Enduring Hostility

The Making of America’s Iran Policy

Dalia Dassa Kayes, (Standford University Press, 2025). pp. 236.

Source: amazon.com

Dalia Dassa Kayes Enduring Hostility: The Making of America’s Iran Policy ist eine ebenso differenzierte wie zeitgemäße Analyse der anhaltenden Gegnerschaft zwischen den USA und der Islamischen Republik Iran. Anstatt die konfliktreiche Beziehung lediglich als Abfolge diplomatischer Fehlschläge darzustellen, untersucht Kaye die tieferliegenden Wahrnehmungen, institutionellen Routinen und politischen Deutungsmuster, die die amerikanische Iranpolitik über Jahrzehnte hinweg geprägt haben.

Im Zentrum des Buches steht eine grundlegende Infragestellung gängiger Erklärungen, die die anhaltende Feindseligkeit primär auf die ideologische Ausrichtung des iranischen Regimes oder dessen regionales Verhalten zurückführen. Kaye argumentiert überzeugend, dass die Konfrontation nicht allein eine Reaktion auf iranische Politik ist, sondern in erheblichem Maße durch amerikanische Entscheidungsprozesse selbst hervorgebracht und verstetigt wurde. Annahmen über iranische Absichten, institutionelle Abhängigkeiten und fest verankerte Bedrohungsnarrative hätten dazu beigetragen, den Iran dauerhaft als unversöhnlichen Gegner zu manifestieren.

Kaye argumentiert überzeugend, dass die Konfrontation nicht allein eine Reaktion auf iranische Politik ist, sondern in erheblichem Maße durch amerikanische Entscheidungsprozesse selbst hervorgebracht und verstetigt wurde.

Das Buch verbindet historische Tiefe mit analytischer Klarheit. Auf der Grundlage umfangreicher Interviews mit ehemaligen Regierungsvertretern, der Auswertung von Archivmaterial sowie kongressionaler Debatten rekonstruiert Kaye zentrale Weichenstellungen der U.S.-Iran-Politik seit der Revolution von 1979. Diese Vorgehensweise verleiht der Studie besondere Anschaulichkeit und ermöglicht einen seltenen Einblick in die internen Auseinandersetzungen, die die amerikanische Politik gegenüber Teheran maßgeblich beeinflusst haben.

Besonders überzeugend ist Kayes Analyse der Selbstverstärkung politischer Wahrnehmungen und institutioneller Praktiken. Sie zeigt, wie selbst Phasen potenzieller Annäherung – etwa bei begrenzten gemeinsamen Interessen oder vorsichtigen diplomatischen Öffnungen – durch tief verankerte Annahmen über iranische Feindseligkeit sowie innenpolitische Kosten ungenutzt bleiben. Indem sie diese Dynamiken in den Vordergrund rückt, geht Kaye über rein strukturelle Erklärungsansätze hinaus und liefert einen wichtigen Beitrag zum Verständnis amerikanischer Außenpolitik.

Trotz der Komplexität des Gegenstands bleibt die Darstellung gut lesbar. Kaye entfaltet ihre Argumentation in klarer, stringenter Sprache. Das Buch richtet sich damit nicht nur an Fachleute, sondern auch an ein breiteres, politisch interessiertes Publikum. Ihre langjährige Erfahrung in der Analyse der amerikanischen Sicherheitspolitik schlägt sich in einer gelungenen Verbindung von theoretischer Reflexion und politischer Praxis nieder.

Trotzdem hätte eine stärkere Einbettung in umfassendere geopolitische oder machtpolitische Strukturen dem Buch zusätzliche Tiefe verliehen. Der Fokus auf die inneramerikanischen Entscheidungsprozesse tritt stellenweise auf Kosten einer Auseinandersetzung mit globalen Machtkonstellationen oder der historischen Rolle westlicher Interventionen im Nahen Osten. Diese Aspekte werden zwar nicht ausgeblendet, bleiben jedoch gegenüber der institutionellen Analyse nachgeordnet.

Der Fokus auf die inneramerikanischen Entscheidungsprozesse tritt stellenweise auf Kosten einer Auseinandersetzung mit globalen Machtkonstellationen oder der historischen Rolle westlicher Interventionen im Nahen Osten.

Insgesamt ist Enduring Hostility eine überzeugende und erhellende Studie zu einer der beständigsten Konfliktlinien der internationalen Politik. Kaye macht deutlich, dass die Feindschaft zwischen den USA und dem Iran kein geopolitisches Schicksal ist, sondern das Ergebnis konkreter politischer Entscheidungen, Interpretationen und institutioneller Routinen. Das Buch leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Vergangenheit und eröffnet neue Perspektiven für die zukünftige Gestaltung der komplexen Beziehung.

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