10705, April 18, 2008, https:\/\/www.press.un.org\/en\/2008\/ga10705.doc.htm, zuletzt aufgerufen am August 03, 2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-bv4tb\">[41] Jan-Andres Schulze, <em>Der Irak-Krieg 2003 im Lichte der Wiederkehr des gerechten Krieges.<\/em> (Berlin: Duncker &amp; Humblot 2011), 13.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-e2j3m\">[42] Alex Bellamy, <em>Just Wars. From Cicero to Iraq.<\/em> (Cambridge: Polity Press 2008), 38.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-12el4\">[43] Das Prinzip der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit k\u00f6nnte dahingehend kritisiert werden, dass es zu viel Entscheidungsspielraum l\u00e4sst. Wie viel Risiko Soldat:innen im Kriegsgeschehen genau eingehen sollten, beschreibt Uzan 2016 mithilfe seines Proportionalit\u00e4tskalk\u00fcls. Elad Uzan, \u201cSoldiers, Civilians, and &#8222;in Bello&#8220; Proportionality: A Proposed Revision,\u201d <em>The Monist<\/em> 99, no. 1 (2016): 87\u201396.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-atc86\">[44] Helen Frowe, <em>The Ethics of War and Peace. An Introduction.<\/em> (New York: Routledge 20152), 10.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-dha2k\">[45] Ibid., 10-11; Michael Walzer, <em>Just and Unjust Wars. An Argument With Historical Illustrations<\/em> (New York: Basic Books 19958), 138\u2013159; Brian Orend, <em>The Morality of War<\/em>. (Peterborough: Broadview Press 2006), 105\u2013137.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-1m61k\">[46] Helen Frowe, <em>The Ethics of War and Peace. An Introduction.<\/em> (New York: Routledge 20152), 11\u201312.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-77cs1\">[47] Seth Lazar, \u201cEvaluating the Revisionist Critique of Just War Theory\u201c, in: <em>Daedalus<\/em> 146 (1), 2017, 114.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-7toqg\">[48] Michael Walzer, <em>Just and Unjust Wars. An Argument With Historical Illustrations<\/em> (New York: Basic Books 19958), 138\u2013159; Brian Orend, <em>The Morality of War<\/em>. (Peterborough: Broadview Press 2006), 108.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-2052i\">[49] Michael Walzer, \u201cThe Triumph of Just War Theory (and the Dangers of Success),\u201d <em>Social Research<\/em> 69, no. 4 (2002), 929-931, Helen Frowe, <em>The Ethics of War and Peace. An Introduction<\/em>. (New York: Routledge 20152), 98-118.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-7fhti\">[50] Alle Prinzipien sind Mindestvoraussetzungen, da sie Streitkr\u00e4ften haupts\u00e4chlich negative Pflichten aufb\u00fcrden. W\u00e4hrend negative Pflichten darauf aus sind, keinen \u00fcberfl\u00fcssigen Schaden zu verursachen, beinhalten positive Pflichten die F\u00f6rderung des Wohls anderer und erfordern aktives Handeln, beispielsweise das Versorgen von Verwundeten oder das Teilen von Ressourcen mit Zivilpersonen. Eine Handlung kann im Rahmen der Lehre des gerechten Krieges bereits gerecht sein, wenn sie nur den minimalen Anforderungen entspricht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-6g72o\">[51] Eine <em>ad bellum<\/em> Voraussetzung f\u00fcr die legitime Anwendung von Gewalt ist u.a. die Verteidigung von Unrecht \u2013 alle <em>in bello<\/em> Handlungen d\u00fcrfen also nur im Falle einer Verteidigung ausge\u00fcbt werden. Helen Frowe, <em>The Ethics of War and Peace. An Introduction.<\/em> (New York: Routledge 20152), 32.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-5s7ok\">[52] \u201cThe principle is this: when it is our action that puts innocent people at risk, even if the action is justified, we are bound to do what we can to reduce those risks, even if this involves risks to our own soldiers.\u201d Michael Walzer, \u201cThe Triumph of Just War Theory (and the Dangers of Success),\u201d<em> Social Research <\/em>69, no. 4 (2002), 937.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-a225d\">[53] Zur Debatte um <em>human shields<\/em> siehe Helen Frowe, <em>The Ethics of War and Peace. An Introduction.<\/em> (New York: Routledge 20152), 153-157.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-27mer\">[54] Um hier nur au\u00dferhalb der bereits zitierten Werke einige wichtige Werke ohne den Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit aufzuz\u00e4hlen: Saba Bazargan, \u201eComplicitous liability in war\u201c, <em>Philosophical Studies<\/em> 165, no. 1 (2013), 177\u2013195, Helen Frowe, Gerald Lang (Hg.),<em> How We Fight: Ethics in War<\/em>, (Oxford: Oxford Univ. Press 2014), Brian Orend, <em>The Morality of War<\/em>. (Peterborough: Broadview Press 2006), David Rodin, <em>War and Self-Defense<\/em>. (Oxford: Oxford Univ. Press 2004), Stahn, Carsten, Jennifer Easterday, Jens Iverson (Hg.): <em>Jus Post Bellum: Mapping the Normative Foundations<\/em>. o. O.: (Oxford: Oxford University Press 2014).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-8fd4m\">[55] Zum Vorsorgeprinzip oder das Prinzip des vorhersehbaren Schadens siehe Helen Frowe<em>, The Ethics of War and Peace. An Introduction.<\/em> (New York: Routledge 20152), 148-151.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-babco\">[56] Wenn Streitkr\u00e4fte vor tragischen Entscheidungen stehen, bei denen s\u00e4mtliche m\u00f6glichen Ergebnisse unmoralisch sind und sie dem Dilemma nicht entkommen k\u00f6nnen, k\u00f6nnen konsequentialistische Ans\u00e4tze das Dilemma nicht l\u00f6sen. Anthony C. Pfaff, \u201cVirtue and Applied Military Ethics: Understanding Character-Based Approaches to Professional Military Ethics,\u201d <em>Journal of Military Ethics<\/em>, (2023): 3.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-1hqag\">[57] International Committee of the Red Cross (ICRC), \u201cDecision-Making Process in Military Combat Operations,\u201d Geneva 2013, <a href=\"https:\/\/www.icrc.org\/en\/doc\/assets\/files\/publications\/icrc-002-4120.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.icrc.org\/en\/doc\/assets\/files\/publications\/icrc-002-4120.pdf<\/a>, zuletzt aufgerufen am Juli 28, 2023, 7-51.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-etv0g\">[58] Ralph Sch\u00f6ppner, Leiter der Humanistischen Akademie Deutschland, setzt sich im deutschen Bundestag f\u00fcr den Ethikunterricht im deutschen Bundesheer ein, um das moralische Urteilsverm\u00f6gen auch f\u00fcr konfessionsfreie Streitkr\u00e4fte im lebenkundlichen Unterricht (LKU) zu garantieren. Lucas Wiegelmann, \u201eNeue Ethik-Dienstvorschrift der Bundeswehr: Truppe sucht Moral\u201c, <em>Herder Korrespondenz<\/em> 1\/2019, 46-47, <a href=\"https:\/\/www.herder.de\/hk\/hefte\/archiv\/2019\/1-2019\/truppe-sucht-moral-neue-ethik-dienstvorschrift-der-bundeswehr\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.herder.de\/hk\/hefte\/archiv\/2019\/1-2019\/truppe-sucht-moral-neue-ethik-dienstvorschrift-der-bundeswehr<\/a>, aufgerufen am September 19, 2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-fqg48\">[59] Constantinos Athanasopoulos schl\u00e4gt vor, dass der Sensus Communis Philosophicus, den er als Ausgangspunkt f\u00fcr die Entwicklung der Genfer Konventionen ansieht, nicht in rationalen \u2013 d.h. in seinem Verst\u00e4ndnis in universellen, konsequentialistischen oder utilitaristischen Prinzipien verankert ist, sondern auf tugendethischen Ethiken basiert. Constantinos Athanasopoulos: \u201cThe Ethical Problems of Sensus Communis Philosophicus: Reflections on McKeon,\u201d Pluralism in Europe? <em>Societas Ethica,<\/em> Jahrestagung Ljubljana 2004.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-e5ld1\">[60] Michael Walzer erkl\u00e4rt, dass sich \u2018gew\u00f6hnliche\u2019 Streitkr\u00e4fte den Anweisungen ihrer Kommandant:innen widersetzen sollten, wenn sie gegen grundlegende ethische Prinzipien versto\u00dfen: \u201eWhen we judge soldiers we must balance the necessities of military discipline (that obedience be quick and unquestioning) against the requirements of humanity (that innocent people be protected),\u201d Walzer 1995, 973.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-7kvig\">[61] Ibid., 975.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-paragraph\" id=\"viewer-45jd9\">[62] Anthony E. Hartle, <em>Moral Issues in Military Decision Making<\/em>. (Lawrence: University Press of Kansas 1989), Michael Walzer, \u201cThe Triumph of Just War Theory (and the Dangers of Success),\u201d <em>Social Research<\/em> 69, no. 4 (2002), 929.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abstract: Im Zuge der fortschreitenden Technologisierung und Komplexit\u00e4t moderner Kriegsf\u00fchrung sehen sich Entscheidungstr\u00e4ger:innen zunehmend ethischen Dilemmata ausgesetzt. Die F\u00e4higkeit, in potenziell manipulierten Informationslagen moralisch verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen, ist von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung f\u00fcr die Wahrung der humanen Kriegsf\u00fchrung gem\u00e4\u00df der Genfer Konventionen. 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