{"id":2767,"date":"2024-11-19T06:27:00","date_gmt":"2024-11-19T05:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tdhj.org\/de\/?p=2767"},"modified":"2024-11-19T06:27:00","modified_gmt":"2024-11-19T05:27:00","slug":"abwehrkampf-ukraine-raumverteidigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tdhj.org\/de\/post\/abwehrkampf-ukraine-raumverteidigung\/","title":{"rendered":"Der Abwehrkampf der Ukraine im Spiegel der \u00f6sterreichischen Raumverteidigung"},"content":{"rendered":"<p>Abstract: Die ukrainische Abwehr ab dem 24. Februar 2022 l\u00e4sst sich anhand einer historischen Analogie mit dem milit\u00e4rischen Konzept der Raumverteidigung in \u00d6sterreich ab etwa 1970 analysieren. Dabei zeigen sich zahlreiche Gemeinsamkeiten, die zu taktischen Folgerungen f\u00fchren k\u00f6nnen. Die Raumverteidigung erweist sich als anpassungsf\u00e4higes Konzept, das durch die optimale Gel\u00e4ndeausnutzung, den Einsatz eines umfangreichen Portfolios an milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten sowie durch eine entsprechende F\u00fchrungsmentalit\u00e4t ma\u00dfgeblich zur Verteidigung gegen einen vermeintlich \u00fcberlegenen Gegner beitragen kann\u2013vorausgesetzt, es wird bis zum Ende durchdacht, geplant und umgesetzt.<\/p>\n<p>Problemstellung: Wie kann der ukrainische Abwehrerfolg im Jahr 2022 unter besonderer Ber\u00fccksichtigung des \u00f6sterreichischen Konzeptes der Raumverteidigung, mit Fokus auf die taktische Ebene, bewertet werden?<\/p>\n<p>Was nun?: Erstens k\u00f6nnen Konzepte aus der Vergangenheit mit einer gebotenen Sorgfalt auf die milit\u00e4rischen Problemstellungen von heute \u00fcbertragen werden. So ist der Kampf gegen einen technologisch weit \u00fcberlegenen Gegner kein neues Ph\u00e4nomen. Zweitens d\u00fcrfen die wirklich \u201ekriegsentscheidenden\u201c Techniken nicht au\u00dfer Acht gelassen werden, in Form des Kampfes der verbundenen Waffen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2768\" aria-describedby=\"caption-attachment-2768\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2768 size-full\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2024\/11\/shutterstock_2157461385.jpg\" alt=\"Source: shutterstock.com\/anmbph\" width=\"500\" height=\"334\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2768\" class=\"wp-caption-text\">Source: shutterstock.com\/anmbph<\/figcaption><\/figure>\n<h1><strong>Einleitung<\/strong><\/h1>\n<p>Rund 45 Jahre Geschichte trennen die verlustreiche Annexion des Staatsgebietes der Ukraine 2014 und eine missgl\u00fcckte milit\u00e4rische \u00dcbung in \u00d6sterreich 1969, welche die Abwehrf\u00e4higkeit gegen\u00fcber einem Aggressor als Teil der Neutralit\u00e4tspflicht demonstrieren sollte. Obwohl auf den ersten Blick schwer vergleichbar, begann ab diesem Zeitpunkt f\u00fcr beide Staaten eine umfassende Beurteilung\u2013wie konnte man das staatliche \u00dcberleben, das existenzielle Bestehen, in einem durchaus konfliktbehafteten Umfeld (des Kalten Krieges, der hybriden Kriegsf\u00fchrung) gew\u00e4hrleisten?<\/p>\n<p>F\u00fcr beide L\u00e4nder dauerte dieser Prozess der Beurteilung und der Entwicklung und Bereitstellung neuer milit\u00e4rischer und auch gesamtstaatlicher F\u00e4higkeiten mehrere Jahre. In der Ukraine wurden diese Planungen ab dem Beginn des Krieges am 24. Februar 2022 anhand der harten Realit\u00e4t \u00fcberpr\u00fcft, \u00d6sterreich blieb dieses Schicksal erspart. Hier wurde nur mit einer erneuten \u00dcbung im Jahr 1979 und mit einem gesamtstaatlichen Plan 1983 die Landesverteidigung ordentlich auf die F\u00fc\u00dfe gestellt, zumindest in der Theorie. In weiterer Folge lie\u00dfen die Beendigung des Kalten Krieges und die damit einhergehende positive Entwicklung im Sicherheitsumfeld die Aufmerksamkeit rasch von der umfassenden Landesverteidigung schwinden.<\/p>\n<p>Aus Sicht des Autors sind die Entwicklungsschritte und die Beurteilungen beider L\u00e4nder aus milit\u00e4rischer Sicht vergleichbar. Am Beispiel der Ukraine wurden die Folgerungen anhand des ersten Abwehrerfolges 2022 offensichtlich; sie zeigten ein \u00fcberlegtes System zur Kompensation der zahlenm\u00e4\u00dfigen Unterlegenheit. \u00d6sterreich beschloss den angesprochenen Landesverteidigungsplan und postulierte damit seine gesamtstaatlichen \u00dcberlegungen zur Abwehr eines Angriffs. Auch dieser Plan sah den Kampf aus einer unterlegenen Position gegen\u00fcber einem technologisch, zahlenm\u00e4\u00dfig und auch nuklear \u00fcberlegenen Gegner vor. Der milit\u00e4rische Beitrag nannte sich \u201eRaumverteidigung\u201c.[1]<\/p>\n<p>Das verwendete Raumverteidigungskonzept der Ukraine und \u00d6sterreichs entwickelte sich in Reaktion auf die politischen und milit\u00e4rischen Bedrohungen der jeweiligen Zeit. Nat\u00fcrlich w\u00e4re ein direkter, ungefilterter Vergleich der beiden Zug\u00e4nge unzweckm\u00e4\u00dfig. Aus Sicht des Verfassers kann eine abstrahierte Analyse der scheinbar ungleichen L\u00e4nder und der Konzeption zur Raumverteidigung einerseits und des bewiesenen Abwehrerfolges andererseits milit\u00e4rhistorisch betrachtet zu einer Wissensgenerierung f\u00fcr zuk\u00fcnftige Ausrichtungen f\u00fchren.<\/p>\n<blockquote><p>Das verwendete Raumverteidigungskonzept der Ukraine und \u00d6sterreichs entwickelte sich in Reaktion auf die politischen und milit\u00e4rischen Bedrohungen der jeweiligen Zeit.<\/p><\/blockquote>\n<h2><em><u>B\u00e4ren und Igel<\/u><\/em><\/h2>\n<figure id=\"attachment_2769\" aria-describedby=\"caption-attachment-2769\" style=\"width: 881px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2769 size-full\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2024\/11\/Picture1.png\" alt=\"Grafik von Jakob Bergmann erstellt.\" width=\"881\" height=\"665\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2769\" class=\"wp-caption-text\">Grafik von Jakob Bergmann erstellt.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Obwohl die Geschichte der \u00f6sterreichischen Verteidigung zur Zeit des Kalten Krieges durchaus fr\u00fcher beginnen k\u00f6nnte, eignet sich die \u00dcbung \u201eB\u00e4rentatze\u201c von 1969 f\u00fcr den hier beabsichtigten Vergleich. Aufbauend auf der milit\u00e4rstrategischen Konzeption \u2013 der Schild-und-Schwert-Doktrin \u2013 sollte die Verteidigungsf\u00e4higkeit der \u00f6sterreichischen Streitkr\u00e4fte gegen einen mechanisierten Gegner untersucht werden.[2]<\/p>\n<p>Das \u00d6sterreichische Bundesheer (\u00d6BH) war zu dieser Zeit nicht nur in den Augen der Bev\u00f6lkerung in Ungnade gefallen, hatte es doch auf Gehei\u00df der politischen F\u00fchrung w\u00e4hrend des Prager Fr\u00fchlings 1968 weit von der Grenze entfernt Stellungen bezogen \u2013 um dem <em>B\u00e4ren nicht auf den Schwanz zu treten<\/em>.[3] Von der milit\u00e4rischen F\u00fchrung wurde festgehalten, dass nun wohl die Tatze des russischen B\u00e4ren auf \u00d6sterreich lastet; der Name \u201eB\u00e4rentatze\u201c f\u00fcr die Anlage der folgenden \u00dcbung war geboren.[4] Obwohl das Gel\u00e4nde der \u00dcbung panzerg\u00fcnstig war, wurde es trotzdem von Teilen der milit\u00e4rischen F\u00fchrung als geeignet f\u00fcr die eingesetzten J\u00e4gerkr\u00e4fte beurteilt, was sich aber rasch als Fehlbeurteilung herausstellte. Diejenigen, die diese Einsch\u00e4tzung durchaus kritisch sahen, waren auch die Erfinder der unmittelbar darauffolgenden, neuen Konzeption der Raumverteidigung.[5]<\/p>\n<p>Die \u00dcbung fand im Donauraum, in der Kilb-Manker Senke, statt, und zwei J\u00e4gerbrigaden sollten gegen eine angreifende Panzergrenadierbrigade, welche die Rolle einer angreifenden, mechanisierten Division einnahm, hinhaltend k\u00e4mpfen und den Verz\u00f6gerungskampf f\u00fchren. Dies gelang nicht, und die \u00dcbung wurde zu einem Desaster \u2013 die beabsichtigte Konzeption der Verteidigung musste neu \u00fcberdacht werden.[6]<\/p>\n<p>Der Misserfolg des \u00d6sterreichischen Bundesheeres (\u00d6BH) f\u00fchrte neben hohem inl\u00e4ndischem Medieninteresse auch zu einem internationalen Aufschrei, denn die milit\u00e4rischen Hinderungspflichten im Rahmen der Neutralit\u00e4t erwiesen sich als grob vernachl\u00e4ssigt.[7] Matthias Wasinger definiert diese Pflichten folgenderma\u00dfen: \u201e<em>Diese sahen vor, dass der Neutrale alles in seiner Macht Stehende tut, um seinen Status als neutraler Akteur zu behalten, also beispielsweise keine fremden Truppen permanent auf seinem Territorium zu tolerieren oder aber einer der Konfliktparteien als Durchmarschraum zu dienen und somit einer Seite zum Vorteil zu gereichen. Dadurch erh\u00e4lt der Begriff der Neutralit\u00e4t einen nach au\u00dfen wirkenden Aspekt. Dies wurde und wird jedoch gerade in \u00d6sterreich gerne in den Hintergrund gedr\u00e4ngt.<\/em>\u201c[8] Die Wehrlosigkeit \u00d6sterreichs wurde scharf kritisiert, denn die erforderliche und notwendige F\u00e4higkeit wurde nicht demonstriert. Begr\u00fcnden kann man dieses Fehlen an der F\u00e4higkeit zur glaubw\u00fcrdigen Hinderung wie folgt: Erstens wurde die \u00dcbungstruppe rein durch das \u00d6BH gestellt, ohne auf die andere Organisationsform und Doktrin eines m\u00f6glichen Angreifers einzugehen. Zweitens war das \u00d6BH nicht in der Lage, mechanisierte Kr\u00e4fte abzuwehren, weil die notwendigen Mittel durch zu geringe finanzielle Ressourcen fehlten. Auf dieses Fehlen wurde durch die milit\u00e4rische F\u00fchrung wiederholt hingewiesen, was sich aber als unzutr\u00e4glich f\u00fcr die politisch-milit\u00e4rischen Beziehungen erwies. Drittens handelte es sich bei dieser \u00dcbung um eine freie \u00dcbung ohne geplanten Ablauf, bei der, frei nach Clausewitz, auch Gl\u00fcck und Zufall[9] eine wesentliche Komponente sind.[10] Viertens wurde die \u00dcbung unter der Aussparung der Dom\u00e4ne Luft abgehalten, mit folgender Begr\u00fcndung: Durch das Konzept des AirLand Battle und dem tiefen Wirken der Luftstreitkr\u00e4fte der Nordatlantischen Vertragsorganisation (NATO) wurde geplant\/gehofft, dass sich diese positiv f\u00fcr \u00d6sterreich auswirken w\u00fcrden.[11] Das Bundesheer befand sich in einer wahren \u00d6ffentlichkeitsarbeitskrise. Erst das erfolgreiche Modell der Raumverteidigung konnte hier Abhilfe schaffen, auch wenn hier bei weitem nicht alle ben\u00f6tigten F\u00e4higkeiten umfassend geschaffen wurden.[12], [13]<\/p>\n<blockquote><p>Die Wehrlosigkeit \u00d6sterreichs wurde scharf kritisiert, denn die erforderliche und notwendige F\u00e4higkeit wurde nicht demonstriert.<\/p><\/blockquote>\n<p>Genau dieses neuartige Modell wurde zuerst mit \u00dcbungen unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit getestet (1976), bevor 1979 im gleichen Raum wie bei der \u201eB\u00e4rentatze\u201c erneut eine \u00dcbung stattfand. Wieder mit hoher internationaler Medienbeteiligung, umfassender Beobachtung durch die Staaten der damaligen Konferenz f\u00fcr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (Vorl\u00e4ufer der Organisation f\u00fcr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, OSZE) auf pers\u00f6nliches Anregen durch General Kuntner[14] und durch Milit\u00e4rattach\u00e9s, wurde die \u00dcbung bewertet \u2013 nur diesmal als ein umfassender Erfolg. Die Raumverteidigung erwies sich als belastbar, und es hat sich auch der Igel als Maskottchen des verteidigungsf\u00e4higen Bundesheers etabliert.[15]<\/p>\n<h2><em><u>Das Erwachen des Igels<\/u><\/em><\/h2>\n<p>Die Raumverteidigung als logische Antwort auf das Misslingen des vorherigen Konzeptes beruht auf zwei \u00dcberlegungen. Die erste \u00dcberlegung, von oben nach unten gedacht, wurde durch General Emil Spannocchi gepr\u00e4gt. Die zweite Konzeption, von unten nach oben gedacht, wurde von Brigadier Erwin Jetzl nach eidgen\u00f6ssischem und deutschem Vorbild geschaffen. In diesem Kapitel wird auch ein gedanklicher Vorl\u00e4ufer der Raumverteidigung mit starkem Gel\u00e4ndebezug vorgestellt. Dieser ist zwar zeitlich vorher angesiedelt, ist aber f\u00fcr einen weiteren Vergleich zur Ukraine wichtig. Es werden alle drei \u00dcberlegungen kurz der Reihe nach dargestellt.[16]<\/p>\n<h2><em><u>Die Spannocchi-Doktrin<\/u><\/em><\/h2>\n<p>General Spannocchi begann bereits 1970 mit seinen Abhandlungen \u00fcber die Verteidigung eines relativ kleinen, neutralen Staates. Vor allem aber sein Hauptwerk, \u201eVerteidigung ohne Selbstzerst\u00f6rung\u201c,[17] als Beitrag in einem Sammelband,[18] ist die geistige, konzeptuelle Geburtsstunde der Raumverteidigung. Spannocchi beginnt mit einer umfassenden Verortung der \u00f6sterreichischen Position innerhalb des geopolitischen Rahmens. Er hebt einerseits die relative Machtlosigkeit des Kleinstaates gegen\u00fcber einem stark \u00fcberlegenen Feind mit umfassenderen Mitteln und Methoden hervor (bereits hier k\u00f6nnten die ersten Parallelen zur Ukraine erkannt werden) und negiert andererseits die Vertagung des Problems, da er f\u00fcr \u00d6sterreich feststellt, \u201e<em>da\u00df<\/em> <em>konventionelle Instrumente geschaffen wurden, die bereit und in der Lage sind, in politische und milit\u00e4rische Hohlr\u00e4ume vorzusto\u00dfen und sie auszuf\u00fcllen<\/em>\u201c.[19] Die angesprochenen Hohlr\u00e4ume beziehen sich auf die M\u00f6glichkeiten abseits des Einsatzes von Nuklearwaffen, die damals den beiden Superm\u00e4chten USA und UdSSR vorbehalten waren. Die gegenseitige Abschreckung verlangte die Nutzung einer \u201e<em>begrenzten Gewalt<\/em>\u201c.[20], [21]<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8230;da\u00df<\/em> <em>konventionelle Instrumente geschaffen wurden, die bereit und in der Lage sind, in politische und milit\u00e4rische Hohlr\u00e4ume vorzusto\u00dfen und sie auszuf\u00fcllen<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Als Kritik zur Auffassung Spannocchis kann man die Beispiele Israel und die Schweiz anf\u00fchren. Israel ist ebenfalls als Kleinstaat anzusehen, ist aber aufgrund der technologischen \u00dcberlegenheit und auch durch die gesamtstaatlichen Ma\u00dfnahmen als \u00fcberaus wehrhaft zu bezeichnen. Das zweite Gegenbeispiel stellt die Schweiz dar. Hier lebt man die aktive Neutralit\u00e4t und die Abwehr eines Aggressors wird gesamtstaatlich forciert, mit nicht unerheblichen Ressourcen.[22] Bezogen auf die nukleare Komponente erscheint es interessant, dass auch die Schweiz ein Programm zur Beschaffung von Atomwaffen hatte\u2013zur besseren Ausgestaltung der glaubhaften Neutralit\u00e4t.[23]<\/p>\n<p>In diesem Spannungsfeld beginnt die theoretische \u00dcberlegung Spannocchis, und er stellt folgenderma\u00dfen sehr treffend fest: \u201e<em>Nach den Regeln der zeitgeschichtlichen und technischen Wahrscheinlichkeit wird Gewaltanwendung in der Politik sich in Europa begrenzter und konventioneller Mittel bedienen, denen gegen\u00fcber \u00d6sterreich sich seines Potentials durchaus glaubw\u00fcrdig bedienen kann.<\/em>\u201c[24] Das darf aber nicht falsch verstanden werden, denn: \u201e<em>Wehe aber dem angegriffenen Kleinstaat, der versuchen wollte, mit einer auf seine Proportionen herunterprojizierten Mini-Wehrmacht nach gleichen Maximen das Gegenspiel aufzunehmen. Die sich st\u00e4ndig nur vergr\u00f6\u00dfernde Schere der technischen Potentiale m\u00fc\u00dfte ihn in Tagen erdr\u00fccken<\/em>. [\u2026]<em> Also Resignation, unbewaffnete Neutralit\u00e4t, waffenloser Widerstand?\u201c<\/em>[25] Hier erkennt man erneut eine Parallele zu den Ereignissen in der Ukraine: Die letzte, sicherlich polemisch und ironisch gemeinte Fragestellung wurde dort eindrucksvoll beantwortet. Die zweite L\u00f6sung erfolgt wieder nach eidgen\u00f6ssischem oder israelischem Beispiel: Neutralit\u00e4t bedeutet, glaubw\u00fcrdig, abschreckend und \u00fcberzeugend verteidigungsf\u00e4hig zu sein.<\/p>\n<p>Spannocchi identifiziert zwei L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten: erstens das Ende der B\u00fcndnisfreiheit, zweitens ein zugeschnittenes und angepasstes, neues Verteidigungssystem. Dieses fu\u00dft auf den Erkenntnissen von Kleinkriegstheoretikern wie Mao Tse-tung, V\u00f5 Nguy\u00ean Gi\u00e1p, Che Guevara und Tito. Vor allem Tse-tung hebt er hervor; auch die drei strategischen Phasen eines erfolgreichen Kleinkrieges werden \u00fcbernommen.[26] Diese sind, kurz zusammengefasst: zuerst die strategische Defensive. Hierbei sind das Erhalten der Kampfkraft und die Vermeidung der Entscheidungsschlacht wichtig. Zweitens folgt das Gleichgewicht, das strategische Equilibrium, wobei wichtig ist, dass dieses richtig erkannt und gedeutet wird. Drittens ist der \u00dcbergang in die strategische Offensive, wenn die Armee der Kleinkrieger genug gewachsen ist, bzw. der Gegner ausreichend geschw\u00e4cht ist. Jeder Phasen\u00fcbergang muss aber richtig erkannt werden, ansonsten ist die Niederlage wahrscheinlich.[27] Interessant erscheint hier, dass sich diese Form der Kleinkriegsf\u00fchrung, die auch Spannocchi w\u00e4hlte, aber auf eine zeitlich gesehen lange Dauer ausrichtet, wie er selbst auch beschreibt: \u201e<em>Es ist die Taktik der tausend Nadelstiche, von denen einige doch lebenswichtige Blutgef\u00e4\u00dfe treffen. Es ist die Taktik des Bremseffektes, weil hinter jedem eroberten Wald, am n\u00e4chsten Pa\u00df die n\u00e4chste Gefahr droht, und es ist die Taktik der zeitlichen Unbegrenztheit, die entmutigt.<\/em>\u201c[28] Aus Sicht des Autors ist dies der Polarit\u00e4t des Kalten Krieges geschuldet (es gibt einen ebenb\u00fcrtigen Gegner in Form der USA, der fr\u00fcher oder sp\u00e4ter sicherlich reagieren wird).<\/p>\n<blockquote><p>Spannocchi identifiziert zwei L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten: erstens das Ende der B\u00fcndnisfreiheit, zweitens ein zugeschnittenes und angepasstes, neues Verteidigungssystem.<\/p><\/blockquote>\n<h2><em><u>Der gel\u00e4ndebezogene Ansatz<\/u><\/em><\/h2>\n<p>Dieser Ansatz n\u00e4hert sich nicht aus einer ideologischen Betrachtung an den Kleinkrieg an, sondern aus einer umfassenden Beurteilung des Gel\u00e4ndes nach dem Beispiel eines eidgen\u00f6ssischen und eines reichsdeutschen Generalstabsoffiziers. Das Gel\u00e4nde wurde in verschiedene Kategorien unterteilt (Panzerkampfzone, Infanteriekampfzone, Infanterie- und Panzerkampfzone), je nachdem, welche Kr\u00e4fte dort effektiv und effizient eingesetzt werden k\u00f6nnen. Begr\u00fcndet in der Eigenheit der \u00f6sterreichischen Topografie stellt Jetzl fest: \u201e<em>Unser Gel\u00e4nde bietet sich geradezu an, den Kleinkrieg als eigene Kampfart zu entwickeln und mit einer gro\u00dfen Zahl an beweglichen Einheiten auf breiter Basis zu f\u00fchren.<\/em>\u201c[29] Grundlegend ging er davon aus, dass die feindlichen mechanisierten Kr\u00e4fte aber zumindest die Hauptlinien durchsto\u00dfen und somit nichts anderes als der Kleinkrieg durch alle Waffengattungen \u00fcbrig bleibt, auch wenn die J\u00e4gerkr\u00e4fte dazu besonders geeignet sind. Obwohl auch vermehrt auf die geistigen Herausforderungen des m\u00fchsamen Kleinkrieges eingegangen wird, scheint diese Betrachtung etwas losgel\u00f6st und aus einer milit\u00e4risch zusammenh\u00e4ngenden Formation herausgebrochen zu sein.[30] Aus Sicht des Autors ist vor allem beim Kleinkrieg, beim Jagdkampf, eine gesamtheitliche Koordination der Zielerreichung notwendig, da sonst die <em>tausend Nadelstiche<\/em> zu M\u00fcckenstichen verkommen.<\/p>\n<p>Zuvor ein zeitlicher Exkurs in den Beginn des Landesverteidigungsplanes, der f\u00fcr den sp\u00e4teren Vergleich von Bedeutung ist. 1957 auf 1958 wurde eine Verteidigung \u00d6sterreichs nach gel\u00e4ndeorientierten Gesichtspunkten erdacht. Diese Linie orientierte sich stark an den Bergmassiven von Tennengebirge \u00fcber den Dachstein zu den Koralpen. Dieser Plan war milit\u00e4risch vorteilhaft, politisch aber unbrauchbar, denn: \u201e<em>Diese Planung wurde auch als die ,Verteidigung von Mittersill\u2018 bekannt. Aus milit\u00e4rischer Sicht fand diese in g\u00fcnstigem Gel\u00e4nde statt, aus politischer Sicht konnte sie jedoch in keiner Weise akzeptiert werden, da sie einerseits ein Bekenntnis zur NATO, also einen Widerspruch zur Neutralit\u00e4t darstellte, andererseits auf keinen Fall erfolgreich der Bev\u00f6lkerung pr\u00e4sentiert werden konnte, da sie die Aufgabe weiter und vor allem bev\u00f6lkerungsreicher Teile \u00d6sterreichs bedeutete<\/em>.\u201c[31]<\/p>\n<h2><em><u>Die Raumverteidigung als milit\u00e4rischer Beitrag zur Landesverteidigung<\/u><\/em><\/h2>\n<p>1985 wurde die Raumverteidigung der \u00f6sterreichischen Bev\u00f6lkerung durch das Bundeskanzleramt vorgestellt\u2013auf 223 Seiten wurde die Landesverteidigung in die geistige, die zivile, die wirtschaftliche und die milit\u00e4rische Verteidigung gegliedert. Jedes staatliche Machtinstrument hatte seinen Beitrag zu leisten; der Beschluss dazu fiel aber eigentlich schon am 10. Juni 1975 mit der Aufnahme der sogenannten umfassenden Landesverteidigung als Artikel 9a in die Bundesverfassung. Es sollte aber doch noch gut zehn Jahre dauern, bis das Dokument in seiner Letztform durch alle Bearbeitungsschleifen lief.[32]<\/p>\n<blockquote><p>1985 wurde die Raumverteidigung der \u00f6sterreichischen Bev\u00f6lkerung durch das Bundeskanzleramt vorgestellt.<\/p><\/blockquote>\n<p>In der folgenden Grafik ist dieser zeitliche Ablauf gut nachvollziehbar:<\/p>\n<figure id=\"attachment_2770\" aria-describedby=\"caption-attachment-2770\" style=\"width: 998px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2770 size-full\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2024\/11\/Picture2.png\" alt=\"Der Weg in die Raumverteidigung, Grafik durch den Verfasser erstellt.\" width=\"998\" height=\"401\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2770\" class=\"wp-caption-text\">Der Weg in die Raumverteidigung, Grafik durch den Verfasser erstellt.<\/figcaption><\/figure>\n<p>In weiterer Folge wird nur auf die Raumverteidigung von 1985 eingegangen, da diese f\u00fcr einen milit\u00e4rischen Vergleich genutzt wird. Sie sah eine Unterteilung des Gel\u00e4ndes aufgrund der Gangbarkeit, aber auch aufgrund der Nutzbarkeit durch einen etwaigen Gegner in verschiedene Bereiche vor; diese waren:<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_2771\" aria-describedby=\"caption-attachment-2771\" style=\"width: 626px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2771 size-full\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2024\/11\/Picture3.png\" alt=\"Einteilung des Gel\u00e4ndes in Bereiche, Tabelle durch den Verfasser erstellt.[33]\" width=\"626\" height=\"416\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2771\" class=\"wp-caption-text\">Einteilung des Gel\u00e4ndes in Bereiche, Tabelle durch den Verfasser erstellt.[33]<\/figcaption><\/figure>Anhand der untenstehenden Grafik ist das gedachte Modell der Raumverteidigung, \u00fcbersetzt in moderne taktische Zeichen, erkennbar. Erkl\u00e4rt von links nach rechts: Der Basisraum stellt den geforderten Nachwuchs, die Regenerationsf\u00e4higkeit und die logistische Durchhaltef\u00e4higkeit sicher. Diesen gilt es unter allen Umst\u00e4nden zu sch\u00fctzen. Es folgen Schl\u00fcsselzonen (SZ); diese sind entweder wichtige oder entscheidende Gel\u00e4ndeteile, weil es sich um politische Knotenpunkte, industrielle Standorte, bev\u00f6lkerungsreiche Gebiete oder auch um leicht zu verteidigende Stellen handelt, wie beispielsweise Gew\u00e4sser.[34] Vorw\u00e4rts der eigenen (verteidigenden) Kr\u00e4fte sind Spezial(einsatz)kr\u00e4fte (SOF\/SF) in den Raumsicherungszonen, getrennt nach Organisationseinheiten, eingesetzt; diese sollen den Feind mit \u00dcberf\u00e4llen, Hinterhalten und Kommandounternehmen schw\u00e4chen.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_2772\" aria-describedby=\"caption-attachment-2772\" style=\"width: 648px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2772 size-full\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2024\/11\/Picture4.png\" alt=\"Das Grundmodell der Raumverteidigung, Grafik durch den Verfasser erstellt[35]\" width=\"648\" height=\"330\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2772\" class=\"wp-caption-text\">Das Grundmodell der Raumverteidigung, Grafik durch den Verfasser erstellt[35]<\/figcaption><\/figure>Der Kampf um eine Schl\u00fcsselzone k\u00f6nnte beispielsweise so aussehen:<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_2773\" aria-describedby=\"caption-attachment-2773\" style=\"width: 1031px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2773 size-full\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2024\/11\/Picture5.png\" alt=\"Der Einsatz in einer Schl\u00fcsselzone, Grafik durch den Verfasser erstellt.[36]\" width=\"1031\" height=\"497\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2773\" class=\"wp-caption-text\">Der Einsatz in einer Schl\u00fcsselzone, Grafik durch den Verfasser erstellt.[36]<\/figcaption><\/figure>Obenstehende Grafik unterteilt das Gel\u00e4nde je nach Wichtigkeit und folgert daraus den Einsatz der Kr\u00e4fte \u2013 in die damals bezeichneten Schl\u00fcsselr\u00e4ume. Diese k\u00f6nnen heute aber als wichtige oder entscheidende Gel\u00e4nde bezeichnet werden; der Einsatz muss nicht zwingend aus diesen erfolgen. Die territorial dargestellten Kompanien und die Spezialeinsatzkr\u00e4fte stellen die Raumsicherungskr\u00e4fte dar, die entweder jagdkampfartig k\u00e4mpfen oder wichtige Gel\u00e4ndeteile in Besitz halten. Die Gegenangriffskr\u00e4fte werden an g\u00fcnstigen Gel\u00e4ndeteilen bereitgehalten, um etwaige Einbr\u00fcche oder Durchbr\u00fcche zu bereinigen.<\/p>\n<p>Auch heute kann man an den geschichtstr\u00e4chtigen Schl\u00fcsselzonen in \u00d6sterreich noch die Vorbereitungen in Form der festen Anlagen finden (beispielsweise im Gro\u00dfraum Amstetten,[37] vorbereitete Anlagen mit Museum findet man aber auch an der Brucker Pforte H\u00f6he Bruckneudorf oder am Wurzenpass), wenn auch mittlerweile nicht mehr benutzt. Zur \u00dcberleitung eine aktuelle Entwicklung in \u00d6sterreich: Im Rahmen der planungsleitenden Schutzoperation wurde im Zuge des Aufbauplanes 2032+ gerade eine Brigade als Jagdkampfbrigade umgewandelt, um eben genau die F\u00e4higkeitsl\u00fccke der Raumschutzkr\u00e4fte zu schlie\u00dfen.[38]<\/p>\n<h1><strong>Der Abwehrkampf der Ukraine<\/strong><\/h1>\n<p>Der Abwehrkampf der Ukraine begann nicht am 24. Februar 2022 mit der gro\u00df angelegten\u2013und von der gesamten Welt beobachteten\u2013russischen Invasion entlang der mindestens f\u00fcnf Hauptsto\u00dfachsen Richtung Kyjiv, Charkiw, Mariupol, Kramatorsk und Wosnessensk,[39] sondern vielmehr im Jahr 2014: mit einer umfassenden Neuausrichtung der Streitkr\u00e4fte sowie der gesamten Gesellschaft.<\/p>\n<h2><em><u>Die Entwicklungen in der Ukraine vor 2022<\/u><\/em><\/h2>\n<p>Seit der Unabh\u00e4ngigkeit 1991 durchlief das ukrainische Milit\u00e4r drei Reformphasen. Die erste Phase (1991\u20132006) war von systematischem Niedergang gepr\u00e4gt, in der die F\u00e4higkeiten und die Gr\u00f6\u00dfe der Streitkr\u00e4fte stark abnahmen. Ab 2006 begann die zweite Reformphase, die stark von der Idee einer Transformation gepr\u00e4gt war. Diese Reform zielte darauf ab, das Milit\u00e4r weg von den gro\u00dfen, massenbasierten Strukturen des Kalten Krieges hin zu einer kleineren, professionelleren und technologisch fortgeschrittenen Armee zu entwickeln. Digitale Technologien, pr\u00e4zisionsgelenkte Waffen und neue F\u00fchrungsstrukturen sollten eine mobile, flexible und schlagkr\u00e4ftige Streitmacht schaffen. Geplant war, die Landstreitkr\u00e4fte zu verkleinern, die Wehrpflicht abzuschaffen und eine vollst\u00e4ndig professionelle Truppe aufzubauen.[40]<\/p>\n<p>Bis 2014 erwiesen sich diese Pl\u00e4ne jedoch als unfinanzierbar. Mit dem Ausbruch des Konflikts im Donbass wurde deutlich, dass die Ukraine nicht \u00fcber ausreichend ausgebildete und ausger\u00fcstete Truppen verf\u00fcgte. Auch die Gleichheit des Ger\u00e4tes muss angesprochen werden: Die Ukraine hatte zu diesem Zeitpunkt nur milit\u00e4risches Ger\u00e4t aus den Best\u00e4nden der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR), welches Russland bestens bekannt war. Die Wehrpflicht wurde 2014 wiedereingef\u00fchrt, um den dringenden Bedarf an Truppen zu decken. Gleichzeitig mobilisierte die Zivilgesellschaft betr\u00e4chtliche Ressourcen und unterst\u00fctzte das Milit\u00e4r, w\u00e4hrend Freiwilligenbataillone eine wichtige Rolle im Konflikt spielten.[41]<\/p>\n<p>2016 begann die dritte Phase der Reform, in welcher der Schwerpunkt auf die Anpassung an NATO-Standards und die St\u00e4rkung der zivilen Kontrolle gelegt wurde. Diese Phase verdient eine vertiefende Beobachtung. Besonders hervorzuheben sind die Einf\u00fchrung neuer Strukturen und klarer Priorit\u00e4ten, wie die Widerstandsf\u00e4higkeit der Ukraine gest\u00e4rkt wird. Dazu z\u00e4hlten die Entwicklung einer effektiveren F\u00fchrungs- und Kommandostruktur in Form einer teilstreitkraft\u00fcbergreifenden F\u00fchrung (Jointness), die Etablierung eines Unteroffizierskorps und von f\u00e4higen Spezialeinheiten sowie die Verfolgung spezifischer Beschaffungsziele.[42]<\/p>\n<p>Ein wesentlicher Fortschritt in der milit\u00e4rischen Transformation war die Einf\u00fchrung eines dezentralisierten Systems der F\u00fchrung. Die Ukraine lernte aus fr\u00fcheren Konflikten, insbesondere der Schlacht um Debalzewe 2015, dass prorussische Kr\u00e4fte eine bessere Koordination aufwiesen. Infolgedessen entwickelte die ukrainischen Streitkr\u00e4fte ein flexibles und agiles System, das auf dem Grundsatz der Auftragstaktik (<em>Mission Command<\/em>) basiert. Dieses F\u00fchrungsprinzip erm\u00f6glicht es Soldaten vor Ort, basierend auf \u00fcbergeordneten Zielen Entscheidungen eigenst\u00e4ndig zu treffen, was zu schnellerer und flexiblerer Entscheidungsfindung f\u00fchrt. Dies erwies sich als entscheidender Vorteil gegen\u00fcber den starren, zentralisierten Strukturen der russischen Streitkr\u00e4fte auf der taktischen und gefechtstechnischen Ebene.[43]<\/p>\n<blockquote><p>Ein wesentlicher Fortschritt in der milit\u00e4rischen Transformation war die Einf\u00fchrung eines dezentralisierten Systems der F\u00fchrung.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein weiterer, entscheidender Faktor f\u00fcr den Erfolg der Ukraine ist die Ausbildung und der Ausbau eines professionellen Unteroffizierskorps, das es den Streitkr\u00e4ften erm\u00f6glichte, eben diese angesprochene dezentralisierte F\u00fchrungskultur zu entwickeln. Dies steht erneut im Gegensatz zu den russischen Streitkr\u00e4ften. Durch die Einbindung der Unteroffiziere in die Entscheidungsprozesse konnte die ukrainische Armee schnelle, flexible und kreative Entscheidungen auf dem Schlachtfeld treffen, insbesondere w\u00e4hrend des russischen Angriffs auf den Nordosten der Ukraine, wo die ukrainischen Streitkr\u00e4fte in der Lage waren, \u00fcberraschende Gegenst\u00f6\u00dfe und Gegenangriffe durchzuf\u00fchren.[44]<\/p>\n<p>Parallel zu dem Aufbau des Unteroffizierskorps wurde der Aufbau der Spezialeinheiten vorangetrieben. Diese wurden unter eine eigene Kommandostruktur gestellt und auf NATO-Standards gebracht. Spezialeinheiten spielten eine entscheidende Rolle bei der Abwehr der russischen Invasion, insbesondere durch unkonventionelle Kriegsf\u00fchrung und gezielte Angriffe auf russische Versorgungs- und Nachschubkonvois.[45] Genau diesen Effekt stellen auch Rob Lee und Michael Kofman in ihrem Artikel Ende 2022 fest. Als erm\u00f6glichend f\u00fcr einen Erfolg der Ukraine im Jahr 2022 kann sicherlich der kommandoartige und auch jagdkampfartige Einsatz von \u201e<em>special operations forces, which created chaos behind Russia\u2019s lines <\/em>[\u2026]\u201c[46] bewertet werden. Die Bezeichnung \u201especial operations forces\u201c kann hier jedoch nicht ganz nachvollzogen werden, da auch spezialisierte Kr\u00e4fte zu dem Jagdkampf in der Tiefe des Gegners herangezogen wurden.<\/p>\n<p>Neben der strukturellen Reform des Kommandosystems spielte auch die Aufr\u00fcstung eine entscheidende Rolle. In den Jahren vor der Invasion legte die Ukraine einen klaren Fokus auf den Ausbau ihrer Artillerie- und Raketenf\u00e4higkeiten, um die Abh\u00e4ngigkeit vom \u00e4lteren Sowjetger\u00e4t zu verringern, sowie auf die Beschaffung moderner Waffensysteme, insbesondere von Panzerabwehrwaffen und unbemannten Luftfahrzeugen. Die Einf\u00fchrung des Bayraktar TB2-Drohnenprogramms war ein zentrales Element dieser Beschaffung und erwies sich in den fr\u00fchen Phasen des Krieges als \u00e4u\u00dferst effektiv. Die Drohnen spielten eine entscheidende Rolle bei der Bek\u00e4mpfung russischer Panzer und Artillerie, insbesondere durch pr\u00e4zise Angriffe auf Konvois und milit\u00e4rische Infrastruktur.[47] Oder, um es in \u00f6sterreichischen Worten auszudr\u00fccken: \u201e<em>Die Wirksamkeit der Streitkr\u00e4fte h\u00e4ngt von einer der Konzeption der Raumverteidigung entsprechenden Ausstattung mit den daf\u00fcr wesentlichen Waffensystemen, einschlie\u00dflich Panzerabwehr, Steilfeuerelement und Fliegerabwehr <\/em>[\u2026]<em> ab.<\/em>\u201c[48] Diese Worte heben die Bedeutung des verbundenen Kampfes hervor und sollen nun in das Jahr 2022 \u00fcberleiten.<\/p>\n<h2><em><u>Der Abwehrerfolg im Jahr 2022<\/u><\/em><\/h2>\n<p>Eingangs muss f\u00fcr das Jahr 2022 eine grundlegende Erkenntnis von Philipp Eder festgehalten werden: \u201e<em>Im Krieg in der Ukraine gab es bis dato keine kriegsentscheidenden F\u00e4higkeitstr\u00e4ger, Systeme, Formationen oder Strukturen. <\/em>[\u2026]<em> Es gab keine entscheidende Schlacht, aus heutiger Sicht ist kein Ende des Krieges absehbar.<\/em>\u201c[49]<\/p>\n<blockquote><p><em>Im Krieg in der Ukraine gab es bis dato keine kriegsentscheidenden F\u00e4higkeitstr\u00e4ger, Systeme, Formationen oder Strukturen.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Aber die Ukraine leistete ab dem 24. Februar wahrlich Gro\u00dfes, wie auch an folgendem Zitat festgemacht werden kann: \u201e<em>Ukraine\u2019s ability to survive the brutal onslaught of a full-scale Russian military invasion in February 2022 might appear to have been little short of a miracle.<\/em>\u201c[50]<\/p>\n<p>Der initiale Abwehrerfolg der Ukraine ist sicherlich einerseits der Geheimhaltung auf russischer Seite geschuldet \u2013 manche Einheiten erhielten die Befehle f\u00fcr den Angriff keine 24 Stunden vor Beginn. Das alleine w\u00e4re aber zu kurz gedacht. Die ukrainischen Streitkr\u00e4fte schafften es, durch den Einsatz von beweglichen Elementen in der Tiefe das Nachziehen von Hochwertsystemen zu behindern (EloKa, Flugabwehr); andererseits st\u00f6rten sie ebenso nachhaltig die Logistik. Die Spitzen wurden durch Hinterhalte mittels Panzerabwehrlenkwaffen gemeinsam mit Steilfeuer abgenutzt, und wichtige und entscheidende R\u00e4ume (wie beispielsweise der Flughafen Hostomel) wurden rasch durch bewegliche Elemente wieder in Besitz genommen. Die Entscheidungsschlacht der angreifenden russischen Streitkr\u00e4fte (der Enthauptungsschlag) wurde somit verwehrt, das Gel\u00e4nde geschickt ausgenutzt und der Feind \u00fcber die gesamte Tiefe bewirkt.[51]<\/p>\n<p>Aus Sicht des Autors ist das aber weder einem Waffensystem noch einer einzigen Entscheidung geschuldet, sondern vielmehr dem angepassten Kampf im Verbund und der Beteiligung aller Teilstreitkr\u00e4fte als auch dem Willen des gesamten Volkes zum Widerstand, der geplanten Konzeption der Verteidigung entsprechend, wie auch folgend festgestellt wird:\u201e[&#8230;] <em>Ukraine has moved away from the government\u2019s stated goal of adopting a transformation model of military reform and has instead adopted more of a hybrid model that retains the best elements of the former, but also recognises the need for mass \u2013 a large standing force \u2013 given its unique geostrategic environment.<\/em>\u201c[52]<\/p>\n<h1><strong>Gemeinsamkeiten und Unterschiede?<\/strong><\/h1>\n<p>Bevor man versucht, Gemeinsamkeiten zu finden und diese zu analysieren, muss erneut festgehalten werden, dass in Bezug auf \u00d6sterreich nahezu alle Dokumente zur Raumverteidigung mittlerweile \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich sind und dieses Thema milit\u00e4rwissenschaftlich ausgezeichnet aufgearbeitet ist. In Bezug auf die Ukraine ist jedoch der Kampf im Informationsumfeld noch immer ein tagt\u00e4glicher.<\/p>\n<p>Wie bereits festgestellt, lassen sich die ersten Gemeinsamkeiten auf der strategischen Ebene erkennen. Die Ukraine f\u00fchrt seit 2014 einen Krieg um ihre Existenz als souver\u00e4ner Staat\u2013\u00d6sterreich bereitet sich gesamtstaatlich auf die Abwehr eines Aggressors aus Ost oder West vor. Es erscheint auch hier so, dass die Einigkeit bei der Zielerreichung, sei es auf strategischer, operativer oder taktischer Ebene, leichter durch den Verteidiger zu erreichen ist.[53]<\/p>\n<blockquote><p>Die Ukraine f\u00fchrt seit 2014 einen Krieg um ihre Existenz als souver\u00e4ner Staat\u2013\u00d6sterreich bereitet sich gesamtstaatlich auf die Abwehr eines Aggressors aus Ost oder West vor.<\/p><\/blockquote>\n<p>Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Lagefeststellung der Konfliktpartei. Spannocchi stellte fest, dass eine heruntergebrochene Streitkraft das Wettr\u00fcsten gegen einen hochtechnologischen Gegner nur verlieren kann und beurteilte eine umfassende Unterst\u00fctzung in der Dom\u00e4ne Luft durch die NATO, er blendete die gegnerische Lufthoheit aus. Das gleiche Problem hatten und haben alle Aufstandsbewegungen. Deswegen kam Spannocchi auch zur Schlussfolgerung des Kleinkriegs. Modernisiert man Spannocchis Konzept der Verteidigung ohne Schlacht, so ist nach der heutigen Diktion darunter zu verstehen, dass der Angreifer zwar taktische Erfolge erlangen kann, niemals aber diese Erfolge zur Erreichung eines operativen Endzustands ausgenutzt werden k\u00f6nnen. Die Angriffe des Gegners nehmen somit Raum in Besitz, bezwingen aber die eigenen Kr\u00e4fte nicht. Die Angriffe verlangsamen den Gegner und erlauben es, in die Tiefe, in die Flanke zu wirken. Das verlangt aber mindestens den Kampf der verbundenen Waffen, besser noch den umfassenden Kampf mehrerer Teilstreitkr\u00e4fte, denn nur so sind die Rahmenbedingungen des Handelns geschaffen.[54]<\/p>\n<p>Genau diese Bedingungen werden auch in der Ukraine erkannt: \u201e<em>The Ukrainian experience demonstrates that smart decisions can be made, even on a relatively limited budget that can set up the enabling conditions for success even when dealing with an existential threat from a much more powerful neighbour.<\/em>\u201c[55] Es muss aber auch festgehalten werden, dass diese <em>smarten<\/em> Entscheidungen wieder mehr dem zergliederten Verteidiger dienlich sind. Es wird dazu sehr treffend formuliert: \u201e[&#8230;] <em>it took Ukraine more than two months to retake the entire right bank of Kherson after beginning its offensive. Ukrainian forces also employed combined arms, armour, special operations forces, HIMARS, artillery, as well as TB2 unmanned combat aerial vehicles in Kherson, but they were unable to achieve a breakthrough until October.<\/em>\u201c[56]<\/p>\n<p>Frei nach Clausewitz ist die Verteidigung die st\u00e4rkere Form im Vergleich zum Angriff, aber der Vorteil der <em>sp\u00e4teren Entscheidung<\/em> muss nicht beim Verteidiger liegen.[57] Genau bei dieser theoretischen Betrachtung findet sich eine weitere Gemeinsamkeit zwischen der Ukraine und \u00d6sterreich. Aus Sicht des Verfassers verlie\u00df sich Spannocchi (im Falle des Angriffs aus dem Osten) auf die NATO\u2013diese sollte die territoriale Integrit\u00e4t wiederherstellen, die Planungen bauten auf eine Unterst\u00fctzung von einer dritten Partei auf. Die Ukraine hat diese Form der Unterst\u00fctzung so nicht zu erwarten, h\u00f6chstens das \u00dcberlassen von Ausr\u00fcstung und Ausstattung. Aber durch einen gezielten, methodischen Ansatz des Gegners kann diese St\u00e4rke, oder dieses Verlassen auf die Unterst\u00fctzung einer dritten Partei als empfindliche Verwundbarkeit, rasch vernichtet werden, wie es beispielsweise aktuell beim Abnutzungskrieg in der Ukraine erkennbar ist.[58]<\/p>\n<blockquote><p>Frei nach Clausewitz ist die Verteidigung die st\u00e4rkere Form im Vergleich zum Angriff, aber der Vorteil der <em>sp\u00e4teren Entscheidung<\/em> muss nicht beim Verteidiger liegen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Eine bemerkenswerte Gemeinsamkeit ergibt sich in der Bewertung des Gel\u00e4ndes. Aus Sicht des Autors ist das Grundmodell der Raumverteidigung komplett anwendbar auf die realen Verteidigungslinien der Ukraine.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_2774\" aria-describedby=\"caption-attachment-2774\" style=\"width: 619px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2774 size-full\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2024\/11\/Picture6.png\" alt=\"Das Grundmodell der Raumverteidigung, angepasst an die Ukraine. Grafik durch den Verfasser erstellt.[59]\" width=\"619\" height=\"435\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2774\" class=\"wp-caption-text\">Das Grundmodell der Raumverteidigung, angepasst an die Ukraine. Grafik durch den Verfasser erstellt.[59]<\/figcaption><\/figure>Die starke Linie des Dnepr wird f\u00fcr die eigene Einsatzf\u00fchrung genutzt, vorw\u00e4rts dieser Linie f\u00fchren bewegliche Kr\u00e4fte den Einsatz. Dieses Beispiel ist nicht vollumf\u00e4nglich anzuwenden: Die dargestellten Truppenteile sind rein symbolhaft, und auch der tats\u00e4chliche Frontverlauf ist derzeit ein anderer. Aber man kann die urspr\u00fcngliche Einteilung des Gel\u00e4ndes und fortfolgend der Kr\u00e4fte gut erkennen. Die Massierung der Verteidigungsanstrengungen rund um entweder g\u00fcnstiges oder unbedingt notwendiges Gel\u00e4nde ist ebenfalls ersichtlich.<\/p>\n<p>Um ein weiteres, r\u00e4umlich etwas begrenzteres Beispiel zu verwenden, kann man den Einsatz rund um die Verteidigung Kyjivs betrachten. Dieser wird aus der folgenden Grafik ersichtlich:<\/p>\n<figure id=\"attachment_2775\" aria-describedby=\"caption-attachment-2775\" style=\"width: 1366px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2775 size-full\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2024\/11\/Picture7.png\" alt=\"Der Einsatz rund um Kyjiv, Grafik durch den Verfasser erstellt.\" width=\"1366\" height=\"795\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2775\" class=\"wp-caption-text\">Der Einsatz rund um Kyjiv, Grafik durch den Verfasser erstellt.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Gem\u00e4\u00df den Beobachtungen des Autors aufgrund georeferenzierter Daten ist bei der Systematik der Verteidigung der Schl\u00fcsselzone Kyjiv eine hohe Wiedererkennbarkeit gegeben.<\/p>\n<h1><strong>Die taktischen Folgerungen<\/strong><\/h1>\n<p>Ausgehend von den bisherigen Betrachtungen werden nun die wesentlichsten taktischen Folgerungen f\u00fcr eine weitere Verwendung innerhalb der taktischen Ausbildung gezogen. Zuerst verf\u00fcgt die Ukraine \u00fcber ein weitaus gr\u00f6\u00dferes Staatsgebiet als \u00d6sterreich, und schon dort wurde auf eine Gesamtraumverteidigung verzichtet\u2013da diese kr\u00e4ftem\u00e4\u00dfig nicht durchf\u00fchrbar ist.[60] Denn gleich der zynischen Fragestellung Spannocchis (Resignation und waffenloser Widerstand) musste auch in der Ukraine hierf\u00fcr eine Abhilfe gefunden werden. In \u00d6sterreich gelang es mit der Festlegung besonders verteidigungswerter Gel\u00e4ndeteile (den Schl\u00fcsselzonen), das Auslangen mit den vorhandenen Kr\u00e4ften zu finden. Die ukrainischen Streitkr\u00e4fte schafften das, neben einer sp\u00e4ter ausgef\u00fchrten Konzentration auf verteidigungsg\u00fcnstiges Gel\u00e4nde, mit einer bemerkenswerten Kombination an F\u00e4higkeiten. Keine davon brachte alleine eine Entscheidung, aber im Verbund gew\u00e4hrleisteten sie zumindest ein Durchhalten und auch bemerkenswerte Gegenangriffe. Auch wenn einzelne Waffensysteme hier neuartige und nachweisbare Erfolge lieferten, ist die Taktik des waffengattungs\u00fcbergreifenden Kampfes der verbundenen Waffen und die Operation des teilstreitkraft\u00fcbergreifenden Kampfes ausschlaggebend\u2013immer mit dem Ziel, die gegenseitigen Verwundbarkeiten und Schw\u00e4chen auszugleichen.[61] Denn passiert so etwas nicht und erfolgt eine Konzentration auf ausgew\u00e4hlte Spezialwaffensysteme, wird unweigerlich Folgendes eintreten: \u201e<em>Dependence on small fleets of specialist enablers is increasingly non-viable when the enemy can discern and engage specific targets within a formation and will do so throughout the depth of an operation.<\/em>\u201c[62]<\/p>\n<p>Denn: \u201e<em>Finally, the density of precision effects, even at tactical echelons, has left prestige enablers, such as offensive breaching vehicles, exceedingly vulnerable. <\/em><em>Without such assets, there is no mobility, and thus no scope for manoeuvre.<\/em>\u201c[63] Fehlt die Beweglichkeit sowie der gegenseitige Schutz, wird ein entscheidendes Wirksamwerden dieser Unterst\u00fctzer (Hochwertmittel wie Br\u00fcckenleger, Minenr\u00e4umer, Kampfpioniere, aber auch andere Kampfunterst\u00fctzer wie qualifizierte Beobachter und dergleichen) schwer m\u00f6glich. Eine Analogie zum Ersten Weltkrieg kann hier gezogen werden: Die Dominanz des Feuers verhinderte die Entscheidung auf dem Schlachtfeld; diese wurde letztendlich durch die Ersch\u00f6pfung einer Konfliktpartei erreicht. Abhilfe sollte erst der bewegliche Einsatz der verbundenen Kr\u00e4fte im Zweiten Weltkrieg schaffen. Diese zeitliche Streckung verdeutlicht ein weiteres Problem: Die Entwicklung milit\u00e4rischer F\u00e4higkeiten ben\u00f6tigt Zeit. Deswegen wurde weiter oben auch stark auf die Reformen der ukrainischen Streitkr\u00e4fte eingegangen. Der Abwehrerfolg der Ukraine war aus Sicht des Verfassers kein Produkt des Jahres 2022, da die ben\u00f6tigten F\u00e4higkeiten bereits vorher (ab 2014\/2016) geplant und eingef\u00fchrt wurden.<\/p>\n<blockquote><p><em>Finally, the density of precision effects, even at tactical echelons, has left prestige enablers, such as offensive breaching vehicles, exceedingly vulnerable.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die zweite taktische Folgerung l\u00e4sst sich in Bezug auf den taktischen Faktor der Kraft aufstellen. Die Beurteilung der Konfliktparteien mit all ihren St\u00e4rken und Schw\u00e4chen ist von ungebrochener Bedeutsamkeit. Die Konzeption des eigenen Abwehrkampfes wird um ein Vielfaches einfacher, wenn auf die F\u00e4higkeiten des Gegners reagiert werden kann, anstatt selbst \u00fcber ein m\u00f6glichst breites Spektrum an F\u00e4higkeiten zu verf\u00fcgen. Von Weizs\u00e4cker stellte dazu treffend fest: \u201e<em>Die Panzerschlacht, die in Stunden oder Tagen verloren gehen mu\u00df, wird vermieden [\u2026]. An die Stelle der Schlacht treten hundert Gefechte (Raumverteidigung nach Spannocchi) der im Raum verteilten kleinen, mit panzerbrechenden Waffen versehenen Einheiten (Module nach Brossollet). Der Gegner kann nur in einem zeitraubenden Proze\u00df die milit\u00e4rische Herrschaft im ganzen Land erringen, und selbst ein blo\u00dfer Durchbruch wird (vgl. Afheldt) l\u00e4nger dauern und f\u00fcr ihn verlustreicher sein als die Schlacht.<\/em>\u201c[64] Man erkennt an diesem Zitat bereits, dass die zugeschnittene Verteidigung \u2013 wie Spannocchi sie bezeichnete\u2013das Ergebnis einer umfassenden Beurteilung ist. Auch die Beobachtungen in der Ukraine st\u00fctzen diese Erkenntnisse; von beiden Seiten werden alle erkannten Verwundbarkeiten rasch ausgenutzt. Allerdings kann sich der hinhaltende Kampf, der Jagdkampf\u2013wie bereits festgestellt\u2013auf Dauer nachteilig auswirken. Entweder geht die Kampfkraft verloren, oder der politische Wille schwindet. Beides sind Gr\u00fcnde, aus denen eine Niederlage resultieren kann.<\/p>\n<p>Drittens ist die bereits erw\u00e4hnte Konzentration auf g\u00fcnstiges Gel\u00e4nde hervorzuheben. An s\u00e4mtlichen Beispielen in der Ukraine wird deutlich, dass das Gel\u00e4nde gem\u00e4\u00df der taktischen Eignung der Truppen genutzt wird\u2013es sei denn, strategische Gr\u00fcnde sprechen dagegen. Im Rahmen der Raumverteidigung w\u00e4re Wien beispielsweise au\u00dferhalb der Schl\u00fcsselzonen gelegen, auch wenn die analysierten Sto\u00dfrichtungen darauf hingewiesen h\u00e4tten.[65] Ob eine derartige Planung heute noch m\u00f6glich w\u00e4re, l\u00e4sst sich nicht abschlie\u00dfend beurteilen. Der Einsatz der ukrainischen Streitkr\u00e4fte in Bachmut k\u00f6nnte jedoch Aufschluss dar\u00fcber geben.[66] Dass allenfalls g\u00fcnstiges Gel\u00e4nde gehalten werden muss, steht au\u00dfer Frage.[67] Ebenso au\u00dfer Frage steht die Tatsache, dass die Zielerreichung auf Seiten des Verteidigers m\u00f6glichst geeint verfolgt werden muss. Dies wird vor allem durch eine hohe Transparenz der F\u00fchrungsentscheidungen und eine klare Formulierung der Zielzust\u00e4nde erreicht.[68]<\/p>\n<blockquote><p>Im Rahmen der Raumverteidigung w\u00e4re Wien beispielsweise au\u00dferhalb der Schl\u00fcsselzonen gelegen, auch wenn die analysierten Sto\u00dfrichtungen darauf hingewiesen h\u00e4tten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die letzte und wichtigste Folgerung betrifft die Anwendbarkeit der Raumverteidigung als Modell der milit\u00e4rischen Landesverteidigung im Allgemeinen. Aus Sicht des Autors lassen sich die wesentlichen Elemente der Raumverteidigung im Krieg in der Ukraine erkennen. Das Konzept erweist sich in einer kritischen Betrachtung als belastbar, sofern der politische Wille zur konsequenten Umsetzung vorhanden ist. Die im Grundmodell vorgesehene Verteilung der F\u00e4higkeiten und der Kampfkraft ist aus Sicht des Verfassers absolut zweckm\u00e4\u00dfig, auch nach mindestens 40 Jahren Entwicklung. Vielleicht ist das aber auch deshalb der Fall, weil hier zwei in der UdSSR gepr\u00e4gte Streitkr\u00e4fte aufeinandertreffen \u2013 und die Raumverteidigung genau zur Abwehr dieser entwickelt wurde (auch wenn sie nat\u00fcrlich auch gegen eine Bedrohung aus Westen konzipiert war).<\/p>\n<figure id=\"attachment_2779\" aria-describedby=\"caption-attachment-2779\" style=\"width: 585px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2779 size-full\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2024\/11\/Picture8-1.png\" alt=\"Die taktischen Folgerungen, Grafik durch den Verfasser erstellt.\" width=\"585\" height=\"260\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2779\" class=\"wp-caption-text\">Die taktischen Folgerungen, Grafik durch den Verfasser erstellt.<\/figcaption><\/figure>\n<h1><strong>Zusammenfassung und Schlussbetrachtung<\/strong><\/h1>\n<p>Die eigene Kampfkraft, die genaue Kenntnis \u00fcber die eigene Lage ist der wesentliche gestaltende Faktor bei der Konzeption der Abwehr. Diese Kampfkraft kann aber, dem Primat der Politik folgend, auch zu einem h\u00f6heren Zweck als dem Milit\u00e4rischen eingesetzt werden. Das kann aber auch zu einer erh\u00f6hten Abnutzung f\u00fchren\u2013eine Einigkeit der hierarchischen Ebenen ist anzustreben. Aufbauend auf diesem Verst\u00e4ndnis gilt es nun die Verwundbarkeiten des Gegners im f\u00fcr einen selbst vorteilhaften Gel\u00e4nde auszunutzen. Es geht um eine Orientierung innerhalb des gesamten strategischen Systems, eine Feststellung und Beurteilung der eigenen Lage, die Beurteilung der Konfliktpartei und des Gel\u00e4ndes; danach kann ein abgewogener Entschluss \u00fcber den Einsatz der Kr\u00e4fte getroffen werden. Untenstehende Grafik verdeutlicht diese Erkenntnis\u2013und folgt somit auch dem grundlegenden Gedanken des \u00f6sterreichischen taktischen F\u00fchrungsverfahrens.[69]<\/p>\n<p>Nun m\u00fcssen diese taktischen Folgerungen aber noch im milit\u00e4rischen System verankert werden. Die Raumverteidigung stellt ein milit\u00e4risches Konzept dar, das die gezielte Nutzung milit\u00e4rischer Ressourcen leitet. Dabei ist jedoch nicht nur die Methode selbst von Bedeutung, sondern erstens auch die Definition eines klaren und erreichbaren Ziels, welches die taktischen, operativen und strategischen Bem\u00fchungen leitet. Zweitens werden auch die richtigen Ressourcen in Form von milit\u00e4rischen Kr\u00e4ften ben\u00f6tigt. Der Schlussgedanke, der auf diesem von der Strategie abgeleiteten Ansatz aufbaut, ist, dass eine effektive Umsetzung der Raumverteidigung einer sorgf\u00e4ltigen und systematischen Entscheidungsfindung bedarf\u2013welche in der Ukraine durchgef\u00fchrt wurde. Diese Entscheidungsfindung muss die drei zentralen Elemente\u2014Ziele, Ressourcen und Strategien\u2014sowohl horizontal als auch vertikal miteinander verkn\u00fcpfen. Nur durch diese richtige Abfolge und Integration kann eine erfolgreiche (Raum-)<br \/>\nVerteidigung gew\u00e4hrleistet werden, die auf die (taktischen) Herausforderungen der modernen Sicherheitspolitik angemessen reagiert. Das \u00f6sterreichische Mittel f\u00fcr diese Verankerung und den nachvollziehbaren Einsatz ist das F\u00fchrungsverfahren als Teil des F\u00fchrungssystems.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2777\" aria-describedby=\"caption-attachment-2777\" style=\"width: 1006px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2777 size-full\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2024\/11\/Picture9.png\" alt=\"Das Design des taktischen Erfolges, Grafik durch den Verfasser erstellt.\" width=\"1006\" height=\"481\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2777\" class=\"wp-caption-text\">Das Design des taktischen Erfolges, Grafik durch den Verfasser erstellt.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zum Schluss sei eine kurze Kritik angef\u00fchrt, die die renommierten Mitarbeiter des Royal United Services Institute treffend formulierten. Die Konzentration auf gefechtstechnische, waffentechnische und taktische Probleme und Neuerungen ist bei einer anhaltenden milit\u00e4rwissenschaftlichen Betrachtung unzweckm\u00e4\u00dfig\u2013denn die entscheidenden Faktoren f\u00fcr Sieg oder Niederlage finden sich nicht auf dieser Ebene. W\u00e4re es so, w\u00fcrden entscheidende Tatsachen durch Waffensysteme geschaffen, so w\u00e4re der Krieg, der Konflikt, bereits entschieden. Aus Sicht des Autors bleibt abschlie\u00dfend nur festzuhalten: Erfolg im Gefecht bringt der Verbund, niemals das System. Entscheidend bleibt die Kompensation der jeweiligen Schw\u00e4chen bei einer maximalen Ausnutzung der jeweiligen St\u00e4rken. Somit bleibt es dabei, dass eine Entscheidung durch den Kampf der verbundenen Waffen \u2013 beim umfassenden Kampf\u2013erreicht wird.[70]<\/p>\n<p>Abrundend sei ein Zitat von Clausewitz gestattet, welches genau diese Erkenntnis best\u00e4tigt: \u201e<em>Aber es ist hier mehr als irgendwo n\u00f6tig, mit einem Blick auf das Wesen des Ganzen anzufangen, weil hier mehr als irgendwo mit dem Teile auch zugleich immer das Ganze gedacht werden mu\u00df.<\/em>\u201c[71]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>Hauptmann Johannes Ginth\u00f6r, BA MA, derzeit Hauptlehroffizier Gefechtstechnik an der Theresianischen Milit\u00e4rakademie, Absolvent der 23. Generalstabsausbildung der Landesverteidigungsakademie, Forschungsinteressen Taktik, Operation sowie die Milit\u00e4rwissenschaften allgemein. Bei den in dem Artikel vertretenen Ansichten handelt es sich um die des Autors. Diese m\u00fcssen nicht mit jenen des \u00d6sterreichischen Bundesheeres \u00fcbereinstimmen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>[1] Bundeskanzleramt \u00d6sterreich, \u201eLandesverteidigungsplan,\u201c (Wien, 1985), https:\/\/www.kulv.at\/allgemein\/lv-plan_.pdf, 19.<\/p>\n<p>[2] Andreas Steiger, \u201eDie \u00dcbung \u201aB\u00e4rentatze\u2018 im Jahr 1969: Verlauf und Folgerungen (Teil 1),\u201c <em>\u00d6sterreichische Milit\u00e4rzeitschrift<\/em> 2017, Nr. 5 (2017): 610\u201313.<\/p>\n<p>[3] Ibid., 611\u201313.<\/p>\n<p>[4] Idem.<\/p>\n<p>[5] Idem.<\/p>\n<p>[6] Thomas Lampersberger, \u201eDer Weg zur Raumverteidigung 1: Vom Staatsvertrag zur Spannocchi-Doktrin,\u201c letzte Aktualisierung 03.07.2024, https:\/\/www.truppendienst.com\/themen\/beitraege\/artikel\/der-weg-zur-raumverteidigung-1.<\/p>\n<p>[7] Matthias Wasinger, \u201eVom Wesen und Wert des Milit\u00e4rischen: Interdisziplin\u00e4re Reflexion zum Alleinstellungsmerkmal des Milit\u00e4rischen zwischen Anspruch und Wirklichkeit,\u201c (Dissertation, Universit\u00e4t Wien, 2017), 147.<\/p>\n<p>[8] Ibid., 144.<\/p>\n<p>[9] Carl von Clausewitz, <em>Vom Kriege<\/em>: <em>Vollst\u00e4ndige letzte Fassung von 1832<\/em>, [Vollst\u00e4ndiger Nachdr. der Ausg. von 1832], RaBaKa pocket (Neuenkirchen: RaBaKa-Publ, 2010), 37.<\/p>\n<p>[10] Matthias Wasinger, \u201eVom Wesen und Wert des Milit\u00e4rischen\u201c, 147.<\/p>\n<p>[11] Horst Pleiner, \u201eDie \u00f6sterreichische Raumverteidigung\u201d (Landesverteidigungsakademie, Januar 25, 2023).<\/p>\n<p>[12] Interview mit General in Ruhe Pleiner, nach: Wasinger, \u201eVom Wesen und Wert des Milit\u00e4rischen\u201c.<\/p>\n<p>[13] Andreas Steiger, \u201eDie \u00dcbung ,B\u00e4rentatze\u2018 im Jahr 1969: Verlauf und Folgerungen (Teil 2),\u201c <em>\u00d6sterreichische Milit\u00e4rzeitschrift<\/em> 2017, Nr. 6 (2017): 748\u201350.<\/p>\n<p>[14] Dessen Engagement zur Vertretung \u00d6sterreichs wurde bereits umfassend festgestellt, vgl. dazu:Wasinger, \u201eVom Wesen und Wert des Milit\u00e4rischen\u201c, 154.<\/p>\n<p>[15] Andreas Steiger, \u201eFeuertaufe f\u00fcr die Raumverteidigung \u2013 RV\u00dc79,\u201c letzte Aktualisierung 22.10.2024, https:\/\/www.truppendienst.com\/themen\/beitraege\/artikel\/feuertaufe-fuer-die-raumverteidigung-rvue79\/.<\/p>\n<p>[16] Walter Mayer, \u201eDas neue Konzept,\u201c in <em>Tausend Nadelstiche: Das \u00f6sterreichische Bundesheer in der Reformzeit 1970 &#8211; 1978<\/em>, hrsg. von Manfried Rauchensteiner, Forschungen zur Milit\u00e4rgeschichte 3 (Graz, K\u00f6ln: Verl. Styria, 1994), 107\u201314.<\/p>\n<p>[17] Emil Spannocchi, \u201eVerteidigung ohne Selbstzerst\u00f6rung,\u201c in <em>Verteidigung ohne Schlacht<\/em>, hrsg. von Emil Spannocchi, Guy Brossollet und Carl Friedrich v. Weizs\u00e4cker (M\u00fcnchen: Carl Hanser Verlag, 1976).<\/p>\n<p>[18] Idem.<\/p>\n<p>[19] Ibid., 34.<\/p>\n<p>[20] Idem.<\/p>\n<p>[21] Ibid., 17\u201334.<\/p>\n<p>[22] Matthias Wasinger, \u201eVom Wesen und Wert des Milit\u00e4rischen,\u201c 32.<\/p>\n<p>[23] <em>Neue Z\u00fcrcher Zeitung, \u201e<\/em>Atommacht Schweiz,\u201c 10.08.2008, zuletzt gepr\u00fcft am 25.10.2024, https:\/\/www.nzz.ch\/atommacht_schweiz-ld.504141.<\/p>\n<p>[24] Emil Spannocchi, \u201eVerteidigung ohne Selbstzerst\u00f6rung,\u201c 37.<\/p>\n<p>[25] Ibid., 40.<\/p>\n<p>[26] Ibid., 41\u201354.<\/p>\n<p>[27] J\u00fcrgen Scherl, \u201eDie Arten des Aufstandes\u201c (Lehrveranstaltung 13.1 \u201eGrundlagen stabilisierender Eins\u00e4tze\u201c \u2013<br \/>\n23. Generalstabsausbildung, Landesverteidigungsakademie, Februar 27, 2024).<\/p>\n<p>[28] Emil Spannocchi nach: Mayer, \u201eDas neue Konzept,\u201c 112.<\/p>\n<p>[29] Jetzl nach: Walter Mayer, \u201eDas neue Konzept,\u201c 110.<\/p>\n<p>[30] Walter Mayer, \u201eDas neue Konzept,\u201c 107\u2013111.<\/p>\n<p>[31] Matthias Wasinger, \u201eVom Wesen und Wert des Milit\u00e4rischen,\u201c 146.<\/p>\n<p>[32] Bundeskanzleramt \u00d6sterreich, \u201eLandesverteidigungsplan, 3\u20136.<\/p>\n<p>[33] Friedrich Wiener, <em>Fremde Heere<\/em>: <em>Die Armeen der neutralen und blockfreien Staaten Europas<\/em>, 4. Auflage, Truppendienst Taschenbuch (Wien), 31\u201345.<\/p>\n<p>[34] Anm. d. Verf.: Im \u00f6sterreichischen Konzept der Raumverteidigung wurden bev\u00f6lkerungsreiche R\u00e4ume ab 40 000 Personen ausgespart, vgl.: Andreas Steiger, \u201eGeneral der Panzertruppe Emil Spannocchi und das Raumverteidigungskonzept,\u201c <em>\u00d6sterreichische Milit\u00e4rzeitschrift<\/em>, Nr. 03 (2023): 345.<\/p>\n<p>[35] Friedrich Wiener, <em>Fremde Heere<\/em>, 34.<\/p>\n<p>[36] Ibid., 36.<\/p>\n<p>[37] Truppendienst, \u201eDas entscheidende Gel\u00e4nde der Raumverteidigung 2 | Truppendienst,\u201c letzte Aktualisierung 03.11.2024, https:\/\/www.truppendienst.com\/themen\/beitraege\/artikel\/das-entscheidende-gelaende-der-raumverteidigung-2.<\/p>\n<p>[38] Typoheads GmbH, \u201e7. J\u00e4gerbrigade,\u201c letzte Aktualisierung 25.10.2024, https:\/\/www.bundesheer.at\/unser-heer\/organisation\/verbaende\/7-jaegerbrigade.<\/p>\n<p>[39] Mykhaylo Zabrodskyi et al., \u201ePreliminary Lessons in Conventional Warfighting from Russia&#8217;s Invasion of Ukraine: February\u2013July 2022,\u201c 4f, zuletzt gepr\u00fcft am 22.10.2024, https:\/\/static.rusi.org\/359-SR-Ukraine-Preliminary-Lessons-Feb-July-2022-web-final.pdf.<\/p>\n<p>[40] Deborah Sanders, \u201eUkraine\u2019s third wave of military reform 2016\u20132022 \u2013 building a military able to defend Ukraine against the Russian invasion,\u201c <em>Defense &amp; Security Analysis<\/em> 39, Nr. 3 (2023): 313\u201314, https:\/\/doi.org\/10.1080\/14751798.2023.2201017.<\/p>\n<p>[41] Ibid., 314\u201315.<\/p>\n<p>[42] Ibid., 315\u201316.<\/p>\n<p>[43] Ibid., 316\u201317.<\/p>\n<p>[44] Ibid., 318.<\/p>\n<p>[45] Ibid., 319.<\/p>\n<p>[46] Rob Lee und Michael Kofman, \u201eHow the Battle for the Donbass Shaped Ukraine\u00b4s Success,\u201c (Online, 2022), https:\/\/www.fpri.org\/article\/2022\/12\/how-the-battle-for-the-donbas-shaped-ukraines-success\/.<\/p>\n<p>[47] Deborah Sanders, \u201eUkraine\u2019s third wave of military reform 2016\u20132022 \u2013 building a military able to defend Ukraine against the Russian invasion,\u201c 319\u201321.<\/p>\n<p>[48] Bundeskanzleramt \u00d6sterreich, \u201eLandesverteidigungsplan,\u201c 85.<\/p>\n<p>[49] Philipp Eder, \u201eFallstudie Ukraine im Krieg gegen Russland,\u201c (2024), 10.<\/p>\n<p>[50] Deborah Sanders, \u201eUkraine\u2019s third wave of military reform 2016\u20132022 \u2013 building a military able to defend Ukraine against the Russian invasion,\u201c 312.<\/p>\n<p>[51] Jack Watling und Nick Reynolds, \u201eOperation Z: The Death Throes of an Imperial Delusion,\u201c 2\u20135, zuletzt gepr\u00fcft am 22.10.2024, https:\/\/static.rusi.org\/special-report-202204-operation-z-web.pdf.<\/p>\n<p>[52] Deborah Sanders, \u201eUkraine\u2019s third wave of military reform 2016\u20132022 \u2013 building a military able to defend Ukraine against the Russian invasion,\u201c 316.<\/p>\n<p>[53] Johannes Ginth\u00f6r, \u201eDer russisch-ukrainische Krieg \u2013 Pr\u00fcfstein des westlichen Verst\u00e4ndnisses operativer Prinzipien?,\u201c (Masterthesis, Institut f\u00fcr h\u00f6here milit\u00e4rische F\u00fchrung, Landesverteidigungsakademie, 2024), zuletzt gepr\u00fcft am 23.10.2024, 73\u201376.<\/p>\n<p>[54] Emil Spannocchi, \u201eVerteidigung ohne Selbstzerst\u00f6rung,\u201c 58\u201359.<\/p>\n<p>[55] Deborah Sanders, \u201eUkraine\u2019s third wave of military reform 2016\u20132022 \u2013 building a military able to defend Ukraine against the Russian invasion,\u201c 313.<\/p>\n<p>[56] Rob Lee und Michael Kofman, \u201eHow the Battle for the Donbass Shaped Ukraine\u00b4s Success.\u201d<\/p>\n<p>[57] Carl von Clausewitz, <em>Vom Kriege<\/em>, 35.<\/p>\n<p>[58] Johannes Ginth\u00f6r, \u201eManoeuvre Is Dead \u2013 Long Live The Manoeuvrist Approach!,\u201c <em>TDHJ.org<\/em>, 27.06.2024, zuletzt gepr\u00fcft am 23.10.2024, https:\/\/tdhj.org\/blog\/post\/manoeuvre-manoeuvrist-approach\/.<\/p>\n<p>[59] The Institute for the Study of War, \u201eRussian Offensive Campaign Assessment,\u201c letzte Aktualisierung 26.03.2022, https:\/\/understandingwar.org\/backgrounder\/russian-offensive-campaign-assessment-march-26.<\/p>\n<p>[60] Walter Mayer, \u201eDas neue Konzept,\u201c 115\u201317.<\/p>\n<p>[61] Philipp Eder, \u201eFallstudie Ukraine im Krieg gegen Russland,\u201d 20.<\/p>\n<p>[62] Jack Watling, Oleksandr V. Danylyuk, und Nick Reynolds, \u201ePreliminary Lessons from Ukraine\u2019s Offensive Operations, 2022\u201323,\u201c (Online, 2024), https:\/\/www.rusi.org\/explore-our-research\/publications\/special-resources\/preliminary-lessons-ukraines-offensive-operations-2022-23, 2.<\/p>\n<p>[63] Watling, Danylyuk und Reynolds, \u201ePreliminary Lessons from Ukraine\u2019s Offensive Operations, 2022\u201323,\u201d 2.<\/p>\n<p>[64] Spannocchi, Brossollet und Weizs\u00e4cker, <em>Verteidigung ohne Schlacht<\/em>, 12\u201313.<\/p>\n<p>[65] J\u00f6rg Aschenbrenner, Lieselotte Aschenbrenner und Cornelia Bauer, <em>Der \u00f6sterreichische Donauraum<\/em>: <em>Eine operative Schl\u00fcsselzone Mitteleuropas, <\/em>Truppendienst-Handbuch (Wien: Bundesministerium f\u00fcr Landesverteidigung; AMEDIA GmbH, 2020), 484.<\/p>\n<p>[66] <em>Reuters Media, \u201e<\/em>Explainer: Bakhmut: Why Russia and Ukraine are battling so hard for one small city,\u201c 06.04.2023, zuletzt gepr\u00fcft am 23.10.2024, https:\/\/www.reuters.com\/world\/europe\/bakhmut-why-russia-ukraine-are-battling-so-hard-one-small-city-2023-03-14\/.<\/p>\n<p>[67] S\u00e9bastian Seibt, \u201eThe Dnipro River, a new key front line for Ukraine\u2019s counteroffensive against Russia,\u201c <em>FRANCE 24<\/em>, 24.11.2023, zuletzt gepr\u00fcft am 23.10.2024, https:\/\/www.france24.com\/en\/europe\/20231124-the-dnipro-river-a-new-key-front-line-for-ukraine-s-counteroffensive-on-russia.<\/p>\n<p>[68] Johannes Ginth\u00f6r, \u201eDer russisch-ukrainische Krieg \u2013 Pr\u00fcfstein des westlichen Verst\u00e4ndnisses operativer Prinzipien?,\u201c<br \/>\n81\u201384.<\/p>\n<p>[69] Bundesministerium f\u00fcr Landesverteidigung, \u201eTaktisches F\u00fchrungsverfahren: Dienstvorschrift f\u00fcr das Bundesheer,\u201c (Wien, 2012), 35\u201393.<\/p>\n<p>[70] Oleksandr V. Danylyuk, und Nick Reynolds, \u201ePreliminary Lessons from Ukraine\u2019s Offensive Operations, 2022\u201323,\u201d 4.<\/p>\n<p>[71] Carl von Clausewitz, <em>Vom Kriege<\/em>, 24.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abstract: Die ukrainische Abwehr ab dem 24. Februar 2022 l\u00e4sst sich anhand einer historischen Analogie mit dem milit\u00e4rischen Konzept der Raumverteidigung in \u00d6sterreich ab etwa 1970 analysieren. Dabei zeigen sich zahlreiche Gemeinsamkeiten, die zu taktischen Folgerungen f\u00fchren k\u00f6nnen. 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