{"id":2816,"date":"2025-04-24T07:00:21","date_gmt":"2025-04-24T06:00:21","guid":{"rendered":"https:\/\/tdhj.org\/de\/?p=2816"},"modified":"2025-10-30T19:47:57","modified_gmt":"2025-10-30T18:47:57","slug":"tuerkei-religion-militaer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tdhj.org\/de\/post\/tuerkei-religion-militaer\/","title":{"rendered":"Die T\u00fcrkei im Spannungsfeld zwischen Religion und Milit\u00e4r"},"content":{"rendered":"<p><strong><u>Abstrakt:<\/u><\/strong> Religion und Milit\u00e4r in der T\u00fcrkei, wie auch fr\u00fcher im Osmanischen Reich, werden als strukturbildende Gr\u00f6\u00dfen f\u00fcr die gesellschaftliche Entwicklung erkannt. Diese wurden im Kemalismus neu ausgeformt und begr\u00fcndeten dann die Geschichte der modernen T\u00fcrkei, bis sie durch Recep Tayyip Erdo\u011fan erneut ausgeformt wurden und dadurch einen gro\u00dfen Einfluss auf die internationale geostrategische Lage aus\u00fcben.<\/p>\n<p><strong><u>Problemstellung:<\/u><\/strong> Wie ist die aktuelle innen- und au\u00dfenpolitische Lage der T\u00fcrkei zu verstehen und geschichtlich herzuleiten?<\/p>\n<p><strong><u>Was nun?:<\/u><\/strong> Der \u00dcberblick \u00fcber die politische Lage in der T\u00fcrkei kann bei einer Zusammenarbeit mit ihr durchaus von Nutzen sein. Hier ist es zun\u00e4chst erforderlich, die aktuelle Situation auch vom historischen Standpunkt aus zu verstehen. Die aktuelle Situation in der T\u00fcrkei ist aber auch gepr\u00e4gt von diversen Konflikten. Auch hierf\u00fcr soll das Verst\u00e4ndnis gesch\u00e4rft werden, um ganzheitliche Betrachtungen zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2823\" aria-describedby=\"caption-attachment-2823\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2823\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2025\/01\/shutterstock_2526929755.jpg\" alt=\"Source: shutterstock.com\/Spiffy Digital Creative\" width=\"500\" height=\"289\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2823\" class=\"wp-caption-text\">Source: shutterstock.com\/Spiffy Digital Creative<\/figcaption><\/figure>\n<h1><strong>Geschichtliche Entwicklung der T\u00fcrkei<\/strong><\/h1>\n<h2><em><u>Religion<\/u><\/em><\/h2>\n<p>Seit jeher war das Osmanische Reich, der Vorl\u00e4ufer der heutigen T\u00fcrkei, dem Islam zugewandt. Seine Herrscher haben sich als Sultane bezeichnet, also als weltliche und religi\u00f6se Herrscher. Ab 1517 hatten sie sogar das Kalifenamt inne, waren also formell Herrscher \u00fcber die <em>umma<\/em>, der Gemeinschaft aller Muslime auf der Erde.[1] Diese Verkn\u00fcpfung von weltlicher und religi\u00f6ser Herrschaft ist typisch f\u00fcr den islamischen Kulturkreis und einer der Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr Kritik, die dem Islam von Seiten des Westens[2] entgegengebracht wird. Diese Verkn\u00fcpfung wird zun\u00e4chst durch diverse Phasen der \u201eVerwestlichung\u201c abgeschw\u00e4cht, verst\u00e4rkt sich aber seit 2016 wieder.<\/p>\n<p>Die Hinwendung zu westlichen Einfl\u00fcssen begann bereits 1789, als Sultan Selim III. ein Modernisierungsprogramm in Kraft setzte und europ\u00e4ische Berater ins Land holte. Dies sollte 50 Jahre sp\u00e4ter Fr\u00fcchte tragen, als Sultan Mahmut II. das Tanzimat (Reorganisation) ausrief.[3] Er hatte gro\u00dfes Interesse an wirtschaftlichen Beziehungen zu den westlichen Staaten und f\u00fchrte einige grunds\u00e4tzliche Reformen durch, die sich unter anderem auf die Religion auswirkten:<\/p>\n<ul>\n<li>Es wurden Grundrechte eingef\u00fchrt: das Recht auf Leben, Ehre und Eigentum;<\/li>\n<li>Muslime und Nichtmuslime wurden strafrechtlich gleichgestellt;<\/li>\n<li>Die Todesstrafe f\u00fcr den Abfall vom Islam wurde abgeschafft;<\/li>\n<li>Ausl\u00e4nder durften Land erwerben;<\/li>\n<li>Das Lehenssystem wurde endg\u00fcltig abgeschafft.<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p>Die Hinwendung zu westlichen Einfl\u00fcssen begann bereits 1789, als Sultan Selim III. ein Modernisierungsprogramm in Kraft setzte und europ\u00e4ische Berater ins Land holte.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Diese Reorganisation stellte eine enorme \u201eVerwestlichung\u201c dar. Allerdings wurde der Westen nicht einfach nachgeahmt. Vielmehr sollten westliche Verfahren und westliche Technologie assimiliert und der islamischen Kultur beigeordnet werden. Damit setzten zwei Prozesse ein. (1) Die neuen, westlich orientierten Eliten gewannen Einfluss zu Lasten der alten religi\u00f6sen Eliten, der <em>ulema<\/em>. (2) Die Religion wurde zum ersten Mal Objekt politischer Disposition.<\/p>\n<p>Das Tanzimat hatte nat\u00fcrlich auch Auswirkungen auf das Denken der Bev\u00f6lkerung. Man erkannte die Vorteile des westlichen Denkens und eiferte ihm nach. Gleichzeitig war man stolz, die westlichen Verfahren und Technologien so passend und n\u00fctzlich \u00fcbernommen zu haben, dass der Fortschritt unmittelbar erkennbar war. An dieser dialektischen Spannung arbeitet sich die T\u00fcrkei heute noch ab. F\u00fcr eine Zusammenarbeit mit der T\u00fcrkei ist das Verst\u00e4ndnis dieser Dinge grundlegend.<\/p>\n<h2><em><u>Milit\u00e4r<\/u><\/em><\/h2>\n<p>Die Janitscharen, eine milit\u00e4rische Eliteeinheit des Osmanischen Reiches, wurden im 14. Jahrhundert gegr\u00fcndet. Zur Rekrutierung wurde die Praxis des <em>Dev\u015firme<\/em> angewandt. Die Kinder christlicher Eltern wurden ausgew\u00e4hlt, zu Muslimen erzogen und milit\u00e4risch trainiert.[4] Nach ihrer aktiven Milit\u00e4rzeit konnten die Janitscharen in wichtige Regierungs- und Verwaltungs\u00e4mter aufsteigen. Obschon ihre Stellung nicht vererbbar war, entwickelte das Janitscharen-Korps ein gewisses Machtbewusstsein und intervenierte auch politisch.<\/p>\n<p>Der erste, der mit den Janitscharen aneinandergeriet, war der junge Sultan Mehmet II., der 1444 das Amt von seinem Vater Murad II. \u00fcbernommen hatte. Die Janitscharen wollten eine Solderh\u00f6hung durchsetzen und traten in den Aufstand. Sie waren erfolgreich und stie\u00dfen Mehmet vom Thron, sein Vater Murad musste wieder \u00fcbernehmen. Nach Murads Tod im Jahre 1451 \u00fcbernahm Mehmet erneut den Thron, diesmal f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit.[5]<\/p>\n<p>Anhand dieser Episode erkennt man ein Motiv, das noch heute pr\u00e4sent ist. Das Milit\u00e4r putscht, in der Regel erfolgreich, um sich dann wieder in den Staat einzuordnen. Es gab jedoch zwei Staatsoberh\u00e4upter, die sich gegen das Milit\u00e4r durchsetzen konnten: Sultan Mahmut II. und Recep Tayyip Erdo\u011fan.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Das Milit\u00e4r putscht, in der Regel erfolgreich, um sich dann wieder in den Staat einzuordnen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Interessanterweise kommen wir auf die Reformbem\u00fchungen von Selim III. und Mahmut II. zur\u00fcck. Selim versuchte bereits Ende des 18. Jahrhunderts den \u201ewestlichen\u201c Soldaten zu schaffen, der moderne Waffen benutzt, die Methoden der Kriegsf\u00fchrung kennt, mehrsprachig ist und sich in den Wissenschaften leidlich auskennt.[6] In dieser <em>brave new world<\/em> hatten die Janitscharen keinen Platz mehr. Selim hatte es aber nicht geschafft, das Janitscharen-System aufzubrechen; allerdings gelang es ihm, eine Parallelarmee nach seinen Vorstellungen aufzubauen. Es entwickelte sich Neid und Ablehnung zwischen beiden Armeen, ein Zustand, den erst Mahmut II. im Jahre 1826 durch ein Massaker an den f\u00fchrenden Janitscharen beendete. Damit begann eine 200-j\u00e4hrige Phase, in der das Milit\u00e4r die treibende Kraft der Modernisierung und Verwestlichung des Osmanischen Reiches beziehungsweise der T\u00fcrkei war. Hierbei spielten auch die Milit\u00e4rakademien eine wesentliche Rolle und entwickelten sich zu intellektuellen Zentren.<\/p>\n<h2><em><u>Kemalismus<\/u><\/em><\/h2>\n<p>Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte das Osmanische Reich\u00a0 an der Seite der Mittelm\u00e4chte.\u00a0 Da der Krieg verloren ging, musste es gro\u00dfe Gebiete abgeben und, besonders schmerzlich, die Kontrolle \u00fcber die Meerenge Bosporus wurde ihm aberkannt. Nachdem die Briten im M\u00e4rz 1920 das letzte osmanische Parlament aufgel\u00f6st hatten, trat in Ankara zum ersten Mal die gro\u00dfe Nationalversammlung unter Vorsitz von Mustafa Kemal zusammen. Es wurde eine milit\u00e4rische Widerstandsbewegung gegen die Siegerm\u00e4chte organisiert, ebenfalls unter der F\u00fchrung von Mustafa Kemal. Kemal verblieb siegreich, was dem Milit\u00e4r in der Bev\u00f6lkerung zu gro\u00dfem Ansehen verhalf. Im Frieden von Lausanne im Jahr 1923 wurden die heutigen Grenzen festgelegt.[7]<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Ziel war Religion und Staatlichkeit in einer Staatsordnung neu zu verschmelzen. Zun\u00e4chst wurde das Sultanat abgeschafft, etwas sp\u00e4ter auch das Kalifat. Dieser Zeitpunkt gilt als das offizielle Ende des Osmanischen Reiches. Im Jahr 1923 wurde mit Griechenland ein Bev\u00f6lkerungsaustausch vereinbart. Christen sollten nach Griechenland umgesiedelt werden, Muslime in die T\u00fcrkei. Diese Ma\u00dfnahme hatte zum Ziel, in beiden L\u00e4ndern eine religi\u00f6s homogene Bev\u00f6lkerung zu etablieren.[8] Unter diesen Vorzeichen wurde am 29.10.1923 die Republik T\u00fcrkei ausgerufen und Kemal wurde von der Nationalversammlung zum Staatspr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt. Die Muslime besa\u00dfen in der Bev\u00f6lkerung des\u00a0 neuen Staates die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit. Man k\u00f6nnte nun meinen, dass eine theokratische Herrschaftsform angestrebt wurde, \u00e4hnlich der, die wir heute im Iran vorfinden. Es ist aber das Gegenteil der Fall, Laizismus wurde zum Staatsziel erkl\u00e4rt.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Im Jahr 1923 wurde mit Griechenland ein Bev\u00f6lkerungsaustausch vereinbart. Christen sollten nach Griechenland umgesiedelt werden, Muslime in die T\u00fcrkei.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Dazu sollte die Religion aus dem \u00f6ffentlichen Raum zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden und eine Privatangelegenheit eines jeden Individuums werden.[9] Allerdings sollte sie einer staatlichen Kontrolle unterliegen. Die <em>umma<\/em>, die internationale Gemeinschaft der Gl\u00e4ubigen, wurde durch die <em>T\u00fcrk Ulusu<\/em> ersetzt, also einer ausschlie\u00dflich t\u00fcrkischen Gemeinschaft der Gl\u00e4ubigen. Hierdurch wurde eine Beeinflussung und Radikalisierung der t\u00fcrkischen Gl\u00e4ubigen durch ausl\u00e4ndische religi\u00f6se Kr\u00e4fte verhindert. Damit war die nationale Zugeh\u00f6rigkeit religi\u00f6s definiert. Als Folge des Laizismus verlor der Islam seinen Rang als Staatsreligion und das Parlament wurde von der Verpflichtung befreit, Gesetze auf die Vertr\u00e4glichkeit mit dem Koran zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Kemal bekannte sich zur Demokratie, jedoch hat er sie aber in der Zeit seines Lebens nicht umgesetzt. Dagegen sprach der niedrige Alphabetisierungsgrad der Bev\u00f6lkerung und die Unsicherheit in Bezug auf m\u00f6gliche Reaktionen der Religi\u00f6sen. Schlie\u00dflich plante Kemal weitere durchgreifende Reformen, die gro\u00dfe Auswirkungen auf die zivilisatorische Umh\u00fcllung der T\u00fcrkei haben sollten. Daher kam es zun\u00e4chst zu einem Einparteienstaat, die CHP (Cumhuriyet Halk Partisi, Republikanische Volkspartei) dominierte die Nationalversammlung. Es fanden zwar regelm\u00e4\u00dfig Wahlen statt, wobei aber nur die CHP zur Wahl stand.<\/p>\n<p>Die Demokratie wurde erst durch Kemals Nachfolger und Freund Ismet In\u00f6n\u00fc, ebenfalls CHP, umgesetzt. Es ist daher anzunehmen, dass es Kemal durchaus Ernst war mit der Demokratie. Dieser Problemkomplex begr\u00fcndete aber die Einstellung des Milit\u00e4rs, dass man die Demokratie au\u00dfer Kraft setzen kann, wenn es die Lage erfordert.<\/p>\n<p>Die CHP wollte die Menschen zu aufgekl\u00e4rten, rationalen und s\u00e4kularen Individuen erziehen. Ihre ideologischen Grundprinzipien beruhen auf sechs Pfeilern,[10] die schlie\u00dflich Verfassungsrang erlangten. Im Parteilogo werden diese Pfeiler durch sechs Pfeile dargestellt. Die CHP bildet heute im t\u00fcrkischen Parlament die Opposition gegen Erdo\u011fans AKP.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Die CHP wollte die Menschen zu aufgekl\u00e4rten, rationalen und s\u00e4kularen Individuen erziehen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<figure id=\"attachment_2822\" aria-describedby=\"caption-attachment-2822\" style=\"width: 301px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2822\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2025\/01\/Picture1-1.png\" alt=\"Das Logo der CHP mit den sechs Pfeile(r)n des Kemalismus; Quelle: Wikipedia.\" width=\"301\" height=\"348\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2822\" class=\"wp-caption-text\">Das Logo der CHP mit den sechs Pfeile(r)n des Kemalismus; Quelle: Wikipedia.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der (1) <u>Republikanismus<\/u> ist die Staatsform der T\u00fcrkei, im Gegensatz zur Monarchie. Dies ist mit einer Einparteienherrschaft nat\u00fcrlich nur schwer zu vereinbaren. Offensichtlich teilte die gesamte Partei Kemals Ansichten, dass eine Demokratie erstrebenswert, aber momentan leider nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Das Prinzip des (2) <u>Nationalismus<\/u> beschreibt die nationalistische Ordnung der CHP. Der t\u00fcrkische Nationalismus entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts. Er begann als eine Art Pan-T\u00fcrkismus, also den Wunsch, alle Turkv\u00f6lker in einem Staat zu vereinigen und konfligierte dadurch mit dem russischen Pan-Slavismus. Da Russland auch als Schutzmacht der Armenier auftrat, entstand dadurch der t\u00fcrkisch-armenische Konflikt.<\/p>\n<p>Der (3) Populismus bezieht sich zun\u00e4chst auf die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, \u00fcberdeckt sich also etwas mit dem Prinzip des Republikanismus. Gleichwohl lehnt der Populismus jegliche Klassenunterschiede, kulturelle Unterschiede und ethnische Unterschiede ab. Der Kurdenkonflikt basiert auf einer extremen Auspr\u00e4gung dieses Populismus. Kurdische Kleidung, kurdische Sprache und vor allem kurdische Forderungen werden unter einem extremen Populismus-Regime nat\u00fcrlich abgelehnt. Im deutschsprachigen Raum w\u00fcrde man unter dem Begriff des Populismus etwas anderes verstehen, hier ist in der Kommunikation Vorsicht angebracht.<\/p>\n<p>Das Prinzip des (4) <u>Etatismus<\/u> weist dem Staat eine aktive Rolle in der Wirtschaftsentwicklung zu, nicht nur regulierend, sondern als teilnehmendes Wirtschaftssubjekt. Eine feindliche Haltung gegen\u00fcber der Privatwirtschaft ist damit nicht gemeint. Es geht eher um Staatsinvestitionen und Wirtschaftsf\u00f6rderung. Die Erfolge des Etatismus hielten sich allerdings in Grenzen, ein t\u00fcrkisches Wirtschaftswunder blieb aus.<\/p>\n<p>Der (5) <u>Revolutionarismus<\/u> sollte die Kontinuit\u00e4t der kemalistischen Ideen festschreiben, schlie\u00dflich waren noch einige Reformen geplant, die schlie\u00dflich zur Kemalistischen Kulturrevolution f\u00fchrten.<\/p>\n<p>Ebenso geh\u00f6rt der (6) <u>Laizismus<\/u> zu den sechs Pfeile(r)n des Kemalismus.<\/p>\n<p>In der Kemalistischen Kulturrevolution wurden durchgreifende Reformen erlassen, die explizit zum Ziel hatten, einen zivilisatorischen Neuanfang zu bewirken.[11] So wurde die traditionelle Kopfbedeckung der M\u00e4nner, der Fes, verboten. Die Leute wurden nun aufgefordert, westliche H\u00fcte zu tragen. Es wurde der gregorianische Kalender eingef\u00fchrt und es kam zur Buchstabenreform mit der Einf\u00fchrung der lateinischen Schrift. Die B\u00fcrger wurden verpflichtet, einen Nachnamen anzunehmen. Im Zuge dieser Reform wurde Mustafa Kemal der Name Atat\u00fcrk vom t\u00fcrkischen Parlament verliehen.<\/p>\n<blockquote>\n<p>In der Kemalistischen Kulturrevolution wurden durchgreifende Reformen erlassen, die explizit zum Ziel hatten, einen zivilisatorischen Neuanfang zu bewirken.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Des Weiteren erlie\u00df die Nationalversammlung ein Gesetz, dass die Trennung von Milit\u00e4r und Politik bestimmte. In Folge legte Kemal alle seine milit\u00e4rischen \u00c4mter nieder und erschien nur noch in ziviler westlicher Kleidung. Dies war nicht gegen das Milit\u00e4r gerichtet, ganz im Gegenteil. Das Milit\u00e4r gewann dadurch Unabh\u00e4ngigkeit vom Staat und der Gesellschaft. Kemal Atat\u00fcrk starb am 10.11.1938. Sein Nachfolger wurde Ismet In\u00f6n\u00fc.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2821\" aria-describedby=\"caption-attachment-2821\" style=\"width: 702px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2821 size-full\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2025\/01\/Picture2-1.png\" alt=\"Kemal Atat\u00fcrk und Ismet In\u00f6n\u00fc; Quelle: Wikipedia.\" width=\"702\" height=\"448\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2821\" class=\"wp-caption-text\">Kemal Atat\u00fcrk und Ismet In\u00f6n\u00fc; Quelle: Wikipedia.<\/figcaption><\/figure>\n<h1><strong>Entwicklung bis 2002<\/strong><\/h1>\n<p>Die T\u00fcrkei hat den Zweiten Weltkrieg ohne Schaden \u00fcberstanden. Trotz Beistandspakt mit Frankreich und Gro\u00dfbritannien hat sie sich nicht zu Kampfhandlungen gegen das Deutsche Reich hinrei\u00dfen lassen. Im Gegenteil, 1941 wurde sogar ein Freundschaftsvertrag mit dem Deutschen Reich geschlossen. Dem folgte dann im Februar 1945 allerdings die Kriegserkl\u00e4rung, als absehbar war, dass das Deutsche Reich den Krieg verlieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Der folgende Kalte Krieg machte jedoch nicht vor den t\u00fcrkischen Grenzen halt. Aus Furcht vor der Sowjetunion, eine Sp\u00e4tfolge des Nationalismus, kam es zur Zusammenarbeit mit den USA. Aufgrund der strategisch g\u00fcnstigen Lage der T\u00fcrkei, weit im S\u00fcdosten Europas, aber auch aufgrund ihrer nachgewiesenen Einsatzbereitschaft im Koreakrieg, wurde die T\u00fcrkei 1952 in die NATO aufgenommen.[12] Ein gro\u00dfartiger Erfolg, der das Ansehen des Milit\u00e4rs in der Bev\u00f6lkerung extrem gesteigert hat.<\/p>\n<p>Im Jahr 1950 lie\u00df die CHP erstmals demokratische Wahlen zu. Man hatte einigen Abweichlern erlaubt, eine Partei zu gr\u00fcnden, die DP (Demokrat Parti, Demokratische Partei). 1946 konnte die CHP noch gewinnen, da sie einen extrem fr\u00fchen Wahltermin setzte, der der DP keine Chance einr\u00e4umte. 1950 jedoch hatten die W\u00e4hler wirklich eine freie Wahl zwischen der CHP und der DP. Die DP gewann haushoch und Adnan Menderes wurde Ministerpr\u00e4sident.[13] Dieser Vorgang wird allgemein als Beweis angesehen, dass es den Kemalisten wirklich ernst war mit der Demokratie.<\/p>\n<p>Aktionen des Milit\u00e4rs, die teilweise verbrecherisch waren, wechseln sich ab mit Gegenreaktionen aus der Gesellschaft. Diese sind religi\u00f6s oder politisch motiviert und sind damit urs\u00e4chlich f\u00fcr den n\u00e4chsten Putsch. Der letzte Putsch geschah 2016. Es wird keinen weiteren mehr geben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2820\" aria-describedby=\"caption-attachment-2820\" style=\"width: 603px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2820\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2025\/01\/Picture3-1.png\" alt=\"Tabellarische Darstellungen der Putsche in der T\u00fcrkei; Quelle: Autor.\" width=\"603\" height=\"648\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2820\" class=\"wp-caption-text\">Tabellarische Darstellungen der Putsche in der T\u00fcrkei; Quelle: Autor.<\/figcaption><\/figure>\n<h2><em><u>Der Putsch von 1960<\/u><\/em><\/h2>\n<p>Im Jahr 1960 wurden Stimmen in der DP laut, den Islam als Staatsreligion wieder einzuf\u00fchren. Das war ein Versto\u00df gegen das kemalistische Prinzip des Laizismus und das Milit\u00e4r putschte.[14] Verschiedene Regierungsmitglieder wurden angeklagt, schlie\u00dflich wurden drei von ihnen hingerichtet, darunter Ministerpr\u00e4sident Menderes. Die DP wurde verboten.<\/p>\n<p>Unbeschadet dieser Mordtaten nahmen auch die milit\u00e4rische F\u00fchrung das kemalistische Prinzip des Republikanismus sehr ernst. Sie erlie\u00dfen eine recht liberale Verfassung, die jedoch die Unabh\u00e4ngigkeit des Milit\u00e4rs weiter st\u00fctzte. Im Jahr 1961 kam es dann wieder zu freien Wahlen. Dieses Motiv wird sich noch mehrmals wiederholen. Nach schwerwiegenden Verbrechen kehrt das Milit\u00e4r wieder zu Liberalismus und Demokratie zur\u00fcck. Es sind diese abrupten Wechsel, die den westlichen Beobachter verwirrt zur\u00fccklassen.<\/p>\n<h2><em><u>Der \u201eBriefputsch\u201c von 1971<\/u><\/em><\/h2>\n<p>Die 60er-Jahre waren eine Zeit der Wirtschaftsliberalisierung, aber auch die Zeit, in der die Linke sich langsam formierte.[15] Die Konservativen wurden durch die Wirtschaftsliberalisierung gest\u00e4rkt und sammelten sich in der CHP und der AP (Adalet Partisi, Gerechtigkeitspartei), der Nachfolgerin der DP. Die linke Opposition in der TIP (T\u00fcrkiye I\u015f\u00e7i Partisi, T\u00fcrkische Arbeiterpartei) radikalisierte sich. Es kam zu Stra\u00dfenk\u00e4mpfen, bei denen auch Menschen ums Leben kamen. Ob diese Radikalisierung dem Zeitgeist geschuldet war oder dem Benehmen des Milit\u00e4rs 10 Jahre zuvor, muss dahingestellt werden. Jedenfalls schickte die Milit\u00e4rf\u00fchrung am 12.03.1971 einen Brief an Ministerpr\u00e4sident Demirel (AP), in dem er aufgefordert wurde, f\u00fcr Ruhe und Ordnung zu sorgen. Daraufhin trat Demirel zur\u00fcck, im Angesicht der Tatsache, dass er dazu nicht in der Lage war und bef\u00fcrchten musste, wie zuvor Ministerpr\u00e4sident Menderes, hingerichtet zu werden.<\/p>\n<p>Das Milit\u00e4r setzte mit Hilfe einiger CHP-Politiker eine \u201eExpertenregierung\u201c ein.[16] Zusammen mit dem Milit\u00e4r wurde eine neue Verfassung verabschiedet, die einige zivile Freiheiten wieder zur\u00fccknahm. Der juristische Schlag gegen die religi\u00f6se Rechte und die politische Linke schloss sich unmittelbar an. Religi\u00f6se Parteien wurden wegen Unvereinbarkeit mit dem Laizismus verboten, die TIP wegen kommunistischer Umtriebe und ihrer prokurdischen Haltung.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Das Milit\u00e4r setzte mit Hilfe einiger CHP-Politiker eine \u201eExpertenregierung\u201c ein.<\/p>\n<\/blockquote>\n<figure id=\"attachment_2819\" aria-describedby=\"caption-attachment-2819\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2819\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2025\/01\/Picture4-1.png\" alt=\"S\u00fcleyman Demirel, Turgut \u00d6zal und Tansu \u00c7iller; Quelle: Wikipedia.\" width=\"700\" height=\"301\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2819\" class=\"wp-caption-text\">S\u00fcleyman Demirel, Turgut \u00d6zal und Tansu \u00c7iller; Quelle: Wikipedia.<\/figcaption><\/figure>\n<h2><em><u>Der Putsch von 1980<\/u><\/em><\/h2>\n<p>In den 70er-Jahren radikalisierte sich die Linke zunehmend, so dass 1980 wieder ein Putsch \u201eerforderlich\u201c wurde. Ziel des Milit\u00e4rs war die Ausschaltung aller linken und sozialistischen Ideologien, aber auch die Einf\u00fchrung einer neoliberalen Marktwirtschaft und der Abbau von Subventionen. Zur Durchf\u00fchrung der Wirtschaftsreformen beauftragten die Milit\u00e4rs Turgut \u00d6zal, einen Experten von der Weltbank und verschafften ihm einen Posten in der Milit\u00e4rregierung.[17] Das ist bemerkenswert, stellt doch der Abbau von Subventionen einen Versto\u00df gegen das kemalistische Prinzip des Etatismus dar.<\/p>\n<p>Im Kampf gegen Links-, Rechts- und religi\u00f6se Abweichung ging das Milit\u00e4r mit \u00e4u\u00dferster Brutalit\u00e4t vor, es kam zu Folterungen und Hinrichtungen.[18], [19], [20] \u00dcber 100.000 Menschen wurden inhaftiert, von denen sicherlich nicht jeder ein staatsgef\u00e4hrdender Umst\u00fcrzler war.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Im Kampf gegen Links-, Rechts- und religi\u00f6se Abweichung ging das Milit\u00e4r mit \u00e4u\u00dferster Brutalit\u00e4t vor, es kam zu Folterungen und Hinrichtungen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Im Jahr 1983 kam es zu Neuwahlen, die ordnungsgem\u00e4\u00df verliefen, abgesehen davon, dass die Auswahl der Kandidaten durch das Milit\u00e4r erfolgte. Zugelassen war auch Turgut \u00d6zals Partei, die ANAP (Anavatan Partisi, Mutterlandspartei), die vom Milit\u00e4r als schwach angesehen wurde, was sich jedoch nicht bewahrheitet hat. Anstelle von 5% bekam sie 45% der Stimmen. Aufgrund des t\u00fcrkischen Verh\u00e4ltniswahlrechts erhielt sie die Mehrheit der Parlamentssitze und Turgut \u00d6zal wurde Ministerpr\u00e4sident. Seine Erfolge waren beachtlich, in den 80er-Jahren erlebte die T\u00fcrkei einen bemerkenswerten Wirtschaftsaufschwung.[21]<\/p>\n<p>Im April 1993 starb Turgut \u00d6zal, inzwischen Staatspr\u00e4sident, an einem Herzinfarkt. Demirel, der zu diesem Zeitpunkt wieder das Amt des Ministerpr\u00e4sidenten bekleidete, r\u00fcckte nach. Als Ministerpr\u00e4sidentin folgte ihm Tansu \u00c7iller. Sie konnte sich nicht lange halten. 1996 kam die RP (Refah Partisi, Wohlfahrtspartei), eine religi\u00f6se Partei, an die Macht.<\/p>\n<h2><em><u>Der Putsch von 1997<\/u><\/em><\/h2>\n<p>Am 31.01.1997 wurde in der t\u00fcrkischen Stadt Sincan ein Schauspiel gegeben, die \u201eBefreiung Jerusalems\u201c; gemeint war die Eroberung Jerusalems durch Hamas und Hisbollah. Der iranische Botschafter war als Ehrengast anwesend und konnte die k\u00fcnstlerischen Darbietungen durch Hetzreden gegen Israel und den t\u00fcrkischen Laizismus unterf\u00fcttern. Am n\u00e4chsten Tag stand die Armee in Sincan und verhaftete den B\u00fcrgermeister, der das Schauspiel zu verantworten hatte.[22]<\/p>\n<blockquote>\n<p>Am 31.01.1997 wurde in der t\u00fcrkischen Stadt Sincan ein Schauspiel gegeben, die \u201eBefreiung Jerusalems\u201c; gemeint war die Eroberung Jerusalems durch Hamas und Hisbollah.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Der Regierung wurden vom Milit\u00e4r 18 \u201eRatschl\u00e4ge\u201c unterbreitet, die aber von Ministerpr\u00e4sident Erbakan (RP) abgelehnt wurden. Daraufhin leitete das Milit\u00e4r mit Hilfe der Justiz eine anti-islamische S\u00e4uberungsaktion ein. Die prominentesten Opfer dieser S\u00e4uberungsaktion waren:<\/p>\n<ul>\n<li>Ministerpr\u00e4sident Necmettin Erbakan. Er wurde abgesetzt und bekam ein 5-j\u00e4hriges Politikverbot. Seine Partei, die RP, wurde verboten;<\/li>\n<li>Fethullah G\u00fclen, ein Polit-Unternehmer, dem man vorwarf, er wolle in der T\u00fcrkei einen islamistischen Staat errichten. G\u00fclen konnte sich in die USA retten;<\/li>\n<li>Recep Tayyip Erdo\u011fan, der B\u00fcrgermeister von Istanbul. Ihm wurde folgendes Zitat zur Last gelegt, ein Auszug aus einem Gedicht von Ziya G\u00f6kalp: \u201eDie Minarette sind unsere Bajonette, die Kuppeln sind unsere Helme, die Moscheen sind unsere Kasernen.\u201c[23] Erdo\u011fan wurde zu 10 Monaten Haft verurteilt mit anschlie\u00dfendem Politikverbot. Er musste aber nach 4 Monaten entlassen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei den Wahlen von 1999 konnten die religi\u00f6sen Parteien keine Erfolge erzielen, sie werden die politische B\u00fchne aber drei Jahre sp\u00e4ter wieder betreten.<\/p>\n<h1><strong>Entwicklung von 2002 bis 2013<\/strong><\/h1>\n<p>Das Jahr 2002 ist mit Bedacht gew\u00e4hlt, hier beginnt die Zeit des Recep Tayyip Erdo\u011fan. Seine Regierungszeit, sei es als Ministerpr\u00e4sident oder Staatspr\u00e4sident, kann in zwei Phasen aufgeteilt werden. Von 2002 bis ungef\u00e4hr 2013 betrieb Erdo\u011fan eine sehr europafreundliche Politik. Ungef\u00e4hr ab 2013 schlug dies ins Gegenteil um.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2818\" aria-describedby=\"caption-attachment-2818\" style=\"width: 578px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2818\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2025\/01\/Picture5.png\" alt=\"Die Parlamentswahlen von 2002 und 2023 im Vergleich. 2002 erreicht die AKP aus dem Stand 34,3%, hat aber durch das Verh\u00e4ltniswahlrecht die absolute Mehrheit der Sitze. 2023 reicht es nicht mehr f\u00fcr die absolute Mehrheit, die AKP geht aktuell mit der MHP zusammen; Quelle: Eigene Darstellung mit Daten aus der Wikipedia.\" width=\"578\" height=\"332\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2818\" class=\"wp-caption-text\">Die Parlamentswahlen von 2002 und 2023 im Vergleich. 2002 erreicht die AKP aus dem Stand 34,3%, hat aber durch das Verh\u00e4ltniswahlrecht die absolute Mehrheit der Sitze. 2023 reicht es nicht mehr f\u00fcr die absolute Mehrheit, die AKP geht aktuell mit der MHP zusammen; Quelle: Eigene Darstellung mit Daten aus der Wikipedia.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Parlamentswahlen im Jahr 2002 gewann die AKP (Adalet ve Kalkinma Partisi, Partei f\u00fcr Gerechtigkeit und Aufschwung), die zum ersten Mal antrat, erdrutschartig. Ministerpr\u00e4sident wurde Abdullah G\u00fcl, ein Parteifreund Erdo\u011fans. Erdo\u011fan war aufgrund seiner Strafe noch mit einem Politikverbot belegt, er konnte das Amt aber im M\u00e4rz 2003 \u00fcbernehmen. Im Jahr 2014 wurde er Staatspr\u00e4sident und h\u00e4lt dieses Amt bis heute.<\/p>\n<p>Die AKP hat das Erbe der RP \u00fcbernommen, also einer religi\u00f6sen Partei. Es sind aber auch b\u00fcrgerliche Kr\u00e4fte[24] in die AKP eingetreten, v.a. aus der Partei von Tansu \u00c7iller, der DYP. Die AKP ist rechts ausgerichtet, deshalb bestehen auch keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste zum Koalitionspartner MHP (Milliyet\u00e7i Hareket Partisi, Partei der Nationalistischen Bewegung), die als politischer Arm der Grauen W\u00f6lfe gilt.<\/p>\n<p>Die erste Phase des Wirkens von Recep Tayyip Erdo\u011fan war gekennzeichnet von pro-westlicher Politik, die sich unter anderem in den t\u00fcrkischen Bem\u00fchungen, der EU beizutreten, manifestierte.<\/p>\n<h2><em><u>Gescheiterter EU-Beitritt<\/u><\/em><\/h2>\n<p>Nach mehreren Ablehnungen stufte der Europ\u00e4ische Rat 1999 die T\u00fcrkei als grunds\u00e4tzlich beitrittsf\u00e4hig ein. Die Freude in der t\u00fcrkischen Bev\u00f6lkerung war entsprechend gro\u00df, stand man doch vor der Erf\u00fcllung jahrhundertealter t\u00fcrkischer Politik. Die AKP begann sogleich mit einer Reihe von Reformen.[25] Es ging um Rechtsstaatlichkeit und die Schaffung demokratischer Strukturen. Des Weiteren bestand die Hoffnung, dass die EU den Laizismus unterst\u00fctzt, aber andererseits auch religi\u00f6se Freiheiten garantiert.[26] Mithin w\u00e4ren die Hoffnungen der religi\u00f6sen wie auch der s\u00e4kularen Bev\u00f6lkerung umgesetzt.<\/p>\n<p>Im April 2004 scheiterte der Annan-Plan, Zypern im Rahmen einer Konf\u00f6deration zu vereinigen.[27] Bei einer Volksabstimmung stimmten die t\u00fcrkischen Zyprioten daf\u00fcr, die griechischen waren jedoch dagegen. F\u00fcr eine Annahme des Plans war jedoch die Zustimmung beider Landesteile erforderlich. Hochkonflikt\u00e4r war die Tatsache, dass eine Woche sp\u00e4ter, am 01.05.2004, der griechische Teil von Zypern in die EU aufgenommen wurde. Das wurde von der T\u00fcrkei so verstanden, als h\u00e4tten die Griechen f\u00fcr das Zur\u00fccksto\u00dfen der T\u00fcrken \u201eihre Belohnung erhalten\u201c.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Im April 2004 scheiterte der Annan-Plan, Zypern im Rahmen einer Konf\u00f6deration zu vereinigen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Im Dezember 2004 sah der Europ\u00e4ische Rat die Kopenhagener Kriterien zum EU-Beitritt der T\u00fcrkei als erf\u00fcllt an.[28] Dies war sachlich falsch, auch wenn man den Informationsstand von 2004 zu Rate zieht. Es wurden zwar Gespr\u00e4che mit den Kurden gef\u00fchrt, die aber noch nicht abgeschlossen waren. Damit war das Kopenhagener Kriterium \u201eAchtung und Schutz von Minderheiten\u201c nicht erf\u00fcllt. Diese Gespr\u00e4che mit den Kurden scheiterten schlie\u00dflich. Mit der \u201eF\u00e4higkeit, die aus einer Mitgliedschaft erwachsenden Verpflichtungen zu erf\u00fcllen\u201c, stand es nicht besser. Der Zypernkonflikt und der t\u00fcrkisch-griechische Konflikt bestanden nach wie vor.<\/p>\n<p>Im Oktober 2005 begannen die Beitrittsverhandlungen. Die T\u00fcrkei trat mit dem Bewusstsein an, hervorragende Vorarbeit geleistet zu haben. Die Verhandlungen kamen jedoch ins Stocken. Durch die Aufnahme des griechischen Teils Zyperns in die EU fand man sich nun in der Situation, dass die T\u00fcrkei ein EU-Mitglied nicht anerkannte. Dies kann eigentlich nur der EU selbst angelastet werden. Nichtsdestoweniger w\u00e4re ein solcher Zustand in der EU nat\u00fcrlich fatal. Mit dem Wegbrechen der Perspektive einer EU-Integration l\u00f6ste sich dann der gesellschaftliche Konsens in der T\u00fcrkei auf und es verst\u00e4rkten sich nationalistische Tendenzen.[29]<\/p>\n<p>Noch bestand Hoffnung. Im Oktober 2006 besuchte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel Erdo\u011fan in Istanbul zum Fastenbrechen am Ende des Ramadan.[30] Das sind h\u00f6chste Ehren und ein deutliches Zeichen, dass man mit Deutschland zusammen die internationale Politik gestalten m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Jedoch ab 2013 \u00e4nderte sich die t\u00fcrkische Politik. Eine EU-Mitgliedschaft erschien jetzt nicht mehr erstrebenswert. Die Verhandlungen erlebten eine qu\u00e4lende Phase des Niedergangs, die sich \u00fcber Jahre hinzog.<\/p>\n<p>Angela Merkel wird im Oktober 2021 Erdo\u011fan erneut besuchen, 15 Jahre nach dem gemeinsamen Fastenbrechen. Es ist ihr Abschiedsbesuch, und sie wird noch einmal versuchen, eine Zusammenarbeit zu gestalten,[31] und zwar durchaus mit Erfolg, jedenfalls in der Fl\u00fcchtlingsfrage. Im Hinblick auf den EU-Beitritt war jedoch nichts mehr zu retten. Im Dezember 2021 stellte der EU-Ministerrat die Verhandlungen \u00fcber den EU-Beitritt der T\u00fcrkei ein. Das war die richtige Entscheidung, unbeschadet der Fehlleistungen, die die EU in diesem Prozess zu verantworten hat.<\/p>\n<h1><strong>Ein kritisches Jahr: 2013<\/strong><\/h1>\n<p>Erdo\u011fan galt im Westen als Pragmatiker, mit dem man schon gut zurechtkommen kann. Das \u00e4nderte sich ab dem Jahr 2013. Es \u00e4nderte sich nicht nur \u201edie Politik\u201c, es scheint auch so, als h\u00e4tte sich Erdo\u011fans Art des Argumentierens ver\u00e4ndert. Er wurde deutlich offensiver. So warf er der EU mehrmals anti-islamische Motive gegen die T\u00fcrkei vor, die sich angeblich aus der christlichen Kultur der EU speisen sollten.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Erdo\u011fan galt im Westen als Pragmatiker, mit dem man schon gut zurechtkommen kann.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Obwohl man von einer EU-Mitgliedschaft langsam Abstand nahm, war die Stimmung im Jahr 2013 in der t\u00fcrkischen Bev\u00f6lkerung noch recht optimistisch. Dies lag am guten deutsch-t\u00fcrkischen Verh\u00e4ltnis wie auch an der ausgezeichneten Wirtschaftslage. Hier hatte Erdo\u011fan R\u00fcckendeckung von IWF und Weltbank. Allerdings entwickelte Erdo\u011fan zu dieser Zeit einen F\u00fchrungsstil, der als autorit\u00e4r bezeichnet werden muss.[32] Er ist der Ansicht, Abtreibung sei Mord, empfiehlt jeder Frau, mindestens drei Kinder zu bekommen und betrachtet Frauen, die das nicht m\u00f6chten, als unvollkommen.[33] Wer ein Glas Wein in der Woche trinkt, sei ein Trunkenbold, diese Aussage weitet er sogar auf Kemal Atat\u00fcrk aus.[34], [35] Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen, leider trank Kemal wirklich etwas zu viel. Ob das jedoch vom Minister- beziehungsweise Staatspr\u00e4sidenten thematisiert werden sollte, ist eine andere Frage.<\/p>\n<p>Der eigentliche Anlass f\u00fcr die Proteste im Jahr 2013 war an Trivialit\u00e4t kaum zu \u00fcberbieten. Zwanzig Umweltsch\u00fctzer besetzten eine Gr\u00fcnanlage, den Gezi-Park, weil sie mit einer geplanten Bauma\u00dfnahme nicht einverstanden waren. Die Polizei reagierte mit \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Gewalt, weshalb sich aus einem Streit in einer Gr\u00fcnanlage ein nationaler Aufstand entwickelte.[36] Die Proteste zogen sich drei Monate lang hin, f\u00fcnf Menschen starben, tausende wurden verletzt. Im R\u00fcckblick scheint es, als w\u00e4re 2013 im Gezi-Park die Saat f\u00fcr die Schwierigkeiten gelegt worden, denen sich die T\u00fcrkei in den n\u00e4chsten Jahren stellen musste. Zun\u00e4chst gab es Probleme mit einem alten Verb\u00fcndeten Erdo\u011fans.<\/p>\n<p>Fethullah G\u00fclen war[37] ein muslimischer Polit- und Medienunternehmer, der eine wirtschaftlich-politische Bewegung gegr\u00fcndet hatte, die er Fethullah\u00e7ilar nannte.[38] G\u00fclen gr\u00fcndete mehrere Schulen und Zeitungen. Er war zum t\u00fcrkischen Staat stets loyal, was ihn aber nicht vor der anti-islamischen S\u00e4uberungsaktion im Rahmen des Putsches von 1997 besch\u00fctzt hat. Er musste in die USA fliehen. Mithin war G\u00fclen der nat\u00fcrliche Verb\u00fcndete von Erdo\u011fan, aber im Herbst 2013 zeichneten sich Probleme ab. G\u00fclen wollte sich Israel politisch zuwenden, war aber den Kurden extrem feindlich gesinnt.[39] Es kam zum Machtkampf mit Erdo\u011fan, den Fethullah G\u00fclen verlor. Die G\u00fclen-Bewegung wurde von nun an als Terrororganisation bezeichnet. Jetzt gab es nur noch eine Institution, die Erdo\u011fan gef\u00e4hrlich werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Fethullah G\u00fclen war ein muslimischer Polit- und Medienunternehmer, der eine wirtschaftlich-politische Bewegung gegr\u00fcndet hatte, die er Fethullah\u00e7ilar nannte.<\/p>\n<\/blockquote>\n<h1><strong>Der Putsch von 2016<\/strong><\/h1>\n<p>Am 15.07.2016 donnerten Kampfflugzeuge \u00fcber Ankara und Istanbul.[40] Die ersten Eilmeldungen \u00fcber einen Milit\u00e4rputsch liefen ein. Aber es lief nicht wie sonst. Ein Greifteam, das Erdo\u011fan festnehmen sollte, scheiterte an seinen Leibw\u00e4chtern. Das Milit\u00e4r selbst war sich nicht einig. Generalstabschef Hulusi Akar weigerte sich, die Putscherkl\u00e4rung zu unterschreiben, auch als ihm eine Pistole an den Kopf gehalten wurde. Erdo\u011fan wird ihn daf\u00fcr sp\u00e4ter zum Verteidigungsminister ernennen. Die Muezzins riefen von den Minaretten mit Erfolg zur Unterst\u00fctzung Erdo\u011fans auf. Eine Wiederholung des Putsches von 1980 wollte niemand, weshalb der Putsch scheiterte.<\/p>\n<p>Keine 12 Stunden sp\u00e4ter begann Erdo\u011fan mit dem Gegenschlag. Zehntausende wurden verhaftet, mehr als 100.000 Staatsbedienstete entlassen, 200 Medien verboten und 20.000 Soldaten entlassen. Das t\u00fcrkische Milit\u00e4r hatte den Kampf im Inneren verloren, knapp 200 Jahre nach der Ausschaltung der Janitscharen. Einen extralegalen W\u00e4chter, der im Namen des Kemalismus agiert, gab es nun nicht mehr. Ein weiterer Putsch scheint aus heutiger Sicht ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Erdo\u011fan beschuldigt die G\u00fclen-Bewegung, den Putsch angezettelt zu haben. Daf\u00fcr liegen aber keine Beweise vor. Es wurde ein zweij\u00e4hriger Ausnahmezustand verh\u00e4ngt, im dem der Rechtsstaat au\u00dfer Kraft gesetzt war.[41], [42] Er ist bis heute nicht vollst\u00e4ndig wieder hergestellt.[43]<\/p>\n<h1><strong>Aktuelle Lage ab 2016<\/strong><\/h1>\n<p>Die aktuelle Lage der T\u00fcrkei ist von einer hohen Dynamik gekennzeichnet. Man erkennt (mindestens) vier Problemkomplexe. (1) Die Verwaltung der religi\u00f6sen Angelegenheiten in der T\u00fcrkei k\u00f6nnte sich kritisch auf Deutschland auswirken. (2) Die Beziehungen der T\u00fcrkei zu Russland sind aktuell sehr gut. So gut, dass sie mit der t\u00fcrkischen NATO-Mitgliedschaft konfligieren. (3) Der Zypernkonflikt in seiner momentanen Manifestation als Gasstreit ist wieder aktuell und hochgef\u00e4hrlich. Schlie\u00dflich geht es jetzt um Rohstoffe. (4) Mit der t\u00fcrkischen Wirtschaft gibt es einige Probleme, die teilweise auf Erdo\u011fans pers\u00f6nliches Einwirken zur\u00fcckzuf\u00fchren sind.<\/p>\n<h2><em><u>Religion<\/u><\/em><\/h2>\n<p>Erdo\u011fan hat sich zwar von Kemals Laizismus abgewendet, aber in anderer Hinsicht hat er Kemals Religionspolitik perfekt umgesetzt. Die Religionsaus\u00fcbung untersteht nun der staatlichen Kontrolle. Sie ist nach wie vor Privatsache. Der Unterschied zu Kemals Politik ist, dass die Religion nicht mehr aus der \u00d6ffentlichkeit verbannt ist.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Erdo\u011fan hat sich zwar von Kemals Laizismus abgewendet, aber in anderer Hinsicht hat er Kemals Religionspolitik perfekt umgesetzt.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Oberste Beh\u00f6rde zur Verwaltung religi\u00f6ser Angelegenheiten in der T\u00fcrkei ist das Diyanet.[44] Es ist direkt dem Staatspr\u00e4sidenten unterstellt. Nach Erdo\u011fans Wahlsieg wurde die Beh\u00f6rde zur religi\u00f6sen Legitimierungsinstanz seiner politischen Ziele.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2817\" aria-describedby=\"caption-attachment-2817\" style=\"width: 232px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2817 size-medium\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2025\/01\/Picture6-232x300.png\" alt=\"Ali Erba\u015f, Leiter des Diyanet des Diyanet; Quelle: Wikipedia.\" width=\"232\" height=\"300\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2817\" class=\"wp-caption-text\">Ali Erba\u015f, Leiter des Diyanet des Diyanet; Quelle: Wikipedia.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die T\u00fcrkisch-Islamische Union der Anstalt f\u00fcr Religion e. V. (DITIB) ist die gr\u00f6\u00dfte muslimische Institution in Deutschland und untersteht ganz dem Diyanet.[45] Sie vertritt einen gem\u00e4\u00dfigten Islam und es besteht keine Gefahr, dass Dritte vom DITIB in irgendeiner Art und Weise Besitz ergreifen. Es ist in Deutschland viel dar\u00fcber diskutiert worden, eine Institution zu beauftragen, sich um islamische Angelegenheiten zu k\u00fcmmern. Das DITIB war auch immer ein Kandidat. Allerdings muss man sich dar\u00fcber im Klaren sein, dass das DITIB direkt t\u00fcrkische Regierungspolitik vertritt, was sich eines Tages als konflikt\u00e4r herausstellen k\u00f6nnte. Dies ist wahrscheinlich der Grund, weshalb noch keine endg\u00fcltige Entscheidung getroffen wurde.<\/p>\n<p>Konform mit dieser Politik ist die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee im Jahr 2020.[46] Die Hagia Sophia, urspr\u00fcnglich eine christliche Kirche und seit 1453 eine Moschee, wurde von Kemal Atat\u00fcrk 1934 in ein Museum umgewandelt. Diese Ma\u00dfnahme zeigt aber, dass sich die T\u00fcrkei von Europa wie auch vom kemalistischen Prinzip des Laizismus abwendet.[47]<\/p>\n<h2><em><u>Beziehungen zu Russland<\/u><\/em><\/h2>\n<p>Die T\u00fcrkei ist in Syrien milit\u00e4risch engagiert. Sie k\u00e4mpfte gegen den syrischen Pr\u00e4sidenten Baschar al-Assad, mithin auch gegen Russland. Sie k\u00e4mpft aber auch immer noch gegen die YPG, eine kurdische Truppe. Die T\u00fcrkei hat mehrere milit\u00e4rische Operationen durchgef\u00fchrt, \u201eEuphrat\u201c (2016), \u201eOlivenzweig\u201c (2018) und \u201eFriedensquelle\u201c (2019). Im Ergebnis h\u00e4lt sie jetzt einen nicht zusammenh\u00e4ngenden Streifen in Nordsyrien.[48] Diese Operationen richten sich v.a. gegen die Kurden, deren Gebietszuw\u00e4chse in dem Gebiet als Bedrohung empfunden wurde. Obschon es in der Vergangenheit zu Kampfhandlungen zwischen t\u00fcrkischen und russischen Streitkr\u00e4ften kam, ist der Konflikt zwischen den beiden L\u00e4ndern nicht besonders ausgepr\u00e4gt. Ihre Ziele sind n\u00e4mlich nur in geringem Ma\u00dfe konflikt\u00e4r. Die T\u00fcrkei m\u00f6chte ihren s\u00fcdlichen Landesteil gegen kurdischen Einfluss absichern, Russlands Interessen liegen eher am Mittelmeer. Hier h\u00e4lt es Marinest\u00fctzpunkte in Latakia und Tartus sowie einen Luftwaffenst\u00fctzpunkt in Hmeimim. Ob Russland diese St\u00fctzpunkte im Angesicht der aktuellen Situation halten kann, ist noch nicht klar. Dieser Problemkomplex war wohl auch Thema beim Treffen von Erdo\u011fan und Putin im September 2018 in Sotchi.[49] Der Problemkomplex Syrien ist also keinesfalls geeignet, einen Keil zwischen zwei gute Freunde zu treiben.<\/p>\n<p>Im Kaukasus, genauer gesagt, im Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan, hat Aserbaidschan momentan die Oberhand. Dies gelang den Aserbaidschanern durch t\u00fcrkische Unterst\u00fctzung, w\u00e4hrend Armenien in der Vergangenheit von Russland unterst\u00fctzt wurde. Aktuell hat die russische Unterst\u00fctzung jedoch nachgelassen, weshalb sich Armenien von Russland abgewendet hat.\u00a0 In Folge hat die armenische Regierung angek\u00fcndigt, die Organisation des Vertrags \u00fcber kollektive Sicherheit (OVKS) zu verlassen und wendet sich der EU zu.[50]<\/p>\n<p>Es ist nicht klar, ob Russland hier der T\u00fcrkei entgegenkommen m\u00f6chte, oder ob die Unterst\u00fctzung aufgrund des Ukraine-Kriegs einfach aktuell nicht geleistet werden kann. Ersteres h\u00e4tte weitreichende Konsequenzen, w\u00fcrde es doch den geostrategischen Einfluss der T\u00fcrkei dramatisch ausweiten, und zwar in einer Region, die mit Rohstoffen reichlich gesegnet ist.<\/p>\n<p>Im Ukraine-Krieg jedoch stehen Russland und die T\u00fcrkei definitiv auf unterschiedlichen Seiten. Die T\u00fcrkei unterst\u00fctzt die Ukraine massiv, und zwar durch Lieferungen der Kampfdrohne Bayraktar TB2, ein t\u00fcrkisches Spitzenprodukt der Waffentechnik.[51]<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei beschaffte als NATO-Mitglied russische Waffensysteme, so das Luftabwehrsystem S-400, das 2019 in Betrieb genommen wurde. Die Reaktionen der NATO waren \u00e4u\u00dferst kritisch. Des Weiteren treffen sich Erdo\u011fan und Putin \u00f6fters in Sotchi f\u00fcr Verhandlungen. Die beiden Kriegsgegner sprechen hier \u00fcber Waffenlieferungen, wirtschaftliche Zusammenarbeit und \u00fcber ein gemeinsames Vorgehen im Krisengebiet Syrien. Man versteht sich dabei ganz ausgezeichnet und pflegt sogar eine gemeinsame Freundschaft.[52]<\/p>\n<p>Erdo\u011fan hat im September 2019 verlautet, dass er die T\u00fcrkei zur Atommacht aufr\u00fcsten will.[53] Es ist nicht ganz klar, wie ernst das gemeint war, er hat das nicht wiederholt. Des Weiteren m\u00f6chte die T\u00fcrkei ihre Weltraumkapazit\u00e4ten ausbauen.[54] In beiden F\u00e4llen w\u00e4re Russland in der Lage, Hilfestellung zu leisten. Zudem m\u00f6chte die T\u00fcrkei den BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, S\u00fcdafrika) beitreten.[55]<\/p>\n<blockquote>\n<p>Erdo\u011fan hat im September 2019 verlautet, dass er die T\u00fcrkei zur Atommacht aufr\u00fcsten will.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Damit liegt viel auf dem Spieltisch. So viel, dass man von einer gewissen Instabilit\u00e4t ausgehen muss. Wahrscheinlich werden keine endg\u00fcltigen Entscheidungen fallen, solange der Ukraine-Krieg noch andauert. Wenn jedoch wieder Frieden herrscht, wird die T\u00fcrkei eine Abw\u00e4gung der Gesamtlage vornehmen und ihr Verbleib in der NATO ist keineswegs sicher.[56]<\/p>\n<h2><em><u>Gasstreit<\/u><\/em><\/h2>\n<p>Ende der 2000er-Jahre wurden im \u00f6stlichen Mittelmeer gr\u00f6\u00dfere Erdgasvorkommen entdeckt. Damit gewinnen die ausschlie\u00dflichen Wirtschaftszonen (AWZ) entsprechend dem internationalen Seerechts\u00fcbereinkommen an Bedeutung. Durch den bestehenden Zypernkonflikt entwickelte sich ein Problemkomplex, der als Gasstreit bekannt ist. Dieser soll hier etwas genauer geschildert werden, denn er birgt durchaus Konfliktpotenzial:[57]<\/p>\n<ul>\n<li>Die t\u00fcrkischen Zyprioten betrachten ihr Gebiet als eigenen Staat, TRNC (T\u00fcrkische Republik Nordzypern). Die TRNC wird nur von der T\u00fcrkei anerkannt. Mithin beansprucht die TRNC eine eigene AWZ;<\/li>\n<li>Die griechischen Zyprioten betrachten die Republik Zypern, also das gesamte Zypern als eigenen Staat und beanspruchen ebenfalls eine AWZ. Dieses Gebiet erh\u00e4lt die AWZ der TRNC also vollst\u00e4ndig, hierin besteht der erste Konflikt;<\/li>\n<li>Des Weiteren beansprucht die Republik Zypern eine gr\u00f6\u00dfere AWZ, n\u00e4mlich 200 Seemeilen, da sie sich auf die Existenz eines Festlandssockels beruft. Dies kann in Frage gestellt werden, da es sich bei Zypern um eine Insel handelt und kein Festland. Das entsprechend gro\u00dfe Gebiet konfligiert stark mit der AWZ der T\u00fcrkei;<\/li>\n<li>In j\u00fcngerer Vergangenheit haben sich die T\u00fcrkei und Libyen \u00fcber den Verlauf ihrer AWZ geeinigt, es wurden kleinere Anpassungen an der Grenzlinie vorgenommen. Diese konfligieren jedoch mit den AWZ-Anspr\u00fcchen Griechenlands in Bezug auf die Insel Kreta. Auch hier beansprucht Griechenland einen Festlandssockel.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine irgendwie geartete juristische Kl\u00e4rung steht nicht in Aussicht. Die T\u00fcrkei hat n\u00e4mlich das Seerechts\u00fcbereinkommen nicht unterschrieben, wozu sie auch nicht verpflichtet ist. Ein Gericht h\u00e4tte also keine Rechtsgrundlage, die es auf die T\u00fcrkei anwenden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>\u00c4rgerlicherweise f\u00fchlt sich Griechenland durch den Schutz der EU dazu berufen, absurde Forderungen aufzustellen. So wird eine 200-Seemeilen-AWZ um die Insel Kastellorizo gefordert, die direkt vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste liegt. Kastellorizo geh\u00f6rt demnach wirklich zum Festlandssockel, aber zum t\u00fcrkischen. Diese griechische Forderung muss daher zur\u00fcckgewiesen werden.[58]<\/p>\n<p>Es besteht sonst die Gefahr, dass Russland seine Hilfe f\u00fcr die T\u00fcrkei auch auf diesen Problemkomplex ausweitet. Wenn die T\u00fcrkei keine andere M\u00f6glichkeit sieht, ihre Rohstoffe zu behalten, wird sie nichts mehr in der NATO halten. Die NATO h\u00e4tte dann nicht nur ein strategisch wichtiges Mitgliedsland verloren, der Gegner w\u00fcrde dann auch das \u00f6stliche Mittelmeer dominieren.<\/p>\n<h2><em><u>Wirtschaft<\/u><\/em><\/h2>\n<p>Die t\u00fcrkische Wirtschaft befindet sich in einer Krise, die durch Inflation getrieben ist. Die t\u00fcrkische Lira (TRY) ist von 0,19 EUR\/TRY im Jahr 2018 bis auf 0,03 EUR\/TRY im Jahr 2024 gefallen. Dies ist Recep Tayyip Erdo\u011fan anzulasten.[59] Im Angesicht hoher Inflation hat er die Zentralbank gezwungen, die Zinsen immer weiter zu senken. Dies steht im vollst\u00e4ndigen Widerspruch zu allgemein akzeptierten Erkenntnissen der Volkswirtschaftslehre, die bei Inflation eine Zinserh\u00f6hung empfehlen. Zur Durchsetzung seiner Politik hat Erdo\u011fan drei Notenbank-Gouverneure entlassen, die seiner Meinung nach die Zinsen nicht genug gesenkt haben.[60] Er bezeichnet Zinsen als \u201eMutter allen \u00dcbels\u201c und streitet ab, dass niedrige Zinsen der Inflation f\u00f6rderlich sind. Damit setzt er sich nat\u00fcrlich dem Verdacht aus, das Zinsverbot aus dem Koran unreflektiert auf die volkswirtschaftlichen Belange des 21. Jahrhunderts anzuwenden.[61] Dies kann jedoch nicht l\u00fcckenlos belegt werden. Erdo\u011fan ist zwar religi\u00f6s, jedoch noch nicht als religi\u00f6ser Fanatiker unangenehm aufgefallen.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Zur Durchsetzung seiner Politik hat Erdo\u011fan drei Notenbank-Gouverneure entlassen, die seiner Meinung nach die Zinsen nicht genug gesenkt haben.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Eine Kl\u00e4rung dieser Fragen kann jedoch dahinstehen, ab 2023 wurden die Zinsen erh\u00f6ht. Aktuell liegt der Leitzins bei 50%. Das Diyanet sieht die Sache positiv. Als im Angesicht der hohen Inflation ein T\u00fcrke dort anfragte, wer f\u00fcr die hohen Preise verantwortlich sei, bekam er zur Antwort:[62] \u201eEs ist Gott, der die Preise festlegt, der ern\u00e4hrt, der Mangel beschert wie auch F\u00fclle.\u201c<\/p>\n<h1><strong>Fazit<\/strong><\/h1>\n<p>Die strategische Wichtigkeit der T\u00fcrkei, aufgrund derer sie 1952 in die NATO aufgenommen wurde, besteht nach wie vor. Die T\u00fcrkei ber\u00fchrt mehrere internationale Krisengebiete: den Kaukasus, Iran und Irak sowie Syrien. Ein Anker der Stabilit\u00e4t, genau da wo die T\u00fcrkei liegt, w\u00e4re also extrem erstrebenswert. Leider ist die T\u00fcrkei selbst ein Krisengebiet, es besteht der Zypernkonflikt und der t\u00fcrkisch-griechische Konflikt. Der Zypernkonflikt ist durch den Gasstreit wieder hochaktuell geworden, der t\u00fcrkisch-griechische Konflikt entfaltete sein Potenzial das letzte Mal im Jahr 1996. Damals standen sich die t\u00fcrkische und die griechische Marine bei der Insel Kardak gegen\u00fcber,[63] Kampfhandlungen konnten damals nur durch amerikanische Diplomatie verhindert werden. W\u00e4re es zum Kampf gekommen, w\u00e4re die NATO in einer extrem merkw\u00fcrdigen Situation gewesen. Schlie\u00dflich w\u00e4re sie dem Angegriffenen, wer auch immer das dann gewesen w\u00e4re, beistandspflichtig.<\/p>\n<p>Leider besteht die deutliche Gefahr, dass die T\u00fcrkei der NATO davongleitet. Diese Gefahr ergibt sich aus der Abwendung Erdo\u011fans vom Westen und seinen hervorragenden Beziehungen zu Russland. Das Albtraum-Szenario w\u00e4re, wenn die T\u00fcrkei russische Hilfe im Gasstreit, also in der aktuellen Auspr\u00e4gung des Zypernkonflikts, annehmen w\u00fcrde. Dann w\u00e4re der NATO nicht nur Kleinasien weggebrochen, ihr Hauptrivale w\u00fcrde dann auch das \u00f6stliche Mittelmeer dominieren. In diesem hypothetischen Fall k\u00f6nnte sich Russland dann auch t\u00fcrkischer Hilfe beim Erhalt der Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte sicher sein. Die Situation ist also recht prek\u00e4r. Solange der Ukraine-Krieg ausgefochten wird, wird die T\u00fcrkei keine Entscheidung in dieser Richtung treffen. Danach jedoch, wenn die Karten neu gemischt sind, wird der Westen einige \u00dcberzeugungsarbeit leisten m\u00fcssen, um die T\u00fcrkei im westlichen B\u00fcndnis zu halten. Daf\u00fcr ist es nat\u00fcrlich erforderlich, Erdo\u011fan zumindest halbwegs zu verstehen. Die Grundlagen daf\u00fcr sind in diesem Artikel beschrieben. Hier sind sie nochmal zusammengefasst.<\/p>\n<ul>\n<li>Abkehr vom Laizismus kemalistischer Pr\u00e4gung. Allerdings bleibt Kemals Grundidee, die Religion der staatlichen Kontrolle zu unterwerfen.<\/li>\n<li>Die Armee ist nicht mehr der extralegale W\u00e4chter des Kemalismus.<\/li>\n<li>Das kemalistische Prinzip des Etatismus, das von Turgut \u00d6zal abgeschw\u00e4cht wurde, wird unter Erdo\u011fan wieder gest\u00e4rkt.<\/li>\n<li>Das Osmanische Reich wird als ideale Staatsform betrachtet.<\/li>\n<li>Auf den Kurdenkonflikt wurde hier nicht genauer eingegangen Dieser zieht nach anf\u00e4nglichen Verbesserungen leider wieder an.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch die Probleme der t\u00fcrkischen Innenpolitik haben einen Einfluss auf eine eventuelle Zusammenarbeit. Im Bereich der Wirtschaft sind Verbesserungen festzustellen, ideal l\u00e4uft es aber noch nicht. Forderungen in TRY sind immer noch hohen t\u00e4glichen Wertverlusten ausgesetzt. Schlie\u00dflich muss der Kurdenkonflikt mit ber\u00fccksichtigt werden. Sollte die T\u00fcrkei eine irgendwie geartete Unterst\u00fctzung gegen die Kurden verwenden, k\u00f6nnte der Konflikt auf das jeweilige Partnerland \u00fcberschwappen, ein hochgef\u00e4hrliches Szenario.<\/p>\n<p>Zum Schluss \u00fcberlassen wir Recep Tayyip Erdo\u011fan das Wort:[64]<\/p>\n<blockquote>\n<p>\u201eEs gibt kein Blut im Schatten dieser gro\u00dfen Platane (der T\u00fcrkei), der seldschukischen, osmanischen und republikt\u00fcrkischen Platane. Im Schatten dieser Platane gibt es keine Differenz und keine Diskriminierung, keine ungerechte Behandlung, keine Unterdr\u00fcckung, kein Zur-Seite-Dr\u00e4ngen des Anderen.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Dem w\u00e4re nichts hinzuzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[1] Cengiz G\u00fcnay, <em>Geschichte der T\u00fcrkei<\/em>, (B\u00f6hlau Verlag, 2012), 36-41.<\/p>\n<p>[2] Der Begriff \u201eWesten\u201c wird noch \u00f6fters fallen. Er bleibt etwas unscharf.<\/p>\n<p>[3] Cengiz G\u00fcnay, <em>Geschichte der T\u00fcrkei<\/em>, 61-73.<\/p>\n<p>[4] Ibid., 25-26.<\/p>\n<p>[5] Im Jahre 1453 eroberte Mehmet II. Byzanz, mit Hilfe der Janitscharen. Sp\u00e4testens ab hier waren die Beziehungen wohl wieder in Ordnung.<\/p>\n<p>[6] Cengiz G\u00fcnay, <em>Geschichte der T\u00fcrkei<\/em>, 55-56.<\/p>\n<p>[7] Martin Grosch, <em>Perspektiven der Geopolitik \u2013 Die T\u00fcrkei als Regionalmacht im Nahen Osten aus geopolitischer Perspektive<\/em>, \u00d6sterreichische Milit\u00e4rische Zeitschrift, \u00d6MZ 3\/2023, 327-333.<\/p>\n<p>[8] Cengiz G\u00fcnay, <em>Geschichte der T\u00fcrkei<\/em>, 134-135.<\/p>\n<p>[9] Ibid., 139-143.<\/p>\n<p>[10] Ibid., 152.<\/p>\n<p>[11] Ibid., 154-162.<\/p>\n<p>[12] Maurus Reinkowski, <em>Geschichte der T\u00fcrkei<\/em>, 182-184.<\/p>\n<p>[13] Cengiz G\u00fcnay, <em>Geschichte der T\u00fcrkei<\/em>, 187-201.<\/p>\n<p>[14] Ibid., 207.<\/p>\n<p>[15] Hier profitieren wir von einer Artikelserie in der \u00d6sterreichischen Milit\u00e4rischen Zeitschrift. Walter Posch, <em>Kommunismus und Linksradikalismus in und aus der T\u00fcrkei \u2013 Teil (1-3)<\/em>, \u00d6MZ 1\/2022, 18-30; \u00d6MZ 2\/2022, 166-177; \u00d6MZ 3\/2022, 296-305.<\/p>\n<p>[16] Cengiz G\u00fcnay, <em>Geschichte der T\u00fcrkei<\/em>, 240.<\/p>\n<p>[17] Ibid., 256.<\/p>\n<p>[18] Ibid., 253-264.<\/p>\n<p>[19] Maurus Reinkowski, <em>Geschichte der T\u00fcrkei<\/em>, (Verlag C.H. Beck, 2021), 245-254.<\/p>\n<p>[20] Walter Posch, <em>Kommunismus und Linksradikalismus in und aus der T\u00fcrkei \u2013 Teil 2.<\/em><\/p>\n<p>[21] Cengiz G\u00fcnay, <em>Geschichte der T\u00fcrkei<\/em>, 264-273.<\/p>\n<p>[22] Ibid., 309-319.<\/p>\n<p>[23] Es gibt verschiedene Versionen dieses Gedichts. Hier zitiert nach: \u00c7i\u011fdem Akyol: <em>Die gespaltene Republik<\/em>, (Verlag S. Fischer, 2023),\u00a0 203.<\/p>\n<p>[24] Diese Erkl\u00e4rungen bleiben etwas unscharf, wenn man versucht, Ph\u00e4nomene in der T\u00fcrkei mit unseren Begriffen zu beschreiben.<\/p>\n<p>[25] Cengiz G\u00fcnay, <em>Geschichte der T\u00fcrkei<\/em>, 336-338.<\/p>\n<p>[26] Idem.<\/p>\n<p>[27] Maurus Reinkowski, <em>Geschichte der T\u00fcrkei<\/em>, 208-210.<\/p>\n<p>[28] Die Kopenhagener Kriterien sind einsehbar unter: https:\/\/eur-lex.europa.eu\/DE\/legal-content\/glossary\/accession-criteria-copenhagen-criteria.html, abgerufen am Oktober 24, 2024.<\/p>\n<p>[29] Cengiz G\u00fcnay, <em>Geschichte der T\u00fcrkei<\/em>, 339.<\/p>\n<p>[30] Die Tischrede von Angela Merkel in: Bulletin der Bundesregierung Nr. 97-1 vom Oktober 06, 2006. Download von:<a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/resource\/blob\/975954\/769108\/69b96a1ab629fe99770dbbad00fc6d10\/97-1-merkel-data.pdf?download=1\"> https:\/\/www.bundesregierung.de\/resource\/blob\/975954\/769108\/69b96a1ab629fe99770dbbad00fc6d10\/97-1-merkel-data.pdf?download=1<\/a>, abgerufen am Oktober 24, 2024.<\/p>\n<p>[31] Wolfgang Taus, <em>Internationale Rundschau \u2013 T\u00fcrkei<\/em>, \u00d6sterreichische Milit\u00e4rische Zeitschrift, \u00d6MZ 2\/2022, 247-248.<\/p>\n<p>[32] \u00c7i\u011fdem Akyol, <em>Die gespaltene Republik<\/em>, 273-277.<\/p>\n<p>[33] J\u00fcrgen Gottschlich, <em>Erdogan will Abtreibungsrecht versch\u00e4rfen<\/em>, (Spiegel-Online, 2012), Download von:<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/tuerkei-erdogan-will-liberales-abtreibungsrecht-verschaerfen-a-836738.html\"> https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/tuerkei-erdogan-will-liberales-abtreibungsrecht-verschaerfen-a-836738.html<\/a>, abgerufen am Januar 18, 2025.<\/p>\n<p>[34] Salih G\u00fcrb\u00fcz<em>, Gezi-Proteste als Forschungsfeld f\u00fcr die Manipulation der sozialen Bruchlinien der T\u00fcrkei<\/em>, Masterarbeit, (Universit\u00e4t Wien, 2023), Download von:<a href=\"https:\/\/services.phaidra.univie.ac.at\/api\/object\/o:1633194\/get\"> https:\/\/services.phaidra.univie.ac.at\/api\/object\/o:1633194\/get<\/a>, abgerufen am Januar 18, 2025.<\/p>\n<p>[35] Der Raki als \u201edie Mutter alles B\u00f6sen\u201c, Kleine Zeitung, Download von:<a href=\"https:\/\/www.kleinezeitung.at\/politik\/4054864\/Streit-um-Alkoholverbot_Der-Raki-als-die-Mutter-alles-Boesen\"> https:\/\/www.kleinezeitung.at\/politik\/4054864\/Streit-um-Alkoholverbot_Der-Raki-als-die-Mutter-alles-Boesen<\/a>, abgerufen am Januar 18, 2025.<\/p>\n<p>[36] Maurus Reinkowski, <em>Geschichte der T\u00fcrkei<\/em>, 351.<\/p>\n<p>[37] Der Medienunternehmer Fethullah G\u00fclen ist am 20.10.2024 verstorben.<\/p>\n<p>[38] Cengiz G\u00fcnay, <em>Geschichte der T\u00fcrkei<\/em>, 299-301.<\/p>\n<p>[39] Maurus Reinkowski, <em>Geschichte der T\u00fcrkei<\/em>, 353-354.<\/p>\n<p>[40] \u00c7i\u011fdem Akyol, <em>Die gespaltene Republik<\/em>, 299-301.<\/p>\n<p>[41] Maurus Reinkowski, <em>Geschichte der T\u00fcrkei<\/em>, 357.<\/p>\n<p>[42] \u00c7i\u011fdem Akyol, <em>Die gespaltene Republik<\/em>, 314-316.<\/p>\n<p>[43] Im Mai 2024 wurden 544 Personen unter dem Vorwurf, mit Fethullah G\u00fclen in Verbindung zu stehen, festgenommen. Wolfgang Taus: <em>Internationale Rundschau \u2013 T\u00fcrkei<\/em>, \u00d6sterreichische Milit\u00e4rische Zeitschrift, \u00d6MZ 6\/2024, 801-804.<\/p>\n<p>[44] Maurus Reinkowski, <em>Geschichte der T\u00fcrkei<\/em>, 365-367.<\/p>\n<p>[45] \u00c7i\u011fdem Akyol, <em>Die gespaltene Republik<\/em>, 141-143.<\/p>\n<p>[46] Wolfgang Taus, <em>Internationale Rundschau \u2013 T\u00fcrkei<\/em>, \u00d6sterreichische Milit\u00e4rische Zeitschrift, \u00d6MZ 6\/2020, 798-802.<\/p>\n<p>[47] Vergleiche nochmals: Martin Grosch: <em>Perspektiven der Geopolitik<\/em>.<\/p>\n<p>[48] Stefan Goertz, <em>Eine aktuelle Analyse der Sicherheits- und Milit\u00e4rpolitik der T\u00fcrkei<\/em>, \u00d6sterreichische Milit\u00e4rische Zeitschrift, \u00d6MZ 4\/2022, 468-473.<\/p>\n<p>[49] Wolfgang Taus, <em>Internationale Rundschau \u2013 T\u00fcrkei<\/em>, \u00d6sterreichische Milit\u00e4rische Zeitschrift, \u00d6MZ 2\/2019, 257-259.<\/p>\n<p>[50] C. Bilban, Florian Goiser, Pascal Riemer, \u201eInternationale Rundschau, Russische F\u00f6deration und postsowjetischer Raum,\u201c \u00d6sterreichische Milit\u00e4rische Zeitschrift,\u00a0 \u00d6MZ 3\/2024, 364-369; \u00d6MZ 6\/2024, 796-801.<\/p>\n<p>[51] Hans Krech, Zur Geschichte und den aktuellen Entwicklungstrends von Kampfdrohnen, UCAV-Serie, \u00d6sterreichische Milit\u00e4rische Zeitschrift, \u00d6MZ 3\/2022, 333-339 und \u00d6MZ 5\/2022, 599-606.<\/p>\n<p>[52] Frau Akyol, eine ausgewiesene Erdo\u011fan-Expertin, berichtet, die beiden h\u00e4tten sich schon mehrmals als Freunde bezeichnet. \u00c7i\u011fdem Akyol, <em>Die gespaltene Republik<\/em>, 334.<\/p>\n<p>[53] Wolfgang Taus, <em>Internationale Rundschau \u2013 T\u00fcrkei<\/em>, \u00d6sterreichische Milit\u00e4rische Zeitschrift, \u00d6MZ 6\/2019, 780-782.<\/p>\n<p>[54] Ibid., 534-536.<\/p>\n<p>[55] Otto Naderer, <em>Internationale Rundschau \u2013 NATO<\/em>, \u00d6sterreichische Milit\u00e4rische Zeitschrift, \u00d6MZ 6\/2024, 778-779.<\/p>\n<p>[56] Nemanja Plotan, <em>Can Nato Contain T\u00fcrkiye\u2019s Ideological Expansion?<\/em>, (The Defence Horizon Journal, 2024), Download von:<a href=\"https:\/\/tdhj.org\/blog\/post\/nato-turkiye-ideology-expansion\/\"> https:\/\/tdhj.org\/blog\/post\/nato-turkiye-ideology-expansion\/<\/a>, abgerufen am November 02, 2024.<\/p>\n<p>[57] Christian Schaller, <em>Streit im \u00f6stlichen Mittelmeer \u2013 Griechenland, T\u00fcrkei, Zypern<\/em>, Stiftung Wissenschaft und Politik, 2022, Download von:<a href=\"https:\/\/www.swp-berlin.org\/publications\/products\/studien\/2022S02_streit_im_oestlichen_mittelmeer.pdf\"> https:\/\/www.swp-berlin.org\/publications\/products\/studien\/2022S02_streit_im_oestlichen_mittelmeer.pdf<\/a>, abgerufen am Oktober 30, 2024.<\/p>\n<p>[58] Niels Kadritzke, <em>Eskalation im \u00f6stlichen Mittelmeer<\/em>, Le Monde diplomatique, 2020, Download von:<a href=\"https:\/\/monde-diplomatique.de\/shop_content.php?coID=100162\"> https:\/\/monde-diplomatique.de\/shop_content.php?coID=100162<\/a>, abgerufen am Oktober 31, 2024.<\/p>\n<p>[59] \u00c7i\u011fdem Akyol, <em>Die gespaltene Republik<\/em>, 316-319.<\/p>\n<p>[60] Warum die T\u00fcrkei trotz hoher Inflation an niedrigen Zinsen festh\u00e4lt, (Capital.de, 2021), Download von:<a href=\"https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/warum-die-tuerkei-trotz-hoher-inflation-an-niedrigen-zinsen-festhaelt\"> https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/warum-die-tuerkei-trotz-hoher-inflation-an-niedrigen-zinsen-festhaelt<\/a>, abgerufen am November 02, 2024.<\/p>\n<p>[61] Wir lesen: Der Koran, (Goldmann Verlag, 1959), 2. Sure, Vers 276: \u201e . . . Aber Allah hat den Handel erlaubt und den Wucher (Zinsnehmen) verboten . . .\u201c, Klammer in der Quelle. Offensichtlich ist nicht ganz klar, ob Wucher oder Zinsnahme gemeint ist, diese Stelle wird aber als das Zinsverbot des Korans bezeichnet.<\/p>\n<p>[62] \u00c7i\u011fdem Akyol, <em>Die gespaltene Republik<\/em>, 143.<\/p>\n<p>[63] Martin Grosch, <em>Perspektiven der Geopolitik<\/em>.<\/p>\n<p>[64] Zitiert nach Maurus Reinkowski, <em>Geschichte der T\u00fcrkei<\/em>, 349. Reinkowski bezeichnet dies als neo-osmanische Rhetorik und weist darauf hin, dass Erdo\u011fan das Osmanische Reich als ideale gesellschaftliche Ordnung betrachtet.<\/p>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abstrakt: Religion und Milit\u00e4r in der T\u00fcrkei, wie auch fr\u00fcher im Osmanischen Reich, werden als strukturbildende Gr\u00f6\u00dfen f\u00fcr die gesellschaftliche Entwicklung erkannt. 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