{"id":2852,"date":"2025-03-20T06:22:06","date_gmt":"2025-03-20T05:22:06","guid":{"rendered":"https:\/\/tdhj.org\/de\/?p=2852"},"modified":"2026-04-07T18:26:33","modified_gmt":"2026-04-07T16:26:33","slug":"manoever-taktikausbildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tdhj.org\/de\/post\/manoever-taktikausbildung\/","title":{"rendered":"Betrachtungen zum man\u00f6verbasierten Ansatz in der Taktikausbildung"},"content":{"rendered":"<p><strong><u>Abstract:<\/u><\/strong> Die Taktikausbildung im \u00d6sterreichischen Bundesheer (\u00d6BH) war in den letzten Jahrzehnten von der Idee des Man\u00f6vers gepr\u00e4gt. S\u00e4mtliche L\u00f6sungen f\u00fcr taktische Herausforderungen haben sich daher am Man\u00f6ver orientiert. Das Man\u00f6ver hatte zum Ziel, eine eigene \u00dcberlegenheit aufgrund Beweglichkeit und \u00dcberraschung zu erreichen. Dieses Dogma wurde auch dem gegnerischen Verhalten zu Grunde gelegt. Sp\u00e4testens seit Beginn des aktuellen Krieges in der Ukraine muss jedoch von einem \u201egl\u00e4sernen Gefechtsfeld\u201c ausgegangen werden, welches das \u00fcberraschende Auftreten von Streitkr\u00e4ften sehr erschwert hat. Ein weiterer Aspekt ist der massive Einsatz von Steilfeuer, geleitet mittels Drohnen, wodurch sichere R\u00fcckzugs- beziehungsweise Bereitstellungsr\u00e4ume praktisch verschwunden sind.<\/p>\n<p><strong><u>Problemstellung:<\/u><\/strong> Welche Voraussetzungen m\u00fcssen vorliegen, um das Man\u00f6ver wieder zu erm\u00f6glichen?<\/p>\n<p><strong><u>Was nun?:<\/u><\/strong> Als unmittelbare Konsequenz sind s\u00e4mtliche Schulungslagen am Institut f\u00fcr Offiziersweiterbildung anzupassen. Das gegnerische Verhalten muss sich an den neu verf\u00fcgbaren Opposing Force (OPFOR)-Unterlagen der Landesverteidigungsakademie und an eigenen Beobachtungen und Auswertungen des Referats Taktik und Stabsdienst orientieren. Der entscheidende Faktor dabei ist, eine \u00dcberlegenheit des Gegners zu akzeptieren und nicht mehr l\u00e4nger mit unterlegenen oder in der F\u00e4higkeit beschr\u00e4nkten Feindgruppierungen zu arbeiten. Ziel muss es sein, die Offiziere des \u00d6sterreichischen Bundesheeres an diese Tatsache zu gew\u00f6hnen. Erst wenn Stabsoffiziere, als milit\u00e4rische Planer:innen und Kommandant:innen, als F\u00fchrer:innen des laufenden Gefechts, diese Tatsache akzeptiert und ber\u00fccksichtigt haben, werden erfolgreiche eigene Gefechtsideen m\u00f6glich. Der entscheidende Faktor ist dabei die schonungslose Darstellung gegnerischer Effekte, um Schw\u00e4chen in der eigenen Planung und Gefechtsf\u00fchrung aufzudecken. Eine Inkaufnahme des kontrollierten Scheiterns der \u00dcbungstruppe ist notwendig, um das gew\u00fcnschte Umdenken zu erreichen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3871\" aria-describedby=\"caption-attachment-3871\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3871\" src=\"https:\/\/tdhj.org\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/shutterstock_248189926-1.jpg\" alt=\"Source: shutterstock.com\/Getmilitaryphotos\" width=\"500\" height=\"348\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3871\" class=\"wp-caption-text\">Source: shutterstock.com\/Getmilitaryphotos<\/figcaption><\/figure>\n<h1><strong>Methoden in der Taktikausbildung<\/strong><\/h1>\n<p>Das Man\u00f6ver in seiner bisherigen Form f\u00fchrt nicht mehr zum gew\u00fcnschten Erfolg auf dem Gefechtsfeld! Das Man\u00f6ver, im Sinne der weitl\u00e4ufigen (Angriffs-)Bewegung gro\u00dfer Verb\u00e4nde, wurde im zweiten Irakkrieg (2003) erfolgreich angewandt und diente als Ma\u00dfstab f\u00fcr die Taktik von Landstreitkr\u00e4ften. Unter anderem leiteten sich daraus die Tagesleistungen einer Brigade im Angriff von bis zu 60 km ab.[1] Mit diesem Wissen wurde auch der Beginn des Angriffs auf die Ukraine beobachtet. Es wurde jedoch sehr rasch ersichtlich, dass diese Form des Man\u00f6vers nicht verwirklicht werden konnte und es \u00fcber die Zeit sogar zu einer Art Stellungskrieg kam. Wenn man nun also die Entwicklungen im Krieg in der Ukraine betrachtet,[2] so kommt man nicht umhin, sich die Frage zu stellen, worin die Gr\u00fcnde daf\u00fcr liegen. Viel wichtiger als die Beantwortung dieser Frage ist das Ziehen von Ableitungen f\u00fcr die Ausbildung im \u00d6sterreichischen Bundesheer, insbesondere am Institut f\u00fcr Offiziersweiterbildung der Theresianischen Milit\u00e4rakademie (TherMilAk).<\/p>\n<p>Die Taktikausbildung im \u00d6BH war in den letzten Jahrzehnten von der Idee des Man\u00f6vers gepr\u00e4gt. S\u00e4mtliche L\u00f6sungen f\u00fcr taktische Herausforderungen haben sich daher am Man\u00f6ver orientiert, erm\u00f6glicht durch die aktive Nutzung des Kampfes der verbundenen Waffen. Das Man\u00f6ver hatte zum Ziel, eine eigene \u00dcberlegenheit aufgrund Beweglichkeit und \u00dcberraschung zu erreichen.[3] Dem \u00dcbungsgegner wurde w\u00e4hrend des Kalten Krieges die Milit\u00e4rdoktrin und die Ausr\u00fcstung der ehemaligen Sowjetunion zugrunde gelegt. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde der \u00dcbungsgegner durch paramilit\u00e4risch handelnde Konfliktparteien erg\u00e4nzt und auch ersetzt. Es wurden Szenarien entwickelt, welche in einem fiktiven Ausland spielten, um \u00fcber den internationalen Kontext eine Rechtfertigung f\u00fcr das eigene Handeln und die Auseinandersetzung mit robusten milit\u00e4rischen Konflikten zu erlangen. Diese fiktiven, nicht von der milit\u00e4rischen Landesverteidigung abgeleiteten, Szenarien erlaubten es dem Lagenersteller, sich den \u00dcbungsgegner anzupassen. Unter dem Argument der Man\u00f6verfokussierung kamen stets in der Kampfkraft und in den F\u00e4higkeiten unterlegene Feindgruppierungen zur Anwendung. Dadurch konnte man im \u00d6BH fehlende F\u00e4higkeiten wie Pionierkampfunterst\u00fctzung, Luftunterst\u00fctzung oder Fliegerabwehr marginalisieren. Dieses Ph\u00e4nomen trat verst\u00e4rkt bei Planspielen auf, da in diesem Falle nicht einmal der (\u00dcbungs-)Wahrheitsbeweis f\u00fcr das eigene Handeln anzutreten war.[4]<\/p>\n<p>In der praktischen Ausgestaltung von \u00dcbungen wurde meist aus Gr\u00fcnden der Einfachheit ein \u201eDogfight-Szenario\u201c gew\u00e4hlt,[5] womit die oben dargestellte Negativspirale weiter beschleunigt wurde. Dabei handelt es sich um zwei milit\u00e4rische Gruppierungen, welche \u00fcber dieselben F\u00e4higkeiten und dieselbe Doktrin verf\u00fcgen, mit aufeinandertreffenden Planungsst\u00e4ben, die gleich ausgebildet waren. Die Parteien verf\u00fcgten aber in der Regel nicht \u00fcber den vollen Umfang an F\u00e4higkeiten, wie sie mittlerweile State of the Art sind. Als Beispiel w\u00e4ren hier Drohnen f\u00fcr Aufkl\u00e4rung und Steilfeuerbeobachtung anzuf\u00fchren. Auch die Unterst\u00fctzung durch Luftstreitkr\u00e4fte beziehungsweise Heeresfliegerkr\u00e4fte und die notwendigen Fliegerabwehrma\u00dfnahmen wurden oft aus Gr\u00fcnden der \u201eEinfachheit\u201c vernachl\u00e4ssigt.[6] Der Grund daf\u00fcr lag in der Aufwandreduktion f\u00fcr die \u00dcbungsvorbereitung und -steuerung.<\/p>\n<blockquote><p>In der praktischen Ausgestaltung von \u00dcbungen wurde meist aus Gr\u00fcnden der Einfachheit ein \u201eDogfight-Szenario\u201c gew\u00e4hlt, womit die oben dargestellte Negativspirale weiter beschleunigt wurde.<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Art der \u00dcbungsanlage wurde auch im Sinne einer Denkschule des Man\u00f6vers verwendet. Es hatte \u00fcblicherweise jene Partei Erfolg, welche das Man\u00f6ver schneller und \u00fcberraschender zur Anwendung brachte.[7] \u00dcber die Jahre wurde diese Denkschule trotz aktueller Kriegsbeispiele schleichend in die Anlage s\u00e4mtlicher \u00dcbungen \u00fcbernommen, da das Milit\u00e4r den (tages-)politischen Narrativ \u00fcbernommen hat.[8] Das in der Theorie gelehrte Gefechtsbild,[9] wie beispielsweise das Angriffsverfahren des ehemaligen Warschauer Paktes,[10] wurde so gut wie nie von einem \u00dcbungsgegner vollzogen. Egal um welche \u00dcbungsform es sich handelte, der \u00dcbungsgegner wurde immer aus Soldat:innen gebildet, welche \u00fcber eine vergleichbare Ausbildung und Erfahrung verf\u00fcgen.<\/p>\n<h1><strong>Das Dilemma am Institut f\u00fcr Offiziersweiterbildung<\/strong><\/h1>\n<p>Verst\u00e4rkend wirkte am Institut f\u00fcr Offiziersweiterbildung der Faktor der Auswertung der Lehrgangsevaluierungen. Die Evaluierung und die Umsetzung der Ergebnisse ist eine notwendige und sinnvolle Ma\u00dfnahme zur Qualit\u00e4tssicherung. In Wahrheit stellt sie jedoch auch eine Art Falle dar, in die das Lehrpersonal leicht tappt.[11] Als Institution wurde danach getrachtet, negative R\u00fcckmeldungen zu kompensieren beziehungsweise zu vermeiden. In letzter Konsequenz bedeutete dies, dass bei \u00dcbungen die eigenen Kr\u00e4fte zwingend erfolgreich sein mussten. Ein Scheitern h\u00e4tte sonst zu Frustration bei den Lehrgangsteilnehmer:innen und damit verbunden zu negativen Kritiken f\u00fchren k\u00f6nnen. Als Organisation ist es also umso wichtiger, zu erkl\u00e4ren, zu welchem Zweck die Auszubildenden im Rahmen eines kontrollierten Scheiterns in eine bewusste \u00dcberforderung gef\u00fchrt werden. Da damit einhergehende negative Kritiken im Rahmen der Evaluierung nicht ausgeschlossen werden k\u00f6nnen, muss die Fragestellung entsprechend angepasst werden. Im Zuge der Auswertung der Evaluierung ist dann klar abzugrenzen, welche Teile negativ wahrgenommen werden.<\/p>\n<h1><strong>Ver\u00e4nderte Rahmenbedingungen<\/strong><\/h1>\n<p>Die Hauptaufgabe im Institut f\u00fcr Offiziersweiterbildung liegt sinngem\u00e4\u00df darin, die Offiziere f\u00fcr ihre Aufgabe in einem Krieg zu bef\u00e4higen.[12] Der Krieg und damit das konventionelle Gefecht kehrte mit Beginn des aktuellen Krieges in der Ukraine (2022) in die Wahrnehmung zur\u00fcck und darf jetzt auch wieder ohne Umschweife ausgebildet werden.[13]<\/p>\n<p>Eine kritische Reflexion der beobachteten Ereignisse f\u00fchrte zu zwei Ergebnissen. Einerseits wurde das Lehrskriptum der Landesverteidigungsakademie (LVAk) \u201eOPFOR konventionelle Landstreitkr\u00e4fte, Gefechtsaufgaben und Gliederungen\u201c,[14] und damit die Beschreibung der gegnerischen Ausr\u00fcstung und Verfahren, angepasst. Andererseits kann das \u201egl\u00e4serne Gefechtsfeld\u201c nicht mehr l\u00e4nger unbeachtet bleiben. Die Verwendung von Drohnen zur Aufkl\u00e4rung, Steilfeuerbeobachtung und aktiven Bek\u00e4mpfung stellt eine technische Evolution des Gefechts dar. Ein \u00fcberraschendes Auftreten von Streitkr\u00e4ften wurde praktisch unm\u00f6glich gemacht.[15] Ein weiterer Aspekt ist der massive Einsatz von Steilfeuer. Wir beobachten eine durch den Westen v\u00f6llig untersch\u00e4tzte Intensit\u00e4t der Verwendung von Artillerie.[16] Durch die Summe dieser Effekte sind sichere R\u00fcckzugs- beziehungsweise Bereitstellungsr\u00e4ume praktisch verschwunden.<\/p>\n<blockquote><p>Die Verwendung von Drohnen zur Aufkl\u00e4rung, Steilfeuerbeobachtung und aktiven Bek\u00e4mpfung stellt eine technische Evolution des Gefechts dar.<\/p><\/blockquote>\n<p>Obwohl diese Beobachtungen und Erkenntnisse eine wesentliche Grundlage f\u00fcr eine weitere Entwicklung der Taktik darstellen, d\u00fcrfen sie nicht isoliert betrachtet werden. Es muss in einer selbstkritischen Reflexion festgestellt werden, dass \u00fcber die Jahrzehnte verschiedene Dinge vergessen wurden und im Rahmen der \u00dcberarbeitung von Dienstvorschriften daraus entfernt worden sind. Als Beispiel daf\u00fcr kann die Dienstvorschrift f\u00fcr das Bundesheer \u201eTruppenf\u00fchrung\u201c genannt werden. In der Fassung aus 1965[17] wird noch auf das Angriffsverfahren eines \u00fcberlegenen Feindes eingegangen, w\u00e4hrend die aktuelle Fassung aus 2004 keine Aussagen zu einem m\u00f6glichen Feindverhalten mehr trifft. Anhand dieses Beispiels l\u00e4sst sich also erkenne, dass ein \u00fcberlegener feindlicher Steilfeuereinsatz in Vergessenheit geraten und erst im Zuge der Auswertungen des Ukrainekrieges wieder in unser Bewusstsein getreten ist. Um eine ganzheitliche Problemanalyse als Grundlage f\u00fcr das Ziehen der richtigen Folgerungen machen zu k\u00f6nnen, sind drei Aspekte notwendig. Diese sind die Beobachtung des aktuellen Verhaltens realer Konfliktparteien (\u201eReconnoitre\u201c), das \u00dcberpr\u00fcfen aktueller Dienstvorschriften auf Plausibilit\u00e4t und das inhaltliche Vergleichen mit au\u00dfer Kraft gesetzten Versionen (\u201eRevise\u201c), und letztendlich das Wiedererlernen von immer noch g\u00fcltigen Verhaltensweisen und Abl\u00e4ufen (\u201eRelearn\u201c). Die Neukontextualisierung der Dienstvorschriften unter Anwendung der \u201eOperational Capabilities Research Methodology\u201c[18] kann durchaus als Gebot der Stunde bezeichnet werden.<\/p>\n<p>Ziel muss es sein, die Offiziere des \u00d6sterreichischen Bundesheeres an die Tatsache zu gew\u00f6hnen, dass der Gegner \u00fcber zum Teil \u00fcberlegene F\u00e4higkeiten verf\u00fcgt und diese auch zu nutzen im Stande ist. Erst wenn diese Tatsache akzeptiert wurde, k\u00f6nnen die eigenen St\u00e4rken gegen\u00fcbergestellt werden und erfolgreiche eigene Gefechtsideen entwickelt werden.<\/p>\n<p>Simulationsgest\u00fctzte F\u00fchrungs\u00fcbungen sind dazu besonders geeignet. Systeme wie der \u201eCombined Arms Tactical Trainer (CATT)\u201c oder \u00c4hnliches lassen eine \u00dcberpr\u00fcfung der Gefechtsideen zu und erm\u00f6glichen eine evolution\u00e4re Weiterentwicklung des Man\u00f6vers. Der entscheidende Faktor ist dabei die schonungslose Darstellung gegnerischer Effekte um Schw\u00e4chen in der eigenen Planung und Gefechtsf\u00fchrung aufzudecken. Eine Inkaufnahme des kontrollierten Scheiterns der \u00dcbungstruppe ist notwendig, um das gew\u00fcnschte Umdenken zu erreichen.[19]<\/p>\n<blockquote><p>Systeme wie der \u201eCombined Arms Tactical Trainer \u201c oder \u00c4hnliches lassen eine \u00dcberpr\u00fcfung der Gefechtsideen zu und erm\u00f6glichen eine evolution\u00e4re Weiterentwicklung des Man\u00f6vers.<\/p><\/blockquote>\n<h1><strong>Neue Ans\u00e4tze<\/strong><\/h1>\n<p>Das Man\u00f6ver, wie es in den letzten 20 Jahren verstanden wurde, ist nicht mehr l\u00e4nger der Schl\u00fcssel zum Erfolg. Es muss ein Umdenken beziehungsweise eine adaptierte Anwendung von Grunds\u00e4tzen erfolgen. Betrachtet man zum Beispiel die Thematik der Tarnung und T\u00e4uschung im Sinne des F\u00fchrungsgrundsatzes \u201e\u00dcberraschung und T\u00e4uschung\u201c,[20] welcher unver\u00e4ndert notwendig und in adaptierter Form auch weiterhin erfolgversprechend ist, so kann ein Gegner durch \u00dcberfrachtung seines Common Operational Pictures mit hunderten falsch positiven Signalen \u00fcberfordert werden, wodurch die F\u00e4higkeit zur effektiven Zielbek\u00e4mpfung deutlich reduziert werden kann.[21]<\/p>\n<p>Das Institut f\u00fcr Offiziersweiterbildung hat daher einen neuen Ansatz gew\u00e4hlt, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Es werden die Erkenntnisse aus dem IRON NIKE-Forschungsprogramm in der Lehre umgesetzt. Die Digitalisierung der Stabsarbeit erfolgt unter Nutzung vielf\u00e4ltiger Visualisierungstechnologien der Extended Reality in einem Digitalen Hauptquartier (DHQ), in dem durch rasche Datenintegration und Visualisierung (RADIV) eine immersive und kollaborationsf\u00e4hige, dreidimensionale Planungsumgebung bereitgestellt wird. Durch das f\u00f6rmliche Eintauchen in den virtuellen Einsatzraum werden die Wahrnehmung der Bearbeiter:innen unterst\u00fctzt und Entscheidungsfindungsprozesse durch bessere Einblicke qualitativ verbessert.[22] Neben der Vermittlung neuer Methoden in der Planung von Eins\u00e4tzen kommt der Ergebnis\u00fcberpr\u00fcfung unter Nutzung simulationsgest\u00fctzter \u00dcbungen (wie oben dargestellt) eine wesentlich h\u00f6here Bedeutung zu. Weitere neue Ans\u00e4tze sind die vermehrte Anwendung von Case Studies, wo eine kritische Auseinandersetzung mit einem aktuellen Kriegsbeispiel erfolgt. Der Benefit entsteht dabei durch die Diskussion der Erkenntnisse und m\u00f6glicher alternativer L\u00f6sungsans\u00e4tze. In der Vermittlung der Taktik werden zus\u00e4tzlich die M\u00f6glichkeiten der Fernlehre gen\u00fctzt. So kann der Lernende im Sinne von Microcredentials sein taktisches Verst\u00e4ndnis und Handwerkszeug verbessern. Zus\u00e4tzlich sollte \u00fcber die leihweise Zurverf\u00fcgungstellung von CATT-Lizenzen seitens der TherMilAk nachgedacht werden. Damit w\u00fcrden die Lernenden in die Lage versetzt werden, Planungsergebnisse \u00fcberpr\u00fcfen zu k\u00f6nnen. Durch das Lehrpersonal des Instituts f\u00fcr Offiziersweiterbildung k\u00f6nnte dann auch eine individuelle Ergebnisr\u00fcckmeldung erfolgen, welche dem Lernfortschritt zugutekommen w\u00fcrde. Im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung gewinnt der Bereich des Military Leaderships, unter Einbindung internationaler Experten, zunehmend an Bedeutung. S\u00e4mtliche Ma\u00dfnahmen, inklusive der angewandten Forschung zur Zukunft der Stabsarbeit, dienen dazu, Bilder zur Realit\u00e4t des Gefechts zur Verf\u00fcgung zu stellen, und der bestm\u00f6glichen Vorbereitung auf die Aufgabenwahrnehmung![23]<\/p>\n<p>Das \u00d6BH muss sich neben dem personellen Aufwuchs und dem Aufbau neuer beziehungsweise verloren gegangener F\u00e4higkeiten auch mit allf\u00e4lligen \u00c4nderungen in der Ausbildung auseinandersetzen. Ein Teil davon ist die Evaluierung der Taktikausbildung. Der Fokus liegt dabei weniger auf revolution\u00e4ren Neuerungen, sondern mehr auf der evolution\u00e4ren Anpassung, wie Jim Storr sie mit folgenden Worten beschreibt:<\/p>\n<p><em>\u201e(\u2026) But if you are a western country, you can continue as you currently do. You have good people. You might not have the right ones in the right places. The best of them are not trained well enough. You use too many of them in headquarters which are too big, too vulnerable, and too busy. They produce orders which are too long, and take too long to do so (\u2026).\u201d<\/em>[24]<\/p>\n<p>Das Institut f\u00fcr Offiziersweiterbildung ist sich seiner Verantwortung um das Humankapital des \u00d6BH bewusst und leistet den dazu erforderlichen Beitrag im Sinne der Anwendung einer forschungsbasierten Lehre!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>Oberst des Generalstabsdienstes Reinhard Janko MA, Referatsleiter Taktik und Stabsdienst am Institut f\u00fcr Offiziersweiterbildung der Theresianischen Milit\u00e4rakademie. Die in diesem Artikel ge\u00e4u\u00dferten Ansichten sind die des Autors und stellen nicht die Meinung der Theresianischen Milit\u00e4rakademie dar.<\/p>\n<hr \/>\n<p>[1] Bundesministerium f. Landesverteidigung, <em>Merkblatt f\u00fcr das \u00d6BH, Handakt Taktik<\/em> (Stand September 2016), Wien, 2016, 99<\/p>\n<p>[2] ObstdG Dr. Markus Reisner,<a href=\"https:\/\/www.bundesheer.at\/aktuelles\/detail\/von-drohnen-und-panzern-zehn-fragen-an-oberst-markus-reisner\"> https:\/\/www.bundesheer.at\/aktuelles\/detail\/von-drohnen-und-panzern-zehn-fragen-an-oberst-markus-reisner<\/a>, zuletzt ge\u00e4ndert Mai 15, 2024, abgefragt September 18, 2027.<\/p>\n<p>[3] ObstdG Mag. Dieter Schadenb\u00f6ck, <em>Lehrskriptum der LVAk, Grundlagen der Taktik der Landstreitkr\u00e4fte 2.0<\/em>, Wien,\u00a0 2020: 166-177.<\/p>\n<p>[4] Erfahrung des Verfassers aufgrund dienstlicher Verwendung.<\/p>\n<p>[5] GenMjr iR Mag. Robert Prader, Expertengespr\u00e4ch mit dem Lehrpersonal Referat Taktik&amp;Stabsdienst am Institut f\u00fcr Offiziersweiterbildung der TherMilAk, Wiener Neustadt, Dezember 04, 2023.<\/p>\n<p>[6] Erfahrung des Verfasser aufgrund dienstlicher Verwendung.<\/p>\n<p>[7] GenMjr iR Mag. Robert Prader, Expertengespr\u00e4ch mit dem Lehrpersonal Referat Taktik&amp;Stabsdienst am Institut f\u00fcr Offiziersweiterbildung der TherMilAk, Wiener Neustadt, Dezember 04, 2023.<\/p>\n<p>[8] ObstdG Matthias Wasinger PhD, <em>Vom Wesen und Wert des Milit\u00e4rischen<\/em>, Dissertation, Wien: 2018, 66-67.<\/p>\n<p>[9] ObstdG Mag. Dieter Schadenb\u00f6ck, <em>Lehrskriptum der LVAk, Das Ph\u00e4nomen der russischen Bataillonskampfgruppe (Bataljonnye Takticheskie Gruppy)\u2013 ein Diskussionsbeitrag zum modernen Kriegs- &amp; Gefechtsbild<\/em>, Wien, 2016, 32-36.<\/p>\n<p>[10] Nationale Volksarmee<em>, Gefechtsvorschrift der Landstreitkr\u00e4fte, Bataillon und Kompanie, DV 325\/0\/001<\/em>, DDR, Potsdam: 1984, 52-84.<\/p>\n<p>[11] ObstdG Dr. Peter Hofer, Klausur des Instituts f\u00fcr Offiziersweiterbildung der TherMilAk, Wiener Neustadt, April 02, 2024.<\/p>\n<p>[12] ObstdG Dr. Peter Hofer, <em>Institutsbefehl f\u00fcr die Ausbildung 2024<\/em>, Institut f\u00fcr Offiziersweiterbildung\/TherMilAk, Wr. Neustadt, April 02, 2024.<\/p>\n<p>[13] ObstdG Dr. Peter Hofer<em>, Offiziersweiterbildung 2030<\/em>, Jahrbuch 2023 der TherMiAl, Bundesministerium f\u00fcr Landesverteidigung, Heeresdruckzentrum, 1030 Wien, BMLV, HDruckZ 22-00000, Wien 2023, 119-120.<\/p>\n<p>[14] Bundesministerium f. Landesverteidigung, <em>Lehrskriptum des Instituts f\u00fcr H\u00f6here Milit\u00e4rische F\u00fchrung der Landesverteidigungsakademie: OPFOR konventionelle Landstreitkr\u00e4fte, Gefechtsaufgaben und Gliederungen<\/em>, Version 2, Wien: 2016.<\/p>\n<p>[15] ObstdG Dr. Markus Reisner,<a href=\"https:\/\/www.bundesheer.at\/aktuelles\/detail\/von-drohnen-und-panzern-zehn-fragen-an-oberst-markus-reisner\"> https:\/\/www.bundesheer.at\/aktuelles\/detail\/von-drohnen-und-panzern-zehn-fragen-an-oberst-markus-reisner<\/a>, zuletzt ge\u00e4ndert Mai 15, 2024, abgefragt September 18, 2024.<\/p>\n<p>[16] ObstltdG Georg Stiedl MA, <em>Ausarbeitung Ref Taktik\/IHMF\/LVAk, Einf\u00fchrung \u00dcbungsgegner Rot \u2013 konventioneller Kampf<\/em>, Wien: 2024, Vortrag am Institut f\u00fcr Offiziersweiterbildung, Wiener Neustadt: 30.07.2024<\/p>\n<p>[17] Bundesministierium f\u00fcr Landesverteidigung, Dienstvorschrift f\u00fcr das Bundesheer: Truppenf\u00fchrung (TF), Wien, Juli 1965, 67-69.<\/p>\n<p>[18] ObstdG Dr. Peter Hofer, https:\/\/vojenskerozhledy.cz\/en\/kategorie-clanku\/teorie-a-doktriny\/improving-urban-operations-capabilities, zuletzt ge\u00e4ndert April 04, 2024, zuletzt abgefragt Dezember 02, 2024.<\/p>\n<p>[19] ObstdG Dr. Peter Hofer, Klausur des Instituts f\u00fcr Offiziersweiterbildung der TherMilAk, Wiener Neustadt, April 02, 2024.<\/p>\n<p>[20] OberstdG Mag. Dieter Schadenb\u00f6ck, <em>Lehrskriptum der LVAk, Grundlagen der Taktik der Landstreitkr\u00e4fte 2.0<\/em>, Wien: 2020, 83.<\/p>\n<p>[21] Colonel John Antal, US Army (Retired), \u201cThe Ten Rules of Masking,\u201d johnantal.com (09.02.2024), 7.<\/p>\n<p>[22] ObstdG Dr. Peter HOFER, \u201cThe Quadruplicity of Future Military Command. Urbanization, Digitalization, Artificial Intelligence and Mission Command,\u201d #UOET23 Meeting Proceedings (#UOET Proceedings), https:\/\/www.milak.at\/en\/uoet\/uoet23, zuletzt aktualisiert am Januar 17, 2024, zuletzt abgefragt am Dezember 02, 2024.<\/p>\n<p>[23] ObstdG Dr. Peter Hofer, Klausur des Instituts f\u00fcr Offiziersweiterbildung der TherMilAk, Wiener Neustadt, April 02, 2024.<\/p>\n<p>[24] Jim STORR, \u201dSomething Rotten: Land Command in the 21<sup>st<\/sup> Century,\u201c Howgate Publishing Limited, 9.5.22, ISBN-10: 1912440326, 221.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abstract: Die Taktikausbildung im \u00d6sterreichischen Bundesheer (\u00d6BH) war in den letzten Jahrzehnten von der Idee des Man\u00f6vers gepr\u00e4gt. S\u00e4mtliche L\u00f6sungen f\u00fcr taktische Herausforderungen haben sich daher am Man\u00f6ver orientiert. Das Man\u00f6ver hatte zum Ziel, eine eigene \u00dcberlegenheit aufgrund Beweglichkeit und \u00dcberraschung zu erreichen. Dieses Dogma wurde auch dem gegnerischen Verhalten zu Grunde gelegt. 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